Klimaneutralität 2040: Österreichs Alleingang könnte bis zu 45.000 Jobs kosten

Klimaneutralität 2040: Österreichs Alleingang könnte bis zu 45.000 Jobs kosten

Zehn Jahre früher als die EU will Österreich klimaneutral sein. Was das kostet, hat nun ein Wirtschaftsforschungsinstitut durchgerechnet – mit ernüchternden Ergebnissen für Beschäftigung, Löhne und Wirtschaftsleistung.

Was die Studie zeigt

Wie exxpress und nachrichten.at unter Berufung auf eine neue Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts EcoAustria berichteten, hat das Institut im Auftrag der Industriellenvereinigung Oberösterreich die wirtschaftlichen Folgekosten des österreichischen 2040-Klimaziels berechnet. Verglichen wird dabei nicht mit dem Status quo, sondern mit einem Szenario, in dem Österreich „nur“ die EU-Ziele – also Klimaneutralität bis 2050 – erfüllt. Die Differenz ist der Preis für den österreichischen Zusatzweg.

Im moderateren Szenario – mit internationalen Klimazertifikaten – würde das reale BIP 2040 laut Studie um 1,7 Prozent oder 8,5 Milliarden Euro niedriger liegen als im EU-Basisszenario. Die Beschäftigung ginge um rund 31.000 Stellen zurück. Im strengeren Szenario – ohne internationale Gutschriften – wären es minus 2,6 Prozent beim BIP, 12,7 Milliarden Euro weniger Wirtschaftsleistung und bis zu 45.000 Jobs weniger.

Der CO₂-Preis, der alles erklärt

Besonders eindrücklich ist eine Zahl aus der Studie. Um Klimaneutralität 2040 zu erreichen, bräuchte es laut Modell eine zusätzliche Treibhausgasbepreisung von rund 394 Euro pro Tonne CO₂e – und zwar genau im Zieljahr. Zum Vergleich: Der aktuelle EU-ETS-Preis liegt bei rund 70 Euro pro Tonne. Diese Bepreisung verteuert fossile Energie und emissionsintensive Prozesse – und treibt laut Studie die Produktionsverlagerung ins Ausland.

Green Jobs gleichen den Verlust nicht aus

Wie exxpress unter Berufung auf die Studie berichtete, kommt EcoAustria-Ökonom Johannes Berger zu einem klaren Befund: Die zusätzlich entstehenden „Green Jobs“ reichen nicht aus, um die negativen Beschäftigungseffekte zu kompensieren. Höhere Produktionskosten, schwächere Wettbewerbsfähigkeit und mögliche Produktionsverlagerungen ins Ausland wögen schwerer als neue grüne Tätigkeiten. Im schlimmsten Fall sinken Österreichs Emissionen nur auf dem Papier – weil die Produktion in Länder mit niedrigeren Standards abwandert.

Was die Studie nicht misst – und was das bedeutet

Journalistisch fair muss hinzugefügt werden: Die EcoAustria-Studie berechnet die Kosten des österreichischen Sonderwegs, nicht die Kosten des Nichtstuns. Wie die Studie selbst laut exxpress festhält, verweist sie auf das COIN-Projekt – die bisher umfangreichste Analyse klimawandelbedingter Schäden in Österreich. Demnach steigen diese Schäden von derzeit rund 2 Milliarden Euro jährlich auf bis zu 10,8 Milliarden Euro bis 2050. Diese Schäden entstehen aber durch den globalen Klimawandel. Österreich verursacht laut Studie nur 0,14 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen. Der heimische Alleingang hätte global also minimale direkte Wirkung.

Zur Einordnung: EcoAustria wurde für diese Studie von der Industriellenvereinigung Oberösterreich beauftragt – einer Organisation, die strukturell für niedrigere Klimaauflagen eintritt. Das macht die Zahlen nicht falsch, ist aber bei der Bewertung der Schlussfolgerungen zu berücksichtigen.

Kein Gesetz, aber trotzdem Ziel

Wie exxpress berichtete, ist das 2040-Ziel nach aktuellem Stand nicht rechtsverbindlich festgelegt – eine entsprechende Novelle des Klimaschutzgesetzes blieb bisher aus. Die aktuelle Bundesregierung bekennt sich dennoch weiter dazu. Das Ziel wurde von der türkis-grünen Koalition vereinbart – von ÖVP und Grünen gemeinsam – und von Klimaministerin Leonore Gewessler zur zentralen Linie ihrer Amtszeit gemacht.

Credits: BKA

Teilen:
0 0 Abgegebene Stimmen
Artikel Bewertung
Abonnieren
Benachrichtigung von
guest

0 Kommentare
Älteste
Neuestes Meistgewählt
0
Ich würde mich über Ihre Meinung freuen, bitte kommentieren Sie.x