Interview mit Hans Niessl: „Wer die Wahl gewinnt, erhält den Auftrag“

Interview mit Hans Niessl: „Wer die Wahl gewinnt, erhält den Auftrag“

Hans Niessl kandidiert für das Bundespräsidentenamt. Im Interview spricht er über seinen Führungsstil, die Rolle der Neutralität und warum er die Hofburg „durchlüften“ will.

exxtra24: Herr Niessl, warum kandidieren Sie jetzt für das Bundespräsidentenamt?

Ich kandidiere aus Verantwortung. In den letzten Monaten habe ich bei Gesprächen – nicht zuletzt in meiner Funktion als Präsident der Bundes-Sportorganisation Sport Austria – in allen Bundesländern viel Zuspruch von Bürgerinnen und Bürgern aus allen politischen Lagern erhalten. Viele sagten: „Du kannst mit allen reden – genau das braucht Österreich jetzt.“ Der Zeitpunkt ist ideal, weil eine unabhängige Kandidatur organisatorisch viel Vorbereitung benötigt. Ich will Stabilität für Österreich sichern und meine Erfahrung in den Dienst des Landes stellen.

exxtra24: Wie würden Sie das Amtsverständnis verändern?

Mein Fokus liegt auf einem strukturierten, regelmäßigen Dialog mit allen demokratischen Parteien und Bundesländern. Quartalsweise Gespräche mit Parteivorsitzenden sind geplant, in besonderen Situationen auch öfter. Der Bundespräsident soll Haltung zeigen – bei zentralen Zukunftsfragen wie Heeresreform, Bildung oder Teuerung klar Stellung beziehen. Außerdem setze ich auf transparente demokratische Praxis bei Regierungsbildungen: Wer die Wahl gewinnt, erhält den Auftrag, eine Mehrheit zu bilden. Ausgrenzung demokratisch gewählter Parteien darf es nicht geben.

exxtra24: Sie wollen die Hofburg „durchlüften“. Was heißt das konkret?

Ich plane regelmäßige Besuche in allen Bundesländern, nicht nur bei repräsentativen Anlässen. Dazu zählen Treffen mit Landeshauptleuten, Sozialpartnern, Kirchenvertretern und Bürgerinnen und Bürgern direkt vor Ort. Politik darf nicht im Elfenbeinturm stattfinden – die Hofburg soll ein Ort des Dialogs sein.

exxtra24: Welche politischen Schwerpunkte würden Sie setzen?

Wirtschaft und Sozialstaat gehören zusammen: eine stabile Wirtschaft, Bürokratieabbau, Leistungsanreize und ein starker Sozialstaat. Bei der Integration gilt: Integration vor Zuzug – wer hier lebt, muss Teil unserer Gesellschaft werden wollen. In der Sicherheitspolitik brauchen wir ein starkes Bundesheer, eine Verlängerung des Wehrdienstes und eine umfassende Modernisierung. Im Gesundheitswesen geht es um kürzere Wartezeiten, mehr Bewegung und eine stärkere Vorsorge.

exxtra24: Wie wollen Sie Überparteilichkeit sicherstellen?

Ich setze auf Erfahrung aus 13 Jahren Bürgermeisteramt, langjähriger Landeshauptmannschaft und der Präsidentschaft der Bundessportorganisation. Dialog, konstruktive Zusammenarbeit und Sachpolitik stehen über Parteifarben. Jede Unterstützung – auch aus anderen Parteien – ist willkommen.

exxtra24: Welche Rolle soll Österreich international spielen?

Österreich soll als neutraler Vermittler und Brückenbauer auftreten, wirtschaftlich verlässlich und diplomatisch aktiv sein. Ich orientiere mich am Schweizer Modell: regelmäßiger Austausch mit Nachbarn, arabischen Ländern sowie faire Kooperation mit China und Indien. Neutralität ist Haltung, nicht Lippenbekenntnis.

exxtra24: Wie passt Neutralität mit einem starken Bundesheer zusammen?

Neutralität und ein starkes Bundesheer gehören zusammen. Wir stärken die Verteidigungsfähigkeit durch Investitionen in Bundesheer und Miliz. Neutralität ermöglicht eine Friedensbrücke und wirtschaftliche Vorteile zugleich.

exxtra24: Sie kandidieren auch ohne SPÖ-Unterstützung?

Ich kandidiere überparteilich. Meine Entscheidung hängt nicht von innerparteilichen Machtfragen ab. Dialog und Vertrauen über Parteigrenzen hinweg stehen im Mittelpunkt.

exxtra24: Haben Sie den Rückhalt der SPÖ?

Zu internen Parteidebatten nehme ich keine Stellung. Entscheidend ist der Rückhalt in der Bevölkerung.

exxtra24: Was wären Ihre ersten Initiativen nach der Wahl?

Gespräche mit allen Parteivorsitzenden, Landeshauptleuten und Sozialpartnern. Ich würde eine Rede zur Lage der Nation halten mit Schwerpunkten auf Stabilität, Neutralität, Wirtschaft und sozialem Zusammenhalt. Dazu kommen internationale Besuche zur Stärkung von Österreichs wirtschaftlicher Position und neutraler Rolle.

exxtra24: Wie wollen Sie Menschen außerhalb klassischer Parteimilieus erreichen?

Mit Authentizität, Handschlagqualität und ernsthaftem Engagement für die Menschen. Der Fokus liegt auf Bildung, Gesundheit, dem Sozialsystem und einem funktionierenden Leistungsprinzip.

exxtra24: Wie gehen Sie mit gesellschaftlicher Polarisierung um?

Ich will Gräben zuschütten und konstruktive Diskussionen führen. Zukunftsfragen wie Arbeitsplätze, Digitalisierung, KI und Jugend stehen über parteipolitischen Differenzen. Demokratisch gewählte Parteien werden nicht ausgegrenzt.

exxtra24: Welche Chancen sehen Sie im Wahlkampf – und mit welchen Koalitionen?

Ich kandidiere überparteilich, mit einer Allianz der Vernünftigen aus der Mitte der Gesellschaft. Mein Koalitionspartner sind die Bürgerinnen und Bürger, die jährliche Rechenschaft über meine Arbeit erhalten – in den Bundesländern, bei internationalen Besuchen und in den gesetzten Schwerpunkten.

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