600.000 Euro Steuergeld für Urin-Performance in Venedig

600.000 Euro Steuergeld für Urin-Performance in Venedig

Österreich schickt zur Kunstbiennale Venedig 2026 eine Performance, bei der Besucher-Urin in Tanks gesammelt und als Schwimmbecken für Künstler genutzt wird. Finanziert mit 600.000 Euro Bundesgeld. Die Debatte ist eröffnet.

Das Konzept: „SEAWORLD VENICE“

Bei der 61. Kunstbiennale in Venedig, die im Mai 2026 eröffnet, vertritt Performancekünstlerin Florentina Holzinger Österreich im Nationalpavillon. Ihr Konzept trägt den Titel „SEAWORLD VENICE“ und ist, vorsichtig formuliert, unkonventionell: Besucher sollen mobile WCs benutzen, deren Inhalt in große Tanks fließt — jenes Wasser, in dem die Künstler anschließend performen. Wie oe24 berichtet, sollen zwei Urin-Tanks das Zentrum der Schau bilden.

Das Kulturministerium versucht zu beruhigen: „Die Künstlerinnen performen auf der Biennale 2026 in geklärtem und aufbereitetem Wasser“, heißt es aus dem Büro von Kulturminister Andreas Babler (SPÖ). Man betone die „innovative Kraft“ des Konzepts.

600.000 Euro — und wer hat entschieden?

Die Bundesförderung beläuft sich auf 600.000 Euro. Zusätzlich musste Holzinger laut oe24 weitere Sponsoren akquirieren. Das Ministerium stellt klar, die Summe decke „sämtliche Organisationsarbeiten, Anschaffungen, Darsteller-Gehälter und die gesamte Dauer der Biennale von sechs Monaten ab.“

Entschieden hat nicht Andreas Babler. Die Auswahl von Holzinger für den Österreich-Pavillon gab sein Vorgänger, Ex-Grünen-Minister Werner Kogler, bereits am 9. Jänner 2025 bekannt — aus einem Bewerberfeld von 54 Einreichungen, bewertet von einer unabhängigen Fachjury. Eine politische Entscheidung sei es ausdrücklich nicht gewesen, so das Ministerium gegenüber oe24.

Wer ist Florentina Holzinger?

Holzinger, 1986 in Wien geboren und in Amsterdam ausgebildet, gilt als eine der international renommiertesten österreichischen Performancekünstlerinnen der Gegenwart. Ihre Arbeiten greifen körperliche Grenzen, Geschlechterbilder und klassische Ballettnarrative auf. Mit „TANZ“ gewann sie den Nestroy-Preis für die beste Regie, mit „A Divine Comedy“ den Faust-Preis, mit „Ophelia’s Got Talent“ den Faust-Theater Preis. Ihr Filmdebüt „MOND“ gewann 2024 den Spezialpreis der Jury beim Locarno Film Festival.

Das Ministerium verwies im Statement an oe24 auf die gesellschaftliche Relevanz des Projekts: Holzingers Arbeiten griffen Themen auf, „die viele Menschen betreffen — etwa den menschlichen Körper oder unser Verhältnis zu Umwelt und Technik.“ Mit Blick auf Venedig mache das Konzept auch auf „Klimawandel und knappe Wasserressourcen“ aufmerksam.

Ob das die Kritiker überzeugt, die angesichts der Sparmaßnahmen im Bundesbudget 600.000 Euro für ein Urinbecken in Venedig als schwer vermittelbar empfinden, bleibt offen.

Credits: APA

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