Nach mehr als 100 Tagen Krieg haben sich die USA und der Iran auf ein Rahmenabkommen geeinigt. Die offizielle Unterzeichnung findet am 19. Juni in der Schweiz statt. Was drinsteht — und was noch offen ist.
Trump: „Der Deal ist vollständig“
In den frühen Morgenstunden des Montag verkündete US-Präsident Donald Trump auf Truth Social: „The deal with the Islamic Republic of Iran is now complete.“ Kurz davor hatte Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif, der als Vermittler fungierte, die Einigung auf X bestätigt: „Following intensive talks, we are pleased to announce that the Peace Deal between the United States of America and Islamic Republic of Iran has been REACHED.“ Die offizielle Unterzeichnungszeremonie ist laut Sharif und CNBC für den 19. Juni 2026 in Genf angesetzt.
Was im Rahmenabkommen steht
US-Vizepräsident JD Vance nannte laut oe24.at gegenüber Fox News drei zentrale Bestandteile des Deals: die sofortige Freigabe der Straße von Hormuz, das Ende der US-Seeblockade iranischer Häfen sowie die verbindliche Zusicherung des Irans, weder Atomwaffen zu erwerben noch zu entwickeln.
Trump ergänzte laut oe24.at auf Truth Social, er erteile „volle Genehmigung zur abgabenfreien Öffnung der Straße von Hormuz“ und die Meerenge werde mit der Unterzeichnung „zum Zweck der Minenräumung“ geöffnet. Die Ölpreise fielen kurz nach Bekanntwerden der Einigung deutlich, wie oe24.at berichtet.
Laut Al Jazeera umfasst das Abkommen auch eine sofortige Waffenruhe auf allen Fronten — einschließlich des Libanon. Innerhalb von 60 Tagen sollen technische Gespräche über die Details eines Endabkommens beginnen — darunter Sanktionserleichterungen, das iranische Atomprogramm und Urananreicherung sowie regionale Sicherheitsfragen.
Iran: „Wir haben gewonnen“
Teheran sieht sich als Sieger. Der iranische Vize-Außenminister Kasem Gharibabadi erklärte im Staatsfernsehen, das Abkommen bedeute „das sofortige und dauerhafte Ende des Krieges“. Der iranische Generalstab erklärte laut oe24.at, die USA und Israel hätten ihre Kriegsziele nicht erreicht und müssten „die Niederlage akzeptieren“. Für Teheran zentral sind laut oe24.at die Aufhebung aller Sanktionen, das Recht auf ein Atomprogramm, Wiederaufbau und ein Überwachungsmechanismus.
Deal stand auf der Kippe
Noch am Sonntagmittag hatte der Deal auf der Kippe gestanden. Israel griff erneut Beirut an — als Reaktion auf Hisbollah-Beschuss auf Nordisrael. Der Iran stellte die Einigung daraufhin infrage, die Revolutionsgarden drohten mit Vergeltung. Trump ermahnte laut oe24.at Israel ausdrücklich zur Zurückhaltung. Letztlich hielt der Faden — Pakistan als Vermittler blieb konstruktiv.
Europa und die UN begrüßen die Einigung
UN-Generalsekretär António Guterres würdigte die Einigung als „entscheidenden Schritt“. Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien erklärten sich in einer gemeinsamen Erklärung bereit, Sanktionen aufzuheben — wenn der Iran „klare und überprüfbare Schritte“ bei seinem Atomprogramm unternehme.
EINORDNUNG DER REDAKTION
Das Rahmenabkommen ist ein erster Schritt — kein Frieden. Vance selbst dämpfte laut oe24.at die Erwartungen: „Ich sage nicht, dass morgen alle gemeinsam ‚Kumbaya‘ singen werden.“ Die offenen Fragen sind substanziell: Was genau passiert mit dem iranischen Atomprogramm? Wie wird die Hisbollah eingebunden? Was bedeutet „Sanktionsaufhebung“ konkret? Dass der Iran sich als Sieger darstellt und die USA von einem vollständigen Deal sprechen, ist kein Widerspruch — beide Seiten verkaufen dasselbe Papier an ihre jeweilige Öffentlichkeit. Was dieses Papier tatsächlich wert ist, zeigt sich erst in den nächsten 60 Tagen.
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