Der legendäre polnische Ex-Präsident und Friedensnobelpreisträger Lech Walesa hat Österreichs Sicherheitspolitik scharf attackiert. In einem Interview mit Der Standard ließ der 81-Jährige kein gutes Haar an der österreichischen Neutralität – und an der Tatsache, dass Österreich nicht Teil der NATO ist. „Das ist ein Schlawinertum!“, wetterte Walesa. Für ihn gehört die Sicherheit der Welt allen – und jeder müsse Verantwortung übernehmen. Die NATO sei das einzige funktionierende Bollwerk gegen globale Gefahren. Österreichs Weg findet er einfach zu fahrlässig.
Peinlicher Auftritt? Walesa sagt Amtseinführung ab
Für die große Show bei der Amtseinführung von Polens neuem Präsidenten Karol Nawrocki hat Walesa keinen Finger krumm gemacht. „Ich werde nicht hingehen, ich werde mich schämen müssen“, erklärte der Friedensnobelpreisträger. Der 42-jährige Nawrocki, ein rechter Hardliner, geht frontal gegen die Mitte-links-Regierung von Ministerpräsident Donald Tusk vor und bezeichnet Tusk als den „schlechtesten Ministerpräsidenten nach 1989“. Ein heftiger Seitenhieb, wenn man bedenkt, dass Walesa selbst der erste frei gewählte Präsident Polens nach dem Fall des Kommunismus war.
Vom Arbeiterhelden zum Mahner der Nation
Walesas Geschichte liest sich wie ein Hollywood-Drehbuch: Als Anführer der Gewerkschaft „Solidarność“ hat er in den 80ern das kommunistische Regime in Polen gestürzt. 1990 wurde er zum Staatspräsidenten gewählt, und 1983 bekam er mitten im Kalten Krieg den Friedensnobelpreis. Heute sieht er mit Sorge, wie sich die politische Landschaft verändert – und scheut sich nicht, Klartext zu reden. Seine Worte sind eine deutliche Warnung an Österreich und Polen gleichermaßen.
Walesa hat sich nie gescheut, unbequem zu sein – und das zeigt sich auch jetzt. Österreichs Neutralität? Für ihn ein veraltetes Konzept, das in einer unsicheren Welt einfach nicht mehr ausreicht. Und in Polen? Da sorgt der neue Präsident für Zündstoff bei einer Ikone der Freiheit.
Quellen: Quelle: Der Standard, via orf.at
Credits: APA
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