Während Europa an der Zapfsäule stöhnt und Trump dem Iran mit Vernichtung droht, sitzt in Moskau der lachende Dritte: Russland macht durch den Iran-Krieg Milliarden – und finanziert damit seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine.
Zehn Milliarden Euro im Monat – allein durch die Krise
Die Zahlen sind verblüffend klar. Wie oe24 unter Berufung auf die Deutsch-Russische Auslandshandelskammer berichtet, belaufen sich Russlands Mehrgewinne beim Export von Öl, Gas und Dünger auf mehr als zehn Milliarden Euro pro Monat. „Russland ist damit der große Gewinner des neuen Krieges im Nahen Osten“, sagt Matthias Schepp, Vorstandsvorsitzender der Kammer, gegenüber der dpa.
Der Grund ist simpel: Die Straße von Hormuz, durch die rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Gashandels fließt, ist seit Kriegsbeginn de facto blockiert. Das treibt die Weltmarktpreise in die Höhe – und Russland, das andere Exportrouten nutzt, profitiert massiv davon.
Ölpreis explodiert – Russland kassiert
Der Preis für Rohöl der Nordseesorte Brent kletterte zum Wochenstart laut oe24 auf mehr als 111 US-Dollar je Barrel – fast 40 Dollar mehr als vor Kriegsbeginn. Im russischen Haushaltsplan war ein Ölpreis von 59 Dollar je Barrel zugrunde gelegt. Vor dem Iran-Krieg schrieb Russland wegen eines Ölpreises unter diesem Planwert sogar ein Defizit.
Wie die NZZ unter Berufung auf die Denkfabrik Carnegie Endowment for International Peace berichtet, schätzt Energieexperte Sergei Wakulenko die Mehreinnahmen des russischen Staates allein aus Öl- und Gasexporten auf 7 bis 8 Milliarden Dollar im März – eine Verdopplung gegenüber dem Vormonat. Rechnet man die Unternehmensumsätze dazu, kommt er auf rund 12 Milliarden Dollar allein im März.
Ukraine-Krieg wird mitfinanziert
Die Konsequenz ist politisch brisant. Wie zdfheute.de berichtet, finanziert Russland aus den Rohstoffeinnahmen direkt seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Putin selbst verfügte laut ZDF, dass russische Exporteure die hohe Nachfrage nutzen sollen, um sich auf verlässlichen Märkten festzusetzen. Kremlbeamte jubeln offen: „Öl über 100 Dollar – und die Stimme Russlands in der Weltwirtschaft und Geopolitik wird noch lauter“, twitterte Regierungsvertreter Kirill Dmitrijew.
Dabei sollten die westlichen Sanktionen gegen russisches Öl und Gas eigentlich genau das Gegenteil bewirken: Moskau den Geldhahn zudrehen. Stattdessen hat der Iran-Krieg die Sanktionswirkung nicht nur neutralisiert, sondern ins Gegenteil verkehrt.
Szenarien: Bis zu 350 Milliarden Dollar Mehreinnahmen
Die Auslandshandelskammer hat auch Extremszenarien durchgerechnet. Wie oe24 berichtet, kämen bei einem Ölpreis von 200 US-Dollar je Barrel – ein Wert, den manche in Moskau bereits erhoffen – rund 350 Milliarden Dollar zusammen, 247 Milliarden Dollar mehr als im Haushalt geplant.
Europa zahlt die Zeche
Während Russland profitiert, droht der deutschen und europäischen Wirtschaft der nächste Kostenschock. Die Auslandshandelskammer schätzt laut oe24, dass allein die deutsche Ölimportrechnung bei 100 Dollar je Barrel auf mehr als 60 Milliarden Euro steigen könnte. Hinzu kommen massive Mehrkosten beim Gas. „Zusammen mit den Gas-Mehrkosten droht der deutschen Industrie ein Kostenschock, der die erhoffte wirtschaftliche Erholung 2026 zunichtemacht“, warnt Energieexperte Thomas Baier von der Kammer.
Wie das energynewsmagazine.at festhält, sind auch die Gaspreise seit Kriegsbeginn von 32 auf über 50 Euro je Megawattstunde gestiegen – ein Anstieg von rund 60 Prozent binnen weniger Tage. Der Krieg, den Trump und Netanyahu losgetreten haben, zahlt also vor allem jemand, der gar nicht am Tisch sitzt: der europäische Haushalt.
Credits: APA
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