Eine neue INSA-Umfrage legt offen, wie tief der Graben zwischen SPÖ-Chef Andreas Babler und seiner eigenen Wählerschaft bereits geworden ist – ausgerechnet eine Woche vor dem Parteitag.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache
Das Ergebnis ist für einen Parteichef ungewöhnlich: Laut einer aktuellen INSA-Umfrage im Auftrag von exxpress würden bei einer hypothetischen Kanzlerdirektenwahl gerade einmal 43 Prozent der eigenen SPÖ-Wähler für Andreas Babler stimmen. Damit scheitert der Vizekanzler nicht nur an der symbolisch wichtigen 50-Prozent-Marke – mehr als die Hälfte seiner eigenen Anhänger würde sich für jemand anderen entscheiden oder ist schlicht unentschlossen.
Zum Vergleich: FPÖ-Chef Herbert Kickl versammelt laut derselben Erhebung 75 Prozent seiner Wählerschaft hinter sich. ÖVP-Obmann Christian Stocker kommt auf 60 Prozent. Beide liegen damit weit komfortabler im eigenen Lager als ihr roter Regierungspartner.
Babler im freien Fall – der Trend ist eindeutig
Die INSA-Umfrage ist kein Ausreißer, sondern Teil eines besorgniserregenden Musters für die SPÖ. In der Gesamtbevölkerung kommt Babler in der fiktiven Kanzlerdirektenwahl laut exxpress auf lediglich 11 Prozent – hinter Kickl (26 Prozent) und Stocker (17 Prozent). Eine Lazarsfeld-Umfrage für oe24 (1.000 Befragte, 23. bis 24. Februar 2026) zeigt ihn sogar bei nur 7 Prozent, gleichauf mit Grünen-Chefin Leonore Gewessler – und hinter NEOS-Außenministerin Beate Meinl-Reisinger.
Auch die Beliebtheitswerte entwickeln sich weiter nach unten. Wie Unique Research für Heute erhoben hat, ist Babler 52 Prozent der Österreicher negativ aufgefallen – der schlechteste Wert aller abgefragten Politiker im Land.
Der Parteitag als Zitterprüfung
Der Zeitpunkt der Umfrage ist kein Zufall – und könnte kaum ungünstiger sein. Am 7. März findet in Wien der 47. ordentliche SPÖ-Bundesparteitag statt. Babler stellt sich dort der Wiederwahl als Parteivorsitzender. Einen ernsthaften Gegenkandidaten gibt es zwar nicht – Ex-Kanzler Christian Kern sagte laut ORF Mitte Februar ab – doch intern rumort es gewaltig.
Wie das Politmagazin trend berichtet, arbeiten Funktionäre aus der Steiermark, dem Burgenland, Kärnten und Niederösterreich gezielt daran, das Abstimmungsergebnis so niedrig wie möglich zu halten. Die inoffizielle Messlatte: 75 Prozent – das historisch schlechteste Parteitagsergebnis eines SPÖ-Chefs, das Pamela Rendi-Wagner 2021 einfuhr. Babler selbst hatte beim Parteitag 2023 noch 89 Prozent geholt.
Mobilisierungsproblem mit System
Was die aktuelle INSA-Umfrage besonders deutlich macht: Das Problem liegt nicht nur bei den Unentschlossenen in der Mitte – es liegt im Herzen der eigenen Partei. Wenn ein Parteichef nicht einmal die Hälfte seiner Stammwähler für sich gewinnen kann, ist das kein kommunikatives Problem, das sich mit einer guten Rede reparieren lässt.
Die SPÖ liegt derzeit laut mehreren Umfragen bei rund 16 bis 17 Prozent – ebenfalls ein historisches Tief. Wie Unique Research für Heute erhoben hat, trauen nur 26 Prozent der Österreicher Babler zu, die Partei wieder auf Erfolgskurs zu bringen.
Quellen: INSA-Umfrage im Auftrag von exxpress (März 2026), Lazarsfeld Gesellschaft für oe24 (23./24. Februar 2026), Unique Research für Heute (Jänner/Februar 2026), trend, ORF
Credits: APA
Neueste Kommentare