KOMMENTAR: Eskalation ohne Ausstieg: Der Westen hat eine rote Linie nach der anderen aufgegeben

KOMMENTAR: Eskalation ohne Ausstieg: Der Westen hat eine rote Linie nach der anderen aufgegeben

Russland hat Kiew erneut massiv bombardiert. Und wieder folgt der westliche Reflex: Empörung, Solidaritätsbekundungen – und mehr Waffen. Doch die Frage, die kaum jemand laut stellen will: Wohin führt dieser Weg?

Scholz hatte recht – und wurde überstimmt

Man muss kein Putin-Versteher sein, um die Logik der Eskalationsspirale zu erkennen. Noch Bundeskanzler Olaf Scholz hatte klar gemacht, Deutschland werde keine Waffen liefern, mit denen russisches Territorium angegriffen werden kann. Die USA haben dieselbe rote Linie gezogen. Beide Positionen sind inzwischen Geschichte.

Heute helfen europäische Länder – mit Drohnen, mit Technologie, mit Aufklärungsdaten – dabei, Ziele tief in russischem Gebiet zu treffen. Raffinerien brennen. Moskau wird beschossen. Dass man dabei nicht den Namen Taurus in den Mund nehmen muss, ändert nichts an der Substanz: Der Westen führt faktisch Krieg gegen Russland – mit ukrainischen Händen, aber mit westlichem Material, westlicher Planung und westlicher Infrastruktur.

Die Antwort Russlands ist Kiew

Massiver Beschuss der ukrainischen Hauptstadt, Raketen auf das Kiewer Höhlenkloster, tote Kinder in Charkiw – das ist die Eskalation, vor der gewarnt wurde. Russland antwortet auf Angriffe ins eigene Hinterland mit Angriffen auf ukrainische Städte. Das ist militärisch vorhersehbar und politisch konsequent. Wer das als Überraschung darstellt, war in den vergangenen Jahren nicht aufmerksam.

Und der Kreml hat unmissverständlich klargestellt, was er von europäischer Beteiligung hält: Peskow hat Atomwaffen jüngst zur letzten Stabilitätsgarantie erklärt. Das ist keine Drohung im Vorbeigehen – das ist eine strategische Botschaft an jene, die glauben, man könne Russland in seiner Peripherie besiegen, ohne Konsequenzen zu tragen.

Wo endet das?

Die Frage ist nicht, ob Russlands Vorgehen in der Ukraine Völkerrecht verletzt – das tut es, ohne jeden Zweifel.

Die Frage ist, ob der eingeschlagene westliche Weg zu einem Ende führt, das besser ist als das, was heute auf dem Tisch liegt. Waffenlieferungen ohne politische Strategie sind kein Friedensplan. Sie sind ein Mechanismus zur Verlängerung eines Kriegs, der die Ukraine täglich Menschen und Infrastruktur kostet – und der den Westen Schritt für Schritt tiefer in einen Konflikt zieht, dessen Ausgang niemand kontrolliert.

Dass Europa dabei mittlerweile zum potenziellen Ziel wird, ist keine russische Propaganda. Es ist die logische Konsequenz einer Politik, die sich selbst keine Grenzen mehr setzt.

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