Ludwig besucht besetztes Haus in Rom – ÖVP spricht von „gefährlichem Signal“

Ludwig besucht besetztes Haus in Rom – ÖVP spricht von „gefährlichem Signal“

Papst-Audienz, Bürgermeister-Treffen – und ein Abstecher in ein seit Jahren besetztes Gebäude. Wiens Bürgermeister Michael Ludwig sorgt mit seiner Rom-Reise für politischen Wirbel daheim.

Was Ludwig in Rom tat

Wie presse.wien.gv.at und w24.at berichteten, reiste Wiens Bürgermeister Michael Ludwig gemeinsam mit Wirtschaftskammer-Wien-Präsident Walter Ruck nach Rom. Am Mittwoch trafen beide im Rahmen einer Generalaudienz Papst Leo XIV. – Themen waren geopolitische Fragen, Digitalisierung und interreligiöser Dialog. Am Donnerstag folgte ein Gespräch mit Roms Bürgermeister Roberto Gualtieri über leistbares Wohnen, EU-Vergaberecht und öffentliche Mobilität.

Den unerwarteten Gesprächsstoff lieferte jedoch ein weiterer Termin: Wie oe24 berichtete, besuchte Ludwig am Donnerstagnachmittag das Gebäude „Spin Time Labs“ in der Nähe des Esquilino-Viertels – ein seit Jahren von Aktivisten besetztes ehemaliges Bürogebäude, in dem laut oe24 mehr als 400 Menschen aus rund 130 Familien wohnen, darunter viele Migranten. Ludwig würdigte das Projekt laut oe24 als „Modell städtischer Erneuerung.“

Was Spin Time Labs ist

Wie der Podcast „Traces of Light“ und das Portal agencyofbetterliving.at dokumentierten, leben im Spin Time Labs rund 450 Menschen aus 27 Nationen. Das ehemals leerstehende Verwaltungsgebäude wurde vor Jahren besetzt und zu einem sozialen Zentrum mit Gemeinschaftsküchen, Werkstätten und Kulturräumen umgebaut. In Italien gilt die rechtliche Lage solcher Besetzungen als heikel – die aktuelle rechte Regierung unter Giorgia Meloni hat die Strafen für Hausbesetzungen verschärft. Bemerkenswert: Wie agencyofbetterliving.at festhielt, wurde Spin Time Labs sogar im österreichischen Pavillon der Architekturbiennale Venedig als Beispiel für sozialen Wohnbau präsentiert.

ÖVP: „Gefährliches Signal“

Die Wiener ÖVP ließ keine Zeit verstreichen. Wie oe24 berichtete, reagierte Gemeinderat Lorenz Mayer, Wohnbausprecher der Wiener Volkspartei, umgehend: „Eine Hausbesetzung ist nichts anderes als die Enteignung privater Eigentümer durch die Hintertür – und wenn der SPÖ-Bürgermeister das als Vorbild feiert, sendet das ein gefährliches Signal.“ Mayer legte nach: „Wer privaten Eigentümern jeden Handgriff vorschreibt, gleichzeitig aber den eigenen Bestand verkommen lässt und dann noch Hausbesetzungen glorifiziert, hat das Grundprinzip verantwortungsvoller Wohnpolitik nicht verstanden.“

Bewohner sehen Wien als Vorbild

Die Bewohnergemeinschaft von Spin Time Labs sah Ludwigs Besuch laut oe24 naturgemäß anders: Er sei ein wichtiges Signal für die soziale Bedeutung des Projekts. In einem Brief an Ludwig warnten die Bewohner vor den Folgen von Klimawandel und Massentourismus und nannten Wien ausdrücklich als Vorbild für soziale Stadtpolitik – mit dem Wunsch nach weiterem Austausch.

Credits: APA

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