Eine neue Umfrage sorgt für Aufsehen: Die Mehrheit der Kanadier spricht sich dafür aus, die Möglichkeit eines EU-Beitritts zu prüfen. Was steckt hinter diesem ungewöhnlichen Wunsch, und wie realistisch ist ein solcher Schritt?
Frust über die USA treibt die Debatte an
Laut einer Umfrage von Spark Advocacy, über die unter anderem der Delta Optimist berichtet, sind 58 Prozent der Kanadier offen dafür, die Idee eines EU-Beitritts weiter zu verfolgen. 25 Prozent halten den Schritt sogar für eine gute Idee. Der Hauptgrund für diese überraschende Entwicklung ist der wachsende Frust über die Politik von US-Präsident Donald Trump. Seit seinem Amtsantritt hat Trump Kanada mit Zöllen und Drohungen unter Druck gesetzt, was das Vertrauen in die USA als verlässlichen Partner erschüttert hat. Laut Politico sehen 58 Prozent der Kanadier die Vereinigten Staaten nicht mehr als stabilen Verbündeten.
Europa als Vorbild
Kanadas Premierminister Mark Carney hat in der Vergangenheit betont, dass Europa in vielen Bereichen ein Vorbild sei. Wie der Spiegel berichtet, sieht Carney die EU als Modell für wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit. Auch der französische Außenminister Jean-Noël Barrot äußerte sich positiv zur Idee eines kanadischen EU-Beitritts und fragte bei einer Konferenz in Berlin scherzhaft: „Warum nicht?“
Kritische Stimmen und Hindernisse
Trotz der Begeisterung gibt es auch kritische Stimmen. Die konservative Zeitung National Post bezeichnete die Idee als „extrem dumm“. Kritiker argumentieren, dass Kanada geografisch nicht zu Europa gehört und wirtschaftlich zu stark mit den USA verflochten ist. Ein EU-Beitritt könnte die Souveränität Kanadas einschränken und bestehende Handelsstrukturen verkomplizieren.
Ein realistisches Szenario?
Obwohl die Idee eines EU-Beitritts Kanadas faszinierend ist, bleibt sie vorerst unwahrscheinlich. Wie der Spiegel betont, gibt es zahlreiche praktische und rechtliche Hürden. Dennoch zeigt die Debatte, dass viele Kanadier nach neuen Wegen suchen, um ihre Abhängigkeit von den USA zu reduzieren.
Quellen: oe24.at, The Globe and Mail, Delta Optimist, Spiegel
Credits: APA
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