Käfighaltung vor dem Aus: Was die EU für Österreichs Bauern plant

Käfighaltung vor dem Aus: Was die EU für Österreichs Bauern plant

Die EU-Kommission hat gleich zwei zentrale Strategiepapiere für die Landwirtschaft vorgelegt. Beim Agrarrat in Brüssel diskutierten die Mitgliedstaaten nun erstmals gemeinsam darüber – mit Österreichs Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig als einem der zufriedeneren Stimmen am Verhandlungstisch.

Zwei große Strategien auf einmal

Bereits am 7. Juli hatte die EU-Kommission ihre neue Nutztierstrategie sowie den sogenannten Eiweißplan vorgestellt, wie top agrar berichtet. Beim darauffolgenden Treffen der EU-Landwirtschaftsminister in Brüssel tauschten sich die Ressortchefs nun über beide Papiere aus. Zusätzlich präsentierte der irische Ratsvorsitz sein Arbeitsprogramm für das zweite Halbjahr 2026, das sich laut dem zuständigen irischen Minister Martin Heydon auf die drei Schwerpunkte Wettbewerbsfähigkeit, Sicherheit und Werte konzentriert – auch die Verhandlungen zur Gemeinsamen Agrarpolitik nach 2027 sollen darunter vorangetrieben werden.

Abschied von der Käfighaltung

Kernstück der Nutztierstrategie ist ein spürbarer Kurswechsel im Ton gegenüber der Vorgänger-Strategie „Farm to Fork“: Statt primär von Emissionen und Auflagen ist nun verstärkt von Wettbewerbsfähigkeit und Profitabilität die Rede, wie top agrar analysiert. Inhaltlich hält die Kommission aber an mehreren einschneidenden Tierschutzzielen fest. Bis Ende 2026 sollen neue Haltungsregeln für Legehennen und Masthühner folgen, die den Ausstieg aus der Käfighaltung sowie das Ende des Tötens männlicher Eintagsküken vorsehen. Für Sauenhalter ist 2027 der Übergang von Kastenständen zu Gruppenhaltungssystemen geplant. Als klares Ziel formuliert die Kommission zudem, den europaweiten Rückgang der Tierbestände zu stoppen – unter anderem durch gleichwertige Tierschutzanforderungen für importierte Produkte, wie genau diese Vorgabe technisch umgesetzt werden soll, ließ die Kommission bislang aber offen.

Mehr heimisches Eiweiß statt Importabhängigkeit

Der zweite große Baustein, der Eiweißplan, zielt auf eine der bekanntesten Schwachstellen der europäischen Landwirtschaft: die hohe Importabhängigkeit bei Futterprotein. Konkret soll der Anteil von in der EU angebautem Eiweiß aus Ölsaaten und Eiweißpflanzen am gesamten Futtereiweißbedarf von derzeit 25 Prozent bis 2035 auf 35 Prozent steigen, wie der Europaabgeordnete Stefan Köhler dokumentiert. Landwirtschaftsminister Totschnig begrüßte diesen Punkt ausdrücklich als langjährige österreichische Forderung: Der europäische Bedarf an Eiweißpflanzen sei bislang nur zu einem Viertel gedeckt, was eine hohe Importabhängigkeit zur Folge habe. Österreich verfüge bereits seit 2021 über eine eigene nationale Eiweißstrategie und zähle mittlerweile zu den Ländern mit der drittgrößten Sojaanbaufläche innerhalb der EU.

Grünland als österreichische Besonderheit

Besonders erfreut zeigte sich Totschnig darüber, dass die neue Nutztierstrategie die Bedeutung der Grünlandwirtschaft ausdrücklich anerkennt. Fast die Hälfte der österreichischen landwirtschaftlichen Nutzfläche sei Grünland, auf dem Milch und Fleisch erzeugt würden – die Pflege dieser Flächen sei zudem für den heimischen Tourismus von Bedeutung. Auch die geplante Harmonisierung nachhaltiger Tierhaltungssysteme bewertete der Minister positiv, mit Verweis auf die österreichische Putenhaltung, die im EU-Vergleich zu den strengsten Standards zählt und daher aus Sicht Totschnigs mehr Fairness im europäischen Wettbewerb benötigt.

Geteiltes Echo im EU-Parlament

Nicht bei allen politischen Kräften stießen die neuen Papiere auf gleich große Zustimmung. Wie landwirt-media.com berichtet, begrüßten Abgeordnete der christdemokratischen EVP-Fraktion die Vorschläge ausdrücklich – der stellvertretende Vorsitzende des EU-Landwirtschaftsausschusses, Norbert Lins, sprach von wichtigen Weichenstellungen für die Zukunft der europäischen Landwirtschaft. Die Grünen-Fraktion sieht hingegen erheblichen Nachbesserungsbedarf, ohne dass an dieser Stelle bereits detaillierte inhaltliche Kritikpunkte bekannt wurden.

Das Jahr der Bäuerin

Neben den beiden großen Strategiepapieren stand beim Ratstreffen auch ein drittes, eher gesellschaftspolitisches Thema auf der Agenda: die Rolle von Frauen in der Landwirtschaft. Anlässlich des von den Vereinten Nationen ausgerufenen Internationalen Jahres der Bäuerin 2026 wurde Totschnig von der österreichischen Bundesbäuerin Irene Neumann-Hartberger nach Brüssel begleitet. Die Realitäten auf den Höfen hätten sich verändert, so der Minister – es gehe darum sicherzustellen, dass Beruf und Familie auch für Bäuerinnen vereinbar seien, und ihnen dieselben Betreuungs- und Pflegeangebote zugänglich zu machen wie anderen berufstätigen Frauen.

Kein Gesetz, aber ein Kompass

Wichtig zur Einordnung: Weder die Nutztierstrategie noch der Eiweißplan haben unmittelbare rechtliche Wirkung. Mit derartigen Strategiepapieren formuliert die EU-Kommission zunächst nur die Ziele, an denen sich künftige, konkrete Gesetzesvorschläge orientieren sollen. Ob und in welcher Form die angekündigten Regelungen tatsächlich umgesetzt werden, entscheidet sich erst in den kommenden Gesetzgebungsverfahren.

Credits: Paul Gruber

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