Israel eskaliert im Libanon: Hunderte Tote, Waffenruhe auf dem Spiel

Israel eskaliert im Libanon: Hunderte Tote, Waffenruhe auf dem Spiel

Am Tag der Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran hat Israel seinen bisher schwersten Angriff auf die Hisbollah geflogen — und damit die brüchige Feuerpause in ihren Grundfesten erschüttert.

Größter koordinierter Angriff seit Kriegsbeginn

Stunden nachdem Washington und Teheran eine zweiwöchige Feuerpause vereinbart hatten, trafen israelische Luftangriffe am Mittwoch ohne Vorwarnung mehrere dicht besiedelte Viertel im Zentrum Beiruts — laut Euronews der schwerste Angriff im laufenden Konflikt. Wie das israelische Militär mitteilte, wurden innerhalb von zehn Minuten mehr als 100 Ziele der Hisbollah in Beirut, im Südlibanon und im östlichen Bekaa-Tal getroffen: Raketenwerfer, Kommandozentralen und Geheimdienstinfrastrukturen.

Das libanesische Gesundheitsministerium meldete laut Salzburger Nachrichten mindestens 182 Tote und mehr als 900 Verletzte. Krankenhäuser waren hoffnungslos überfüllt, Rettungskräfte suchten noch nach Verschütteten. Israelisches Verteidigungsminister Israel Katz bezeichnete die Offensive als „schwersten konzentrierten Schlag“ gegen die Hisbollah seit der Operation Beepers im September 2024.

Seit Kriegsbeginn am 2. März wurden im Libanon laut ORF und Euronews bereits mehr als 1.530 Menschen getötet, mehr als 1,2 Millionen vertrieben — das entspricht jedem fünften Einwohner des Landes.

Die Streitfrage: Gilt die Waffenruhe auch für den Libanon?

Genau hier liegt der diplomatische Kern des Konflikts. Wie der Tagesspiegel berichtet, hatte Vermittler Pakistan erklärt, die Feuerpause gelte ausdrücklich auch für den Libanon. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu widersprach umgehend: Der Waffenstillstand beziehe sich nur auf den Konflikt zwischen den USA und dem Iran — nicht auf Israels Einsatz gegen die Hisbollah. US-Präsident Donald Trump und Vizepräsident JD Vance schlossen sich dieser Interpretation an.

Der Iran sah das anders. Außenminister Abbas Araghchi schrieb auf X, die Bedingungen der Waffenruhe seien klar: Die USA müssten sich entscheiden — entweder Feuerpause oder Fortsetzung des Krieges via Israel. Irans Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf bezeichnete die Waffenruhe daraufhin als „unsinnig“ und verwies auf Verstöße gegen den iranischen Zehn-Punkte-Plan. Laut der Nachrichtenagentur Fars erwägt Teheran einen Ausstieg aus der Vereinbarung.

Europa fordert Ausweitung des Waffenstillstands

Wie l’essentiel berichtet, reagierten mehrere europäische Staaten mit einer gemeinsamen Erklärung: Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien, Kanada, Dänemark, die Niederlande, Spanien sowie EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und EU-Ratspräsident António Costa forderten alle Seiten auf, die Feuerpause auch auf den Libanon auszudehnen. Der deutsche Außenminister Johann Wadephul verlangte laut ORF, Israel solle sich „auf die notwendige Selbstverteidigung gegen die Hisbollah beschränken und nicht darüber hinausgehen.“

Die Hisbollah erklärte unterdessen, ihre Angriffe auf Israel vorübergehend auszusetzen und ließ Vermittler an einem Waffenstillstand für den Libanon arbeiten — ohne dabei einer Feuerpause formell zuzustimmen.

Credits: APA

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