Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) hat in einem Interview mit der deutschen Zeitung „Welt“ scharf mit FPÖ-Chef Herbert Kickl abgerechnet. Dieser reagierte prompt – allerdings nicht mit einer inhaltlichen Erwiderung, sondern mit einer ungewöhnlichen Einladung per Instagram-Video.
Kein Automatismus zum Kanzleramt
Ludwig stellte in dem Interview grundsätzlich infrage, dass ein möglicher Wahlsieg der FPÖ automatisch zu einer Kanzlerschaft Kickls führen würde. „Es gibt in der Demokratie keinen Automatismus, dass die Partei mit den meisten Stimmen auch den Regierungschef stellt“, so der Bürgermeister. Kickl brauche dafür die nötigen Mehrheiten, müsse erfolgreich verhandeln und zu Kompromissen bereit sein.
Vorwurf: Vor der Verantwortung davongelaufen
Besonders deutlich wurde Ludwig bei der Aufarbeitung der gescheiterten Regierungsbildung nach der letzten Nationalratswahl. „Kickl hatte schon nach der Wahl, in der die FPÖ die meisten Stimmen erhielt, den Regierungsbildungsauftrag, aber er hat keine Regierung zustande gebracht“, erklärte der SPÖ-Politiker. Aus seiner Sicht sei Kickl „vor der Verantwortung davongelaufen“ und habe sich stattdessen für „das bequemere Leben“ entschieden. Wörtlich fügte Ludwig hinzu: „Man hat den Eindruck, er ist mehr in den Bergen als arbeitend für die Menschen tätig.“
Kritik an Medienauftritten und fehlenden Ideen
Auch Kickls Verhältnis zu unabhängigen Medien nahm Ludwig ins Visier. Der FPÖ-Chef gebe solchen Medien nur selten Interviews – „und wenn er es doch tut, dann kommt da nahezu nichts. Da ist eine große Leere“, so der Bürgermeister. Sein Fazit fiel entsprechend hart aus: „Herr Kickl hat keine innovativen Ideen für die Zukunft unseres Landes.“ Zur Hochform laufe der FPÖ-Obmann nach Ludwigs Einschätzung „nur im Bierzelt“ auf, wo er Menschen denunziere und herabwürdige.
Kickls Reaktion: Eine Einladung zum Wandern
Statt inhaltlich auf die Vorwürfe einzugehen, reagierte Kickl mit einem Instagram-Video, in dem er Ludwig zu einer „Bergtour oder zum Wandern“ einlud. Seine Begründung dafür: „In der Ruhe liegt die Kraft“, die man brauche, „um etwas Positives zu bewegen“.
Ein Schlagabtausch ohne inhaltliche Erwiderung
Bemerkenswert an Kickls Reaktion ist, dass er auf keinen der konkreten inhaltlichen Vorwürfe Ludwigs – weder zur gescheiterten Regierungsbildung noch zum Umgang mit Medien – näher einging. Ob und wie es zu einer inhaltlichen Auseinandersetzung zwischen den beiden Politikern kommt, bleibt vorerst offen.
Credits: Parlamentsdirektion / Thomas Topf
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