Die Kollektivvertragsverhandlungen in der Sozialwirtschaft stehen vor der Tür, und die Fronten könnten kaum verhärteter sein. Während die Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) auf einen Abschluss über der Inflationsrate pocht, verweisen die Arbeitgeber auf leere Kassen und massiven Spardruck. Ein heißer Herbst ist vorprogrammiert!
Gewerkschaft: „Abschlüsse unter der Inflation? Undenkbar!“
Eva Scherz, Chefverhandlerin der GPA, macht unmissverständlich klar: „Wir können uns Abschlüsse unter der Inflationsrate gar nicht vorstellen.“ Die Forderung der Gewerkschaft ist eindeutig: Die harte Arbeit in Pflege, Behindertenbetreuung und Kinderbildung müsse endlich angemessen honoriert werden. „Uns geht die Arbeit nicht aus, wir haben zu wenig Personal und nicht zu viele Arbeitskräfte“, betont Scherz gegenüber der APA.
Die Metaller-Abschlüsse, die zuletzt unter der Inflationsrate lagen, seien für die Sozialwirtschaft kein Vorbild. „Wir sind kein exportorientierter Sektor. Unsere Branche wächst und leidet weiterhin unter den Nachwirkungen der Corona-Pandemie“, so Scherz weiter.
Arbeitgeber: „Spardruck wie nie zuvor“
Auf der anderen Seite steht die Sozialwirtschaft Österreich (SWÖ), die den Spardruck der öffentlichen Hand betont. „Wir starten in eine Situation, die es so noch nie gegeben hat“, erklärt eine Sprecherin der Arbeitgeberseite. Einsparungen von bis zu 50 Prozent im Behindertenbereich und Kürzungen bei Projekten des Sozialministeriumsservice setzen die Branche massiv unter Druck.
Die Arbeitgeber fordern mehr Transparenz von der Politik. „Wir wissen, dass Einsparungen kommen, aber wir haben kaum klare Informationen“, so die Sprecherin. Gleichzeitig betont sie, dass der Kollektivvertrag so gestaltet werden müsse, dass die Versorgung der Klienten nicht gefährdet werde.
Ein Blick zurück: Was war 2024?
Im Vorjahr konnten die Verhandlungen mit einem Plus von vier Prozent abgeschlossen werden. Doch angesichts der aktuellen Inflationsrate von über fünf Prozent reicht das längst nicht mehr aus, um die Kaufkraft der Beschäftigten zu sichern. Laut der Gewerkschaft PRO-GE würde ein Verzicht auf Lohnerhöhungen in den nächsten drei Jahren zu einem Reallohnverlust von über sechs Prozent führen – ein Szenario, das für viele Beschäftigte existenzbedrohend wäre.
Was steht auf dem Spiel?
Die erste Verhandlungsrunde ist für den 21. Oktober angesetzt. Bis dahin bleibt unklar, ob sich die Gewerkschaft mit ihren Forderungen durchsetzen kann oder ob die Arbeitgeberseite mit Verweis auf die leeren Kassen einen harten Sparkurs fährt. Klar ist: Die Beschäftigten in der Sozialwirtschaft erwarten ein klares Signal der Wertschätzung – und das nicht nur in Worten, sondern auch in Zahlen.
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