Ein echter Schock für die österreichische Justiz: Thomas Schmid, der Kronzeuge der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA), wird plötzlich selbst zum Beschuldigten. Die Staatsanwaltschaft Linz hat nun offiziell ein Ermittlungsverfahren gegen Schmid wegen des Verdachts auf Falschaussage eingeleitet. Schmid ist damit der erste Kronzeuge, der jemals mit solchen Vorwürfen konfrontiert wird.
Vier Zeugen widersprechen dem Kronzeugen
Das Ganze nahm im Prozess gegen ÖVP-Klubobmann August Wöginger seinen Anfang. Schmid hatte dort unter Wahrheitspflicht ausgesagt, er habe von einer konkreten Postenbesetzung im Finanzamt kaum oder gar nichts mitbekommen. Doch es kam anders als erwartet: Wie der Kurier berichtet, widersprachen gleich vier Finanzbeamte seiner Darstellung. Sie erklärten vor Gericht, dass der frühere Generalsekretär sehr wohl maßgeblich in den Auswahlprozess eingebunden gewesen sei. Schmid soll sogar die Weisung gegeben haben, den erstgereihten Kandidaten zum Rückzug seiner Bewerbung zu bewegen.
Deshalb ermitteln die Staatsanwälte in Linz nun gegen ihn wegen Falschaussage. Sie haben sogar angeordnet, dass die Tonaufnahmen dieser Zeugenaussagen gesichert und keinesfalls gelöscht werden dürfen.
Sein Deal steht auf der Kippe
Warum ist das so brisant? Schmid gilt als absoluter Insider. Sein umfassendes Geständnis im Jahr 2022 hat die politische Landschaft nachhaltig erschüttert. Er belastete dabei mächtige Persönlichkeiten wie den früheren Bundeskanzler Sebastian Kurz und den Milliardär Rene Benko schwer. Im Gegenzug – das bestätigte das Justizministerium (Justiz.gv.at) – erhielt Schmid im November 2024 offiziell den Kronzeugenstatus. Dieser Deal bewahrte ihn vor einer Gefängnisstrafe, verlangte aber eine hohe Geldbuße und vor allem: absolute Wahrheitstreue.
Doch genau dieser Deal steht jetzt auf dem Spiel. Ein Kronzeuge muss lückenlos bei der Wahrheit bleiben. Sollte das Gericht Schmid der Lüge überführen, verliert er seinen besonderen Status. In diesem Fall könnten die großen Korruptionsverfahren, die auf seinen Aussagen basieren, komplett zusammenbrechen. Es bleibt spannend, ob aus dem Kronzeugen am Ende der größte Risikofaktor für die Anklage wird.
Quellen: oe24.at, Kurier, Justiz.gv.at, Kontrast.at
Credits: APA
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