Geld war gestern: Musks kühne Prognose für die nächsten zehn Jahre

Geld war gestern: Musks kühne Prognose für die nächsten zehn Jahre

Kein Geld mehr, keine Pflicht zu arbeiten, dafür Wohlstand für alle: Elon Musk zeichnet in einem neuen Interview ein Zukunftsbild, das an Science-Fiction erinnert. Der Tesla- und SpaceX-Chef ist überzeugt, dass künstliche Intelligenz unsere Wirtschaft schon in einem Jahrzehnt komplett umkrempeln wird.

Ein seltener Auftritt vor der Kamera

Für sein erstes ausführliches Interview seit dem milliardenschweren Börsengang von SpaceX setzte sich Musk mit Zanny Minton Beddoes, Chefredakteurin des britischen Magazins „The Economist“, zusammen – gefilmt in seiner texanischen Gigafactory, wie aus der Ankündigung des Economist auf der Plattform X hervorgeht. Das rund 90-minütige Gespräch für das Economist-Format „The Insider“ erschien am 23. Juli 2026 und deckt ein breites Themenspektrum ab: von der Zukunft der künstlichen Intelligenz über den Wettlauf mit China bis zu Musks eigener politischer Rolle.

„In zehn Jahren übernehmen Roboter, in fünf die KI unseren Verstand“

Im Zentrum des Gesprächs steht Musks Überzeugung, dass KI-Systeme in etwa fünf Jahren die gesamte menschliche Intelligenz zusammengenommen übertreffen könnten, wie das Onlineportal ChinaTechNews aus dem Interview zitiert. Innerhalb von zehn Jahren würden Roboter am Arbeitsplatz einen Großteil menschlicher Tätigkeiten übernehmen. Bereits bei früheren öffentlichen Auftritten hatte Musk ein ganz ähnliches Bild gezeichnet: Arbeit werde in einer solchen Zukunft „optional“ – so wie man heute freiwillig im eigenen Garten Gemüse anbaut, obwohl der Einkauf im Supermarkt viel einfacher wäre.

„Irgendwann wird Geld irrelevant“

Die zentrale und meistzitierte These aus dem Gespräch betrifft die Zukunft des Geldes selbst. Laut dem US-Magazin Gizmodo, das die Interview-Passagen dokumentiert, sagte Musk auf die Frage, wie seine Unternehmen künftig überhaupt noch Geld verdienen sollen: Der wahrscheinlichste Ausblick sei ein „Zeitalter des erstaunlichen Überflusses“, in dem sich jeder Mensch praktisch alles leisten könne, was er sich vorstellen kann. Auf den Einwand von Beddoes, dass ein solches System – etwa durch einfaches Verteilen von staatlichen Schecks an alle Bürger – zwangsläufig zu Inflation führen müsse, widersprach Musk: Durch die schiere Produktionsfülle der KI- und Robotertechnologie könne es sogar zu Deflation statt Inflation kommen. Diese Idee eines finanzierten „hohen Grundeinkommens für alle“ hatte Musk bereits in der Vergangenheit wiederholt vertreten, etwa im November 2025 beim US-Saudi Investment Forum in Washington, wo er ausführte, Geld werde „irgendwann nicht mehr relevant sein“, solange Fortschritte bei KI und Robotik anhielten.

China sieht Musk vorn im Rennen

Bemerkenswert offen äußerte sich Musk auch zur geopolitischen Dimension des KI-Wettlaufs. Im Interview mit dem Economist bezeichnete er China als sehr stark sowohl bei physischen Robotern als auch bei digitaler KI – ein Land, das etwa bereits öffentliche Roboter-Kampfveranstaltungen austrage, wie er mit sichtlicher Belustigung schilderte. Aus Sicht Musks liegt Chinas Stärke vor allem in den zentralen Ressourcen für KI-Entwicklung: Elektrizität, Chips und robotische Fertigungskapazitäten. Damit deutet Musk an, dass die Führungsrolle im globalen KI-Wettlauf keineswegs zwangsläufig bei den USA liegen muss.

Selbstkritik zur eigenen Politik-Rolle

Zur Sprache kam im Interview auch Musks eigenes politisches Engagement der vergangenen Jahre. Nach Angaben des Economist-Podcasts räumte er ein, sich „ein bisschen zu sehr“ in die US-Politik hineingesteigert zu haben. Von seinen umstrittensten inhaltlichen Positionen rückte er dabei allerdings nicht ab.

Einordnung: Kein völlig neuer Gedanke

Wichtig zur Einordnung: Musks Kernthese vom „bedeutungslosen Geld“ ist keine spontane Neuigkeit dieses Interviews, sondern eine Position, die er in den vergangenen Monaten wiederholt vertreten hat – unter anderem bereits im November 2025 und im Jänner 2026 bei öffentlichen Auftritten in den USA. Neu am aktuellen Economist-Gespräch ist vor allem der Rahmen: ein längeres, unabhängig geführtes Interview mit kritischen Rückfragen, in dem Musk seine Thesen ausführlicher als sonst gegen ökonomische Einwände verteidigen musste.

Credits: Bild von KI erzeugt

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