Kreiskys Erbe: Warum Zeiler der bessere SPÖ-Chef wäre

Kreiskys Erbe: Warum Zeiler der bessere SPÖ-Chef wäre

Die SPÖ hat längst kein Erkenntnisproblem mehr. Sie hat ein Führungsproblem. Andreas Babler trat vor mehr als drei Jahren mit großen Versprechen an: Er wollte die Sozialdemokratie erneuern, die Mitglieder stärker einbinden und verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen.

Von der damaligen Aufbruchsstimmung ist wenig geblieben. In aktuellen Umfragen liegt die SPÖ nur noch bei rund 15 bis 16 Prozent – und damit in einem der schwersten Stimmungstiefs ihrer Geschichte. Babler ist bisher stärker mit Ankündigungen als mit sichtbaren politischen Erfolgen aufgefallen. Der Partei fehlen eine gemeinsame Linie, organisatorische Schlagkraft und vor allem das Vertrauen vieler Wählerinnen und Wähler.

Politische Führung zeigt sich nicht an Versprechen, sondern daran, ob unterschiedliche Interessen zusammengeführt, veraltete Strukturen reformiert und konkrete Ergebnisse erzielt werden. Genau daran bestehen mittlerweile erhebliche Zweifel.

Wenn die Parteizentrale resigniert

Für zusätzliches Aufsehen sorgt eine Aussage, die exxtra24 von einem aktiven, langjährigen SPÖ-Funktionär aus Niederösterreich zugetragen wurde. Demnach soll SPÖ-Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim sinngemäß erklärt haben:

„Ich habe es aufgegeben, die Parteiorganisation und das Mitgliederverzeichnis zu reformieren. Ich konzentriere mich jetzt auf die sozialen Medien.“

Sollte die Darstellung zutreffen, wäre sie politisch höchst bemerkenswert. Ein Bundesgeschäftsführer, der die Reform der eigenen Organisation aufgibt und seinen Schwerpunkt stattdessen auf soziale Medien verlagert, läuft Gefahr, politische Kommunikation mit politischer Substanz zu verwechseln.

Denn auch die professionellste Inszenierung kann keine funktionierende Parteiorganisation ersetzen. Postings reformieren kein Mitgliederverzeichnis, Videos lösen keine strukturellen Probleme und digitale Reichweite allein gewinnt kein verlorenes Vertrauen zurück.

Wer vor den organisatorischen Baustellen der eigenen Partei kapituliert, stellt der Handlungsfähigkeit der Parteizentrale ein vernichtendes Zeugnis aus. Wenn an der Parteispitze nicht mehr reformiert, sondern bereits resigniert und anschließend vor allem kommuniziert wird, ist der Handlungsbedarf offensichtlich.

Die Sozialdemokratie braucht einen Brückenbauer

Die SPÖ besteht nicht nur aus der Wiener Parteizentrale. Sie lebt von ihren Landesorganisationen, Bezirken, Gemeinden, Bürgermeistern, Funktionären und Mitgliedern. Eine erfolgreiche Parteiführung muss diese Kräfte verbinden, statt sie gegeneinander auszuspielen.

Die Landesorganisationen müssen wieder an einen Tisch gebracht, das Vertrauen der Mitglieder gestärkt, die Parteistrukturen modernisiert und eine verständliche gemeinsame Linie formuliert werden. Dafür braucht es weniger Selbstinszenierung und mehr Führungserfahrung, weniger politische Experimente und mehr professionelles Management.

Gerhard Zeiler wäre dafür vermutlich die überzeugendste verfügbare Persönlichkeit – sofern er selbst bereit wäre, diese Aufgabe zu übernehmen.

Vertrauliche Gespräche schaffen Vertrauen

Auch aus Kärnten kommen nach Informationen von exxtra24 positive Signale. Kärntens Landeshauptmann Daniel Fellner soll sich kürzlich bei einem vertraulichen Abendessen mit Gerhard Zeiler ausgetauscht haben. Das Gespräch habe dem Vernehmen nach bei den Beteiligten einen ausgesprochen positiven Eindruck hinterlassen.

Nach Informationen aus dem Umfeld der Gespräche trauen auch andere führende Sozialdemokraten Zeiler zu, wieder Handschlagqualität und echte Machermentalität in die SPÖ-Zentrale zu bringen. Ein gemeinsames Treffen mit allen SPÖ-Läderchefs steht ante portas.

Im Mittelpunkt soll nicht die Verteilung künftiger Funktionen gstehen, sondern die Frage, wie die Partei organisatorisch stabilisiert, politisch geeint und wieder auf Erfolgskurs gebracht werden kann. Zeiler habe zugehört, unterschiedliche Positionen ernst genommen und gleichzeitig vermittelt, dass Führung irgendwann auch bedeutet, Entscheidungen zu treffen.

Die SPÖ braucht keinen Vorsitzenden, der nur einen einzelnen Parteiflügel bedient. Sie braucht einen Parteichef, dessen Wort gilt, der Vereinbarungen einhält und auf Gespräche auch Taten folgen lässt. Immer mehr Verantwortungsträger innerhalb der Sozialdemokratie scheinen Zeiler genau das zuzutrauen.

Eine Stimme aus der Kreisky-Ära

Auch Max Strache, ehemaliger Organisationssekretär der SPÖ, späterer Landesparteisekretär der SPÖ Niederösterreich und ehemaliger Nationalratsabgeordneter, sieht die Ursache der parteiinternen Auseinandersetzungen vor allem in der derzeitigen Führung. Gegenüber exxtra24 erklärt Strache:

„Mit einem anderen SPÖ-Vorsitzenden – etwa Gerhard Zeiler – gäbe es parteiintern nicht dieselben Diskussionen wie derzeit unter Andreas Babler.“

Diese Einschätzung hat Gewicht. Strache kennt die Sozialdemokratie aus jahrzehntelanger eigener Erfahrung und war bereits während der Kreisky-Ära in einer zentralen Organisationsfunktion der Bundespartei tätig.

Wenn ein Sozialdemokrat mit diesem Erfahrungshintergrund Zeiler ausdrücklich als mögliche Alternative zu Babler nennt, ist das mehr als bloße Nostalgie. Es zeigt, wie weit die Zweifel an der gegenwärtigen Parteiführung inzwischen reichen – und dass die Diskussion über einen personellen Neubeginn längst nicht mehr nur in einzelnen Landesorganisationen geführt wird.

Zeiler kann große Organisationen führen

Gerhard Zeiler ist Sozialdemokrat, kennt die Partei seit Jahrzehnten und stammt aus einfachen Verhältnissen in Wien-Ottakring. Gleichzeitig hat er eine internationale Karriere hingelegt, wie sie nur wenige österreichische Manager vorweisen können.

Er führte den ORF, RTL Television und die RTL Group. Heute verantwortet er als President International bei Warner Bros. Discovery Geschäfte und Marken in mehr als 220 internationalen Märkten. Zeiler hat große Unternehmen geleitet, komplexe Strukturen gesteuert, unterschiedliche Interessen zusammengeführt und Verantwortung für Tausende Mitarbeiter übernommen.

Genau diese Kompetenz fehlt der SPÖ derzeit. Die Partei braucht nicht den nächsten Funktionär, der ausschließlich innerhalb ihrer eigenen Strukturen sozialisiert wurde. Sie braucht jemanden, der diese Strukturen mit einem gewissen Abstand betrachten und aufgrund seiner eigenen sozialdemokratischen Geschichte dennoch verstehen kann.

Zeiler kennt die Partei, ist ihr aber nicht ausgeliefert. Er versteht ihre Traditionen, ohne in ihren eingefahrenen Abläufen gefangen zu sein.

Erfolgreiche SPÖ-Chefs konnten führen

Die SPÖ war besonders erfolgreich, wenn ihre Vorsitzenden politische Erfahrung mit wirtschaftlicher und organisatorischer Kompetenz verbanden. Franz Vranitzky kam aus dem Bankmanagement, Viktor Klima war Spitzenmanager der OMV und Christian Kern führte die Österreichischen Bundesbahnen.

Auch ihre Amtszeiten waren nicht frei von Fehlern. Doch sie vermittelten Führungsfähigkeit, staatspolitische Verantwortung und wirtschaftliche Kompetenz. Zudem erzielten sie deutlich bessere Wahlergebnisse, als es die heutigen Umfragewerte der SPÖ erwarten lassen.

Zeiler könnte an diese Tradition anknüpfen. Er weiß, wie man große Organisationen führt, unterschiedliche Lager zusammenhält, eine Strategie entwickelt und diese anschließend auch umsetzt.

Die SPÖ benötigt nicht nur jemanden, der ihre Werte überzeugend formuliert. Sie braucht jemanden, der aus diesen Werten eine mehrheitsfähige politische Strategie macht.

Kreiskys Porträt ersetzt keine politische Größe

Auch wenn Andreas Babler in seinem Büro auf das Porträt Bruno Kreiskys blickt, entsteht politische Größe nicht durch die Nähe zu einem Bild. Ein Vergleich zwischen Babler und Kreisky wäre weit hergeholt und würde dem Vermächtnis des ehemaligen Bundeskanzlers kaum gerecht.

Kreisky war belesen, strategisch, weltoffen und diplomatisch versiert. Er verfügte über internationale Erfahrung, intellektuelle Tiefe und ein außergewöhnliches Gespür für politische Entwicklungen. Er entwarf gesellschaftliche Visionen, erreichte unterschiedliche Milieus und verlieh Österreich weit über seine Grenzen hinaus politisches Gewicht.

Die Qualität eines Politikers sollte selbstverständlich nicht allein an Schulabschlüssen oder akademischen Titeln gemessen werden. Wer sich jedoch in Kreiskys Tradition stellt, muss sich an dessen Substanz, Weitsicht, internationaler Souveränität und politischen Ergebnissen messen lassen. Genau hier fällt der Vergleich mit Babler ernüchternd aus. Ein sympathisches Auftreten und ein breites Lächeln ersetzen weder Autorität noch staatsmännisches Format.

Wenn ein heutiger Sozialdemokrat in wesentlichen Eigenschaften an Kreiskys Format erinnert, wäre Zeiler jedenfalls der plausiblere Vergleich. Er ist belesen, international erfahren und strategisch versiert. Er kann außerhalb Österreichs auf Augenhöhe mit einflussreichen Entscheidungsträgern agieren und versteht die Mechanismen von Macht, Medien, Wirtschaft und gesellschaftlichem Wandel.

Babler kann Kreiskys Porträt betrachten. Zeiler bringt zumindest einen Teil jener Weltläufigkeit, strategischen Stärke und internationalen Glaubwürdigkeit mit, für die Kreisky bis heute in Erinnerung geblieben ist.

Zeiler muss niemandem mehr etwas beweisen

Gerhard Zeiler braucht keine politische Karriere mehr, um persönliche Anerkennung zu erlangen. Seine beruflichen Erfolge hat er längst erreicht. Er muss kein Amt erobern, um jemand zu sein, und benötigt keinen Parteivorsitz als nächsten Punkt in seinem Lebenslauf.

Gerade das könnte ihn unabhängiger machen als viele Berufspolitiker. Er könnte Entscheidungen danach treffen, was für die SPÖ notwendig ist – und nicht danach, welcher Parteiflügel gerade am lautesten protestiert.

Zeiler kennt Medien, Wirtschaft und Politik. Er weiß, wie öffentliche Kommunikation funktioniert, wie Organisationen neu positioniert und aus Krisen geführt werden. Ihm wäre zuzutrauen, rasch an jenen Stellschrauben zu drehen, die innerhalb der SPÖ seit Jahren niemand ernsthaft anzufassen wagt.

Auch Österreich braucht eine starke SPÖ

Ein Wechsel an der SPÖ-Spitze wäre nicht nur eine innerparteiliche Angelegenheit. Österreich braucht regierungsfähige Parteien, die verlässlich miteinander arbeiten und tragfähige Mehrheiten bilden können.

Eine stabilisierte und professionell geführte SPÖ wäre daher auch für die politische Mitte und für mögliche Koalitionspartner ein wichtiges Signal. Sie könnte wieder zu einem berechenbaren Partner werden und langfristig die Grundlage für eine handlungsfähige Zweierkoalition schaffen.

Eine Partei bei 15 oder 16 Prozent kann zwar Regierungsverantwortung tragen, aber kaum jene politische Kraft ausstrahlen, die eine Partnerschaft auf Augenhöhe benötigt. Eine von Zeiler geführte SPÖ könnte Vertrauen zurückgewinnen, größere politische Breite herstellen und wieder jene staatstragende Rolle übernehmen, die einer Volkspartei entsprechen sollte.

Eine starke SPÖ wäre deshalb nicht nur für die Sozialdemokratie gut. Sie wäre gut für den politischen Wettbewerb und die demokratische Stabilität Österreichs.

Die Zeit der Experimente ist vorbei

Andreas Babler hat seine Chance bekommen. Klaus Seltenheim ebenso. Politische Führung darf jedoch nicht danach beurteilt werden, wie groß die Ankündigungen waren, sondern danach, was tatsächlich erreicht wurde.

Die bisherige Bilanz ist ernüchternd: historische Umfragetiefs, anhaltende Konflikte zwischen den Parteiflügeln, eine verunsicherte Basis und offenbar eine Bundesorganisation, bei deren Reform selbst führende Funktionäre an ihre Grenzen stoßen.

Die SPÖ braucht keinen kosmetischen Neustart und keine weitere Kommunikationskampagne. Sie braucht einen echten Führungswechsel.

Gerhard Zeiler wäre ein glaubwürdiger Brückenbauer, ein international erfahrener Manager und ein Sozialdemokrat, der niemandem mehr etwas beweisen muss. Er könnte die Partei stabilisieren, ihre Lager zusammenführen und sie wieder zu einer ernst zu nehmenden politischen Kraft machen.

Daher, liebe SPÖ: Die Zeit der Experimente mit Babler und Seltenheim ist vorbei. Habt den Mut zu einem echten Neubeginn – und damit zu einer starken Zukunft für die österreichische Sozialdemokratie.

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