Korruptionsskandal erschüttert Selenskyjs engsten Kreis: Jermak tritt zurück!

Korruptionsskandal erschüttert Selenskyjs engsten Kreis: Jermak tritt zurück!

Kiew – Ein politisches Erdbeben erschüttert die Ukraine: Andrij Jermak, der engste Vertraute von Präsident Wolodymyr Selenskyj, ist zurückgetreten. Der Grund? Ein Korruptionsskandal, der bis in die höchsten Kreise reicht.

Hausdurchsuchung und Rücktritt: Jermak unter Druck

Am Freitag bestätigten das Nationale Antikorruptionsbüro (NABU) und die Antikorruptionsstaatsanwaltschaft (SAP) eine Hausdurchsuchung bei Jermak. Der mächtige Präsidialamtschef, der als „zweiter Mann“ im Staat gilt, geriet durch Korruptionsvorwürfe im Energiesektor ins Visier der Ermittler. Laut dem Onlineportal „Ukrajinska Prawda“ durchsuchten zehn Fahnder Jermaks Wohnung. Der Politiker selbst beteuerte seine Kooperation.

Präsident Selenskyj verkündete den Rücktritt seines Vertrauten in einer Videoansprache. „Jermak hat seinen Rücktritt eingereicht“, erklärte er. Ein Nachfolger soll bereits am Samstag beraten werden.

Millionen-Schmiergelder und ein „kriminelles System“

Die Vorwürfe wiegen schwer: Im Zentrum steht die sogenannte „Midas“-Affäre, bei der rund 100 Millionen Dollar veruntreut worden sein sollen. Schmiergelder flossen offenbar beim Bau von Schutzvorrichtungen für Energieanlagen – ein brisantes Thema, da diese Anlagen russischen Luftangriffen ausgesetzt sind. Auch der staatliche AKW-Betreiber Enerhoatom ist involviert.

Die Ermittlungen führten bereits zu hochkarätigen Entlassungen, darunter Energieministerin Switlana Hryntschuk und ihr Vorgänger Herman Haluschtschenko. Mehrere Personen wurden festgenommen.

Flucht und internationale Verstrickungen

Besonders pikant: Tymur Minditsch, ein enger Vertrauter Selenskyjs und Hauptverdächtiger, soll das Land verlassen haben. Minditsch, der auch die israelische Staatsbürgerschaft besitzt, wird vorgeworfen, seine Nähe zum Präsidenten ausgenutzt zu haben, um sich zu bereichern. Auch der Geschäftsmann Olexandr Zuckermann ist auf der Flucht.

Die Ermittler werfen Minditsch zudem Korruption im Verteidigungssektor vor. Es geht um dubiose Geschäfte beim Kauf von Schutzwesten für die Armee. Ex-Verteidigungsminister Rustem Umjerow, der als Zeuge vorgeladen wurde, bestreitet jede Verwicklung.

Politische Turbulenzen und internationale Reaktionen

Der Rücktritt Jermaks kommt zu einem heiklen Zeitpunkt: Die USA drängen auf einen 28-Punkte-Friedensplan, der weitreichende Zugeständnisse von Kiew verlangt. Jermak war zuletzt in Genf mit US-Außenminister Marco Rubio in Verhandlungen involviert. Seine Ernennung zum Chef des Verhandlungsteams hatte bereits für Stirnrunzeln gesorgt, da er selbst im Korruptionsskandal unter Druck stand.

Die EU begrüßte die Durchsuchungen als Zeichen für eine funktionierende Korruptionsbekämpfung. „Das zeigt, dass die Antikorruptionsbehörden in der Ukraine ihre Arbeit tun“, erklärte EU-Kommissionssprecherin Paula Pinho. Der Kampf gegen Korruption ist entscheidend für den angestrebten EU-Beitritt der Ukraine.

Ein Machtmensch am Ende?

Andrij Jermak, einst einflussreicher Strippenzieher und „Türsteher“ zu Selenskyj, steht nun vor den Trümmern seiner Karriere. Kritiker werfen ihm vor, zu viel Macht angehäuft und kritische Stimmen rücksichtslos ausgegrenzt zu haben. Sein Rücktritt markiert das vorläufige Ende einer Ära – und könnte der Beginn weiterer Enthüllungen sein.


Quellen: ORF.at, Ukrajinska Prawda, The Atlantic, EU-Kommission
Credits: APA

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