KI als Vertrauensperson: Warum Jugendliche ihre Chatbots lieben – und was Experten daran beunruhigt

KI als Vertrauensperson: Warum Jugendliche ihre Chatbots lieben – und was Experten daran beunruhigt

94 Prozent der österreichischen Jugendlichen nutzen KI-Chatbots. Für viele sind sie längst mehr als ein Werkzeug.

Fast alle Jugendlichen nutzen KI – täglich

Die Zahlen sind eindeutig. Wie Saferinternet.at in seiner aktuellen Studie „KI-Chatbots als Alltagsbegleiter für Jugendliche“ festhält, nutzen 94 Prozent der 11- bis 17-Jährigen in Österreich KI-Chatbots. An der Spitze steht ChatGPT mit 90 Prozent Verbreitung, weit vor Google Gemini mit 23 Prozent und Microsoft Copilot mit 11 Prozent. Knapp ein Viertel greift täglich auf ChatGPT zurück, über 40 Prozent zumindest mehrmals pro Woche. Die Studie wurde vom Institut für Jugendkulturforschung im Auftrag des ÖIAT und der ISPA im Rahmen der EU-Initiative Saferinternet.at durchgeführt – befragt wurden 500 Kinder und Jugendliche repräsentativ nach Alter, Geschlecht und Bildungshintergrund.

Bemerkenswert dabei ist auch der Gegentrend: Wie Saferinternet.at im Jugend-Internet-Monitor 2026 berichtet, verlieren klassische Social-Media-Plattformen an Nutzern – während KI-Chatbots massiv zulegen.

Schule, Infos, Texte – aber auch Trost

Im Schulalltag ist KI längst fest verankert. Wie die Saferinternet.at-Studie zeigt, verwenden 73 Prozent der Jugendlichen KI-Tools für Hausaufgaben und Lernprozesse. Daneben dienen sie zur Informationssuche (47 Prozent), zum Erklären komplexer Inhalte (34 Prozent), zur Textformulierung (27 Prozent) und bei Rechenaufgaben (20 Prozent).

Doch der Einsatz geht weit über das Schulische hinaus. Wie Saferinternet.at berichtet, führen 24 Prozent der Befragten freundschaftliche Gespräche mit Chatbots, 23 Prozent nutzen KI zum Üben sozialer Kommunikation, und 19 Prozent geben an, mit Chatbots zu flirten. 28 Prozent sehen in KI eine Quelle für Trost – und mehr als ein Viertel (28 Prozent) vertraut Chatbots sogar intime Inhalte an.

KI als Freund – oder was man dafür hält

Die emotionale Dimension dieser Entwicklung zeigt sich in den Einstellungen der Befragten. Wie Saferinternet.at festhält, sind 29 Prozent der Jugendlichen der Ansicht, dass KI eine Art Freund sein kann. 26 Prozent halten es für möglich, dass sich Menschen tatsächlich in einen Chatbot verlieben könnten.

Parallel dazu herrscht großes Vertrauen in die Richtigkeit der KI-Antworten: Wie die ISPA in ihrer Studienzusammenfassung berichtet, verlässt sich mehr als die Hälfte (52 Prozent) darauf, dass ChatGPT korrekte Informationen liefert. 40 Prozent überprüfen die Ergebnisse selten oder nie. Saferinternet.at-Leiterin Barbara Buchegger warnt: KI-Chatbots seien keine Suchmaschinen und könnten falsche oder unvollständige Informationen liefern – „KI-Ergebnisse dürfen nicht ungeprüft übernommen werden.“

Psychologe warnt vor trügerischer Nähe

Fachleute betrachten vor allem die emotionale Dimension mit Skepsis. Wie exxpress unter Verweis auf ein ORF-Interview berichtet, betonte Stephan Höfer, Psychologe an der Medizinischen Universität Innsbruck, dass Chatbots trotz ihrer Gesprächsfähigkeit lediglich sprachbasierte Systeme sind – nicht dafür konzipiert, psychische Unterstützung im medizinischen Sinne zu leisten. „Ich wäre sehr vorsichtig, die Hoffnung in Chatbots zu legen, wirklich die Antworten auf meine persönlichen Fragen zu finden“, so Höfer.

Den psychologischen Mechanismus dahinter erklärt er mit einem treffenden Bild: „Wir geben unseren Staubsauger-Robotern Namen. Wenn jetzt ein Chatbot auch noch spricht, dann erhöht das die Wahrscheinlichkeit, dass wir ihm eine andere Beziehungsqualität zuweisen.“ Menschen tendieren dazu, technischen Systemen menschliche Eigenschaften zuzuschreiben – je gesprächiger das System, desto stärker der Effekt.

Jugendliche wünschen sich mehr Bildung

Dass die Jugendlichen selbst ein gewisses Problembewusstsein haben, zeigt ebenfalls die Saferinternet.at-Studie: 56 Prozent sorgen sich, dass KI-Tools die Fähigkeit zum selbstständigen Denken schwächen könnten. „Man wird irgendwie faul, wenn man alles fragen kann“, so eine Jugendliche in den Fokusgruppen. Staatssekretär Alexander Pröll reagierte auf die Studienergebnisse mit der Forderung nach mehr KI-Bildung in Schulen und klareren gesetzlichen Regeln.


Quellen:

  • exxpress.at: „KI als Freund: Junge Österreicher wenden sich vermehrt an Chatbots“ (23.03.2026)
  • Saferinternet.at / ÖIAT / ISPA: Studie „KI-Chatbots als Alltagsbegleiter für Jugendliche“ (veröffentlicht 09./10.02.2026)
  • Saferinternet.at: Jugend-Internet-Monitor 2026 (veröffentlicht 26.01.2026)
  • ISPA: Studienzusammenfassung „94 Prozent der Jugendlichen nutzen KI-Chatbots“ (ispa.at)
  • gesundheit.gv.at: „Soziale Medien, KI: Digitale Kompetenzen von Jugendlichen unterstützen“ (10.02.2026)
  • Stephan Höfer, Medizinische Universität Innsbruck, zitiert via ORF (via exxpress.at)

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