Ein Oppositionsführer ohne Regierungsamt dominiert die Kanzlerpräferenz der Österreicher – mit einem Ergebnis, das die Koalition in ernste Erklärungsnot bringt.
Die Zahlen sprechen für sich
In der aktuellen Kanzlerfrage für oe24 – erhoben von der Lazarsfeld Gesellschaft am 30. und 31. März 2026 unter 1.000 Befragten – kommt FPÖ-Chef Herbert Kickl auf 31 Prozent. Zum Vergleich: Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) landet bei 12 Prozent, SPÖ-Chef und Vizekanzler Andreas Babler bei 9 Prozent, NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger bei 6 Prozent. Zusammen kommen die drei Regierungschefs auf 27 Prozent – und bleiben damit trotzdem hinter Kickl.
Wie oe24 berichtet, hat Kickl zwar einen Prozentpunkt gegenüber der Vorwoche eingebüßt, sein Vorsprung auf die gesamte Koalitionsspitze bleibt aber dennoch deutlich.
Kanzlerbonus? Fehlanzeige
Das Ergebnis kehrt eine politische Grundregel um: Normalerweise profitieren Amtsinhaber von ihrer Sichtbarkeit und der Gestaltungsmacht des Regierens. Hier ist es umgekehrt. Stocker führt das Kanzleramt seit März 2025, Babler ist Vizekanzler – und beide zusammen erreichen nicht einmal die Hälfte von Kickls Wert. Das ist kein statistisches Rauschen, sondern ein struktureller Befund.
Gewessler hängt Meinl-Reisinger ab
Eine Randnotiz mit Symbolwert: Grünen-Chefin Leonore Gewessler, die weder Regierungsverantwortung trägt noch in der Umfrage eine prominente Rolle spielen sollte, landet laut oe24 bei 8 Prozent – und liegt damit vor NEOS-Chefin Meinl-Reisinger und nur knapp hinter Babler. Für eine Koalitionspartei ist das ein schlechtes Zeugnis.
Was das für die Koalition bedeutet
Die Kanzlerfrage misst nicht Parteienstärke, sondern persönliche Überzeugungskraft – und hier zeigt sich: Die drei Regierungsparteien haben gemeinsam kein Gegengewicht zu Kickl entwickeln können. Ob das an den Personen liegt, an der Politik oder an der allgemeinen Krisenstimmung, lässt die Umfrage offen. Das Ergebnis bleibt unangenehm.
Credits: APA
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