Circus Babler geht weiter – die Länderchefs stehen als Clowns da

Circus Babler geht weiter – die Länderchefs stehen als Clowns da

„Wenn ein Clown in einen Palast zieht, wird er nicht zum König, sondern der Palast wird zum Zirkus.“ Dieser Satz beschreibt das Schauspiel der SPÖ und von Babler treffend. Die Manege bleibt geöffnet. Andreas Babler hat seinen Abgang angekündigt – und gleichzeitig dafür gesorgt, dass die Vorstellung weitergeht. Wer sich vom Krisentreffen einen klaren Schnitt erwartet hat, bekam einen Rückzug in Raten. Der Circusdirektor bleibt vorerst im Amt. Und die vermeintlich mächtigen Länderchefs stehen als Clowns daneben.

Neun Landesparteivorsitzende, der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig, Gewerkschaftschef Wolfgang Katzian und weitere Spitzenvertreter: Eine solche Runde müsste eigentlich imstande sein, eine klare Entscheidung zu treffen und durchzusetzen. Stattdessen präsentiert sie einen Kompromiss, dessen größte Leistung darin besteht, die Entscheidung über mehrere Monate zu verteilen.

Abschied mit eingebautem Verbleib

Babler soll Anfang 2027 das Vizekanzleramt an Markus Marterbauer übergeben und zugleich den Parteivorsitz zurücklegen. Bis dahin begleiten ihn Philip Kucher und Eva-Maria Holzleitner als geschäftsführende Parteivorsitzende. Sein Ministeramt soll Babler nach eigener Darstellung auf Wunsch Marterbauers behalten. Ein Verbleib als Parteichef bis mindestens März ist hingegen nicht bestätigt.

Das ist ein angekündigter Abschied mit eingebautem Verbleib.

Wer Babler rasch aus der Führung entfernen wollte, muss sich fragen lassen, weshalb er weiterhin den Übergang mitgestalten darf. Zwei zusätzliche Parteivorsitzende machen aus einer Führungskrise noch keine handlungsfähige Partei. Sie schaffen zunächst einmal zusätzliche Zuständigkeiten – und damit neue Möglichkeiten, Verantwortung weiterzureichen.

Ludwig hatte vor dem Treffen von einer eng abgestimmten, gemeinsamen Linie der Länder gesprochen. Gemessen an diesem demonstrativen Machtanspruch wirkt das Ergebnis erstaunlich zaghaft. Die versammelte Parteimacht konnte einen Wechsel ankündigen. Einen sofortigen Schlussstrich konnte sie nicht ziehen.

Dabei ist Bablers Schulabschluss völlig nebensächlich. Eine Arbeiterpartei sollte Menschen ohnehin nach ihrer Leistung beurteilen und nicht nach ihrer Matura. Die entscheidende Frage lautet: Wie konnte ein politisch derart angeschlagener Vorsitzender gegenüber einer ganzen Reihe erfahrener Funktionäre noch so viel Einfluss auf die Bedingungen seines Rückzugs behalten?

Das Armutszeugnis der roten Machtzentrale

Die Länderchefs und die Gewerkschaft tragen dafür Mitverantwortung. Wer Führung beansprucht, muss Entscheidungen treffen, erklären und vertreten können. Ein monatelanger Übergang verlangt zumindest eine überzeugende Antwort darauf, weshalb ausgerechnet jene Konstellation, die öffentlich zerstritten wirkte, jetzt plötzlich Vertrauen schaffen soll.

Und dann wären da noch die Wähler.

Die SPÖ liegt laut jüngsten, von Reuters zusammengefassten Umfragen bei rund 15 Prozent – etwa sechs Prozentpunkte unter ihrem Nationalratswahlergebnis von 2024. Das ist die Ausgangslage dieses angeblichen Neustarts.

Weitere Verluste sind damit keineswegs ausgeschlossen. Auch die Landesorganisationen sollten sich nicht einreden, dass das Schauspiel der Bundespartei an ihren eigenen Wahlergebnissen spurlos vorbeigehen wird. Wer ständig öffentlich um Posten, Zuständigkeiten und Rückzugstermine ringt, darf sich nicht wundern, wenn die Menschen irgendwann wegschauen – und ihr Kreuz anderswo machen.

Die einst stolze Sozialdemokratie braucht politische Orientierung, organisatorische Klarheit und eine Führung, der man zutraut, eine Krise zu bewältigen. Was sie am Sonntag geliefert hat, war eine neue Besetzung für dieselbe Manege.

Kreisky hätte die Vorstellung beendet

Wie Bruno Kreisky auf dieses Schauspiel reagiert hätte? In meiner Vorstellung hätte er am Sonntag auf den Tisch gedonnert und den politisch gescheiterten Andreas Babler mit einem nassen Fetzen aus dem Hotel Steigenberger in der Herrengasse Richtung Traiskirchen gejagt. Und dessen Parteibuch? Das hätte er wohl höchstpersönlich angezündet und die Asche so tief vergraben, dass selbst die SPÖ-Apparatschiks daraus keine weitere Funktion mehr hätten basteln können.

Die Länderchefs können sich jetzt gegenseitig versichern, verantwortungsvoll gehandelt zu haben. Entscheidend wird sein, ob die Wähler ihnen das abnehmen.

Babler hat seinen Rückzug angekündigt. Der Circus aber geht weiter. Und die Länderchefs haben sich ihre roten Nasen selbst aufgesetzt.

Die FPÖ sitzt fußfrei – Kickl kassiert beim Ausgang

Und die FPÖ? Zahlt sie schon die Eintrittskarten für den Circus Babler – oder schreibt sie längst das Programm? Jedenfalls sitzt sie in der ersten Reihe, fußfrei, und genießt die Vorstellung: Laienclowns stolpern durch die Manege, während ausrangierte, zahnlose Tiger noch einmal versuchen, gefährlich auszusehen. Ludwig knallt mit der Peitsche, Doskozil schnurrt leise – und Babler fragt, ob das sein Applaus war.

Für diese politische Unterhaltung müsste die FPÖ eigentlich Eintritt bezahlen. Stattdessen liefert ihr die SPÖ das Spektakel frei Haus. Popcorn braucht es keines: Die roten Funktionäre zerbröseln ihre Partei schließlich selbst und die Grünen werden bald die SPÖ überholen.

Und die Moral von der G’schicht: Babler macht die Manege frei, Ludwig stolpert übers Seil und die Länderchefs suchen ihre roten Nasen. Nur Kickl hat den Zirkus verstanden: Er lässt die anderen die Vorstellung schmeißen – und wartet mit der Wahlurne beim Ausgang.

Freundschaft.

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