Ukrainische Drohnen erreichen russische Städte, die Wirtschaft schwächelt, und im Kreml kursieren bereits Pläne für ein mögliches Kriegsende. Russland-Experte Andrey Gurkov sieht Anzeichen, dass die Stimmung in Russland beginnt zu kippen – und zwar gegen Putin.
Drohnen bringen den Krieg nach Russland
Wie oe24.at unter Berufung auf den „Ronzheimer“-Podcast berichtet, sieht Gurkov – russischer Journalist und Wirtschaftsexperte – in den ukrainischen Drohnenangriffen eine psychologische Zäsur: „In Dutzenden Städten Russlands gibt es nachts Fliegeralarm. Das ist etwas ganz Neues für die russische Bevölkerung.“ Besonders symbolisch sei ein virales Video aus Moskau geworden, in dem eine junge Russin überrascht auf Explosionen reagiert: „Ich hätte nie gedacht, dass der Krieg zu uns kommen würde.“ Gurkovs Schlussfolgerung: „Da kippt die Stimmung.“ Viele Menschen hätten mittlerweile den Wunsch, dass der Krieg beendet wird – ein Gefühl, das laut Gurkov vor einigen Monaten noch nicht vorhanden gewesen sei.
Laut Daten des Armed Conflict Location & Event Data Project (ACLED), die oe24.at grafisch aufbereitet, erreichen ukrainische Angriffe auf russisches Territorium seit 2023 ein zuvor nicht dagewesenes Ausmaß und überschreiten zeitweise 1.000 Angriffe pro Monat.
Wirtschaft und Bürokratie als innere Bedrohung
Neben der psychologischen Wirkung der Drohnenangriffe verschärft sich laut Gurkov auch die wirtschaftliche Lage in Russland. Inflation, ausbleibende militärische Erfolge und die Länge des Kriegs belasten Putins Machtbasis zunehmend – auch innerhalb der Elite wachse die Nervosität, wie oe24.at berichtet. Der Experte sieht dabei eine spezifische Gefahr für autoritäre Systeme: „Die größere Gefahr für das Regime ist die Sabotage der Bürokratie. Das ist eine Krankheit von Diktaturen.“ Befehle aus Moskau könnten zunehmend ignoriert oder verschleppt werden – etwa bei Rekrutierungen oder wirtschaftlichen Vorgaben.
Kreml plant Waffenstillstands-Narrativ – aber echte Zugeständnisse fehlen
Besonders brisant ist laut oe24.at ein weiterer Befund Gurkovs: Im Kreml kursieren bereits interne Papiere für den Fall eines Waffenstillstands. Russische Exilmedien hätten eine sogenannte „Metoditschka“ zugespielt bekommen – eine Art Propaganda-Leitfaden, wie ein mögliches Kriegsende der eigenen Bevölkerung als Sieg verkauft werden könnte. Gurkov zitiert daraus: „Da wird außerordentlich interessant, außerordentlich zynisch und clever aufgelistet, was man alles der Bevölkerung auftischen muss, damit sie das Gefühl hat: Wir haben diesen Krieg so glänzend gewonnen, dass wir stolz sein können.“
Zu echten Zugeständnissen sei Putin laut Gurkov noch nicht bereit. Der Kremlchef wolle zumindest den Donbass vollständig kontrollieren, um anschließend den Sieg verkünden zu können.
Schröder als Vermittler – ein Zeichen der Schwäche
Auch außenpolitisch sendet Moskau neue Signale. Wie oe24.at berichtet, deutet Gurkov Putins Vorstoß, Ex-Kanzler Gerhard Schröder als möglichen Vermittler ins Spiel zu bringen, als Zeichen wachsender Schwäche: Putin habe lange auf Unterstützung durch Trump gesetzt und Europa gleichzeitig „verächtlich beiseitegeschoben“. Nun suche der Kreml offenbar wieder vorsichtig den Kontakt nach Europa – für Gurkov ein klares Signal, dass der Druck auf das Regime spürbar zunimmt.
Credits: APA
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