An der Bildungsfront tobt ein Kampf, der über die Zukunft unserer Gesellschaft entscheiden wird. Es geht um nicht weniger als das Fortbestehen einer freien, säkularen Wertegemeinschaft. Experten schlagen Alarm: Radikal-islamische Ideologien greifen immer stärker in den Klassenzimmern um sich, und die Folgen werden von Tag zu Tag sichtbarer.
Deutsch als Minderheitensprache
Die Probleme beginnen zwar mit der Sprache, beschränken sich aber längst nicht mehr darauf. Laut Österreichischem Integrationsfonds (ÖIF) hatten im Jahr 2024 29,6 Prozent der rund 1,8 Millionen Jugendlichen unter 19 Jahren einen Migrationshintergrund. Wien führt diese Statistik mit 54,2 Prozent an. Noch dramatischer wird es beim Blick auf die verwendete Umgangssprache: Im Schuljahr 2023/24 sprachen österreichweit 26 Prozent der Schüler nicht Deutsch als Hauptsprache. In Wien war es mit 49 Prozent nahezu jeder zweite Schüler. In Bezirken wie Favoriten steigt dieser Anteil sogar auf erstaunliche 72 Prozent – Deutsch ist in vielen Klassen zur Minderheitensprache geworden.
Religiöse Ideologisierung schafft Barrieren
Neben den Sprachproblemen schaffen religiöse Ideologien zunehmend erhebliche Barrieren für effektives Lernen und Lehren. An Schulen mit hohem Migrationsanteil kommt es verstärkt zur Ablehnung von als „beschämend“ oder „falsch“ empfundenen Unterrichtsinhalten – sowohl von Seiten der Schüler als auch einiger Eltern. Auch religiös motiviertes Mobbing unter Schülern nimmt zu. Wie der exxpress unter Berufung auf die Politologin Nina Scholz berichtet, die seit Jahren zu extremistischen Phänomenen forscht: „Bestimmte Themen können gar nicht mehr unterrichtet werden.“
Sie schildert einen Vorfall aus dem Jahr 2018 an einer Wiener Schule mit überwiegend muslimischen Schülern, bei dem eine Unterrichtseinheit zum Nationalsozialismus eskalierte. Es wurde der Hitlergruß gezeigt, Hakenkreuze wurden auf die Tische gezeichnet, Juden wurden beschimpft. Die Reaktion der Schule fiel minimal aus: Die Schüler bekamen eine zweiseitige Zusammenfassung über die Gräueltaten der Nazis mit nach Hause. Seither wird das Thema gemieden. Wie Scholz festhält, ist das eine gravierende Verschiebung. Früher, wenn ein Schüler aus rechtsextremem Milieu ein Hakenkreuz gemalt hat, wurde das gesamte Sanktionsprogramm gestartet, inklusive Elterngespräch und Einschaltung der Bildungsdirektion. „Heute ist das normal und es passiert nichts“, so Scholz.
Migranten mobben Migranten
Das Narrativ ist längst nicht so einfach wie „Einheimische gegen Zugewanderte“. Eine Lehrerin an einer Wiener Berufsbildenden Höheren Schule berichtet gegenüber exxpress.at von einem Fall, in dem eine ihrer Schülerinnen nicht wegen des Tragens, sondern wegen des Nichttragens eines Kopftuchs gemobbt wurde. Sie wurde so zum Ziel selbst ernannter Sittenwächter aus der eigenen Community. Als die Lehrerin beim Verein ZARA – Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit – um Hilfe bat, wurde sie abgewiesen. Eine Vertreterin erklärte ihr: „Wir wären nur zuständig, wenn das Mädchen wegen des Kopftuchs diskriminiert worden wäre.“
Dieser interne Druck betrifft längst nicht nur Nichtmuslime. Wie exxpress.at unter Berufung auf Nina Scholz berichtet, verweist sie auf das wachsende Problem der Zwangskonversion in Schulen mit hohem Migrantenanteil: Nichtmuslimische Kinder und Jugendliche konvertieren zum Islam, um dazuzugehören und ihre Ruhe zu haben. Die Probleme reichen bis ins Elternhaus. Ein Lehrer an einer Mittelschule in Floridsdorf, Christian Klar, berichtet gegenüber exxpress.at, dass allein in diesem Jahr drei muslimische Schüler aus ihren Familien genommen wurden, weil sie gegenüber ihren Müttern oder Schwestern gewalttätig waren – in einem Fall ging es erneut um das Kopftuch.
Das System am Kipppunkt
Die schiere Zahl der Betroffenen verschärft das Problem noch weiter. Wie Nina Scholz im Gespräch mit exxpress.at betont: „Wir konnten immer die extremistischen Ränder irgendwie bewältigen, es gab einen gesellschaftlichen Konsens, dass wir das nicht wollen.“ Doch wenn mittlerweile 41 Prozent der Volksschüler in Wien aus muslimischen Familien stammen, ist laut Studien der Anteil an Anhängern radikaler Lehren relativ groß. Das wird zunehmend auch für Gegner islamistischer Positionen zum Problem. „Auch modernere Migranten geraten in Panik und fragen sich, warum immer mehr dieser Leute hierherkommen“, erklärt Scholz.
Wie Susanne Wiesinger, Autorin und Lehrerin an einer Mittelschule in Favoriten, gegenüber exxpress.at bestätigt, erfahren ihre Schüler in ihrem direkten Umfeld kaum Diskriminierung. „Denn es ist eine muslimisch-arabische Umgebung. Sie leben hier so, wie ihre Eltern in Syrien gelebt haben.“ Manche, so Wiesinger, wüssten oft gar nicht, dass sie in Österreich sind, „aber sie wissen, dass es feindlich ist.“
Aufruf zur Assimilation
Was ist zu tun? Wie exxpress.at berichtet, verweist Seyran Ates, Gründerin der liberalen Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Berlin, auf Dänemark als Vorbild. Dort geht eine sozialdemokratische Regierung konsequent gegen Islamismus vor. Ministerpräsidentin Mette Frederiksen fordert offen eine „wertbasierte Assimilation“ von Zuwanderern und hält eine wortwörtliche Auslegung des Korans für unvereinbar mit einer Demokratie.
Wie Christian Klar gegenüber exxpress.at betont: „Wir wollen eine liberale, offene Gesellschaft, und nur die, die mitmachen, passen gut hierher. Wer nicht mitmacht, muss sich eine nicht-liberale Gesellschaft suchen, die es hoffentlich in Zukunft in Österreich nicht geben wird.“ Die Lage ist so ernst, dass selbst Seyran Ates laut exxpress.at wenig Hoffnung in die Lernfähigkeit der Politik setzt: „Solange es nicht die eigenen Kinder der Politiker betrifft, werden sie nicht aufwachen.“
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