In den Korridoren der Macht in Kiew braut sich etwas zusammen, das weit über eine gewöhnliche Personalrochade hinausgeht. Präsident Wolodymyr Selenskyj plant offenbar einen riskanten Schachzug: Die Absetzung von Vasyl Malyuk, dem Chef des ukrainischen Sicherheitsdienstes SBU. Was wie bürokratisches Stühlerücken aussieht, könnte die Verteidigungsfähigkeit der Ukraine im Kern erschüttern.
Der Architekt der „Spinnennetz“-Strategie
Vasyl Malyuk ist kein Schreibtischtäter. Der 42-Jährige hat den SBU seit seiner Amtsübernahme 2023 radikal umgebaut. Aus einem behäbigen Inlandsgeheimdienst formte er eine schlagkräftige Spezialeinheit, die den Krieg tief in russisches Territorium trägt. Wie Politico berichtet, war Malyuk der Kopf hinter der Operation „Spiderweb“ (Spinnennetz).
Diese Operation war mehr als ein Nadelstich: Ukrainische Drohnen attackierten 2025 strategische russische Luftwaffenstützpunkte und verursachten dabei Schäden in Höhe von sieben Milliarden US-Dollar. Ein ukrainischer Regierungsvertreter bestätigte gegenüber Politico: „Malyuk ist an seinem Platz, und die Ergebnisse des Sicherheitsdienstes beweisen das. Er war es, der den SBU in einen effektiven Spezialdienst verwandelt hat.“
Ein riskantes Spiel mit der Sicherheit
Die Pläne des Präsidenten stoßen daher auf massiven Widerstand. Experten und Insider warnen vor einem gefährlichen Vakuum. Wie Censor.NET unter Berufung auf den Journalisten Yurii Butusov schreibt, würde ein Abgang Malyuks „die Verteidigungsfähigkeit der Ukraine ernsthaft schwächen“. Malyuk habe einen direkten Einfluss auf die Lage an der Front.
Auch ein anonymer Regierungsvertreter warnte gegenüber Politico drastisch: „Der Kreml wird den Champagner öffnen, wenn Malyuk von seinem Posten entlassen wird.“ Die Sorge ist groß, dass mit Malyuk nicht nur ein Kopf rollt, sondern das strategische Know-how für komplexe Operationen im russischen Hinterland verloren geht.
Das große Stühlerücken in Kiew
Warum also will Selenskyj seinen erfolgreichsten Geheimdienstchef absägen? Offizielle Begründungen fehlen, doch die Gerüchteküche brodelt. Es scheint Teil einer größeren Regierungsumbildung zu sein. Wie die Weltwoche berichtet, laufen hinter den Kulissen intensive Gespräche. Malyuk wehrt sich offenbar gegen seine Entmachtung, doch die Pläne für seine Nachverwendung liegen bereits in der Schublade.
Laut Berichten von Politico und ukrainischen Abgeordneten soll Malyuk auf einen Posten im Auslandsnachrichtendienst oder in den Nationalen Sicherheitsrat weggelobt werden. Gleichzeitig plant Selenskyj offenbar, auch das Verteidigungsministerium neu zu besetzen. Der bisherige Digitalminister Mykhailo Fedorov ist hier als Nachfolger im Gespräch.
Schweigen im Walde
Offiziell hüllen sich alle Beteiligten in Schweigen. Weder die Präsidialverwaltung noch der SBU wollten die Berichte gegenüber den Medien kommentieren. Doch die Bestätigungen aus dem Umfeld der Regierung, wie sie MSN und andere Quellen zitieren, lassen kaum Zweifel: Die Entscheidung steht kurz bevor.
Für die Ukraine steht viel auf dem Spiel. Malyuk hat dem Land, wie ein Insider es ausdrückte, „starke Karten am Verhandlungstisch“ verschafft. Ob Selenskyj bereit ist, diese Karten für eine interne Machtverschiebung aus der Hand zu geben, werden die nächsten Tage zeigen. Fest steht: In Moskau dürfte man die Nachrichten aus Kiew mit großem Interesse verfolgen.
Credits: APA
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