Reisner: Russlands Waffenruhe ist kein Friedensangebot — es ist Angst

Reisner: Russlands Waffenruhe ist kein Friedensangebot — es ist Angst

Am 9. Mai feiert Russland traditionell den Sieg über Nazi-Deutschland. Heuer ist die Stimmung in Moskau alles andere als feierlich — Bundesheer-Oberst Markus Reisner liefert eine nüchterne Einordnung.

Mobiles Internet abgedreht, Panzer bleiben weg

Die Nervosität in Moskau ist greifbar. Wie heute.at berichtet, haben die Behörden in mehreren Teilen der russischen Hauptstadt das mobile Internet abgeschaltet. Die für den 9. Mai geplante Militärparade auf dem Roten Platz wird erheblich abgespeckt — Panzer werden heuer nicht rollen. Der Grund ist bekannt: Ukrainische Drohnenangriffe haben zuletzt auch Wohnhäuser in Moskau getroffen. Die Angst vor einem spektakulären Angriff genau während der Parade ist real.

Reisner: Waffenruhe aus Angst vor Blamage

Bundesheer-Oberst Markus Reisner analysierte die Situation im Ö1-Morgenjournal. „Wir sehen eine konsequente Steigerung ukrainischer Luftangriffe auf Ziele in Russland“, so der Militärexperte laut heute.at. Die russische Waffenruheangebot für den 8. und 9. Mai sei in diesem Licht zu sehen: „Die Frage stellt sich: Meinen es die Russen ernst — oder ist es nur die Angst vor einer Blamage am 9. Mai?“

Pikant dabei: Russland verknüpfte das Waffenruhe-Angebot mit einer ausdrücklichen Drohung, Kiew im Falle eines ukrainischen Drohnenangriffs „in Schutt und Asche zu legen“. Die Ukraine wiederum schlug eine Feuerpause bereits ab dem 6. Mai vor — an die sich Russland laut Reisner nicht halten würde.

Beide Seiten erschöpft — wie Boxer, die sich stützen

Reisner wählt ein ungewöhnliches, aber treffendes Bild für den Zustand des Krieges. „Ich vergleiche die Situation mit einem Boxkampf, in dem beide Kontrahenten immer schwächer werden. Es ist, als würden sich beide Boxer in den Armen liegen, weil sie nicht mehr können“, erklärte er laut heute.at. Russland leide zunehmend unter den ukrainischen Angriffen auf kritische Infrastruktur. „Das erkennt man sehr gut am Beispiel des 9. Mai, wo die Angst offensichtlich groß ist, dass es zu einem Angriff auf Moskau kommt.“

Die fragile Waffenruhe gilt seit dem 7. April und wurde seither mehrfach verlängert. Echte Deeskalation sieht anders aus — auf beiden Seiten der Front wird täglich geschossen und gestorben.

Credits: APA

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