Intern unter Druck – SPÖ-Attacke auf Babler nach St. Pölten-Debakel

Intern unter Druck – SPÖ-Attacke auf Babler nach St. Pölten-Debakel

Nach dem historischen Wahlverlust in St. Pölten hagelt es parteiinterne Kritik an SPÖ-Chef Andreas Babler. Vor allem aus Niederösterreich kommt scharfe Attacke – die Rede ist von „eisigem Gegenwind“ aus der Bundespolitik.

Historische Niederlage in roter Hochburg

Die SPÖ verlor bei der Gemeinderatswahl am Sonntag in St. Pölten ihre absolute Mehrheit – zum ersten Mal seit 1965. Wie der ORF Niederösterreich berichtet, stürzte die Partei von 56 auf 42,5 Prozent ab und büßte sechs Mandate ein. Bürgermeister Matthias Stadler, seit 2004 im Amt, muss nun erstmals mit einem Koalitionspartner regieren.

Die FPÖ konnte laut Meinbezirk.at ihr Ergebnis mehr als verdoppeln und erreichte mit knapp 20 Prozent (plus 10,4 Prozentpunkte) ein Rekordergebnis. Die ÖVP verlor nur leicht und kam auf 21,4 Prozent. Überraschend schaffte auch die KPÖ den Einzug in den Gemeinderat.

„Eisiger Gegenwind“ aus Wien

Besonders verärgert reagierte die niederösterreichische SPÖ. „Wenn sich selbst ein hocherfolgreicher Bürgermeister dem derzeit eisigen Gegenwind aus der Bundespolitik nicht mehr entziehen kann, dann muss das dort zu denken geben“, zitiert oe24 Landesgeschäftsführer Wolfgang Zwander in deutlicher Kritik an der Bundespartei.

Bürgermeister Stadler selbst führte die Verluste auf den Bundestrend zurück. Es „dürfte der Bundestrend schon stark durchschlagen“, sagte er laut ORF am Wahlabend, ohne sich „bei anderen abputzen zu wollen“.

Länder sehen mehr als lokales Ereignis

Auch aus anderen Bundesländern kommen kritische Töne. Der designierte Salzburger SP-Vorsitzende Peter Eder sieht laut Exxpress im St. Pöltner Ergebnis „mehr als ein lokales Ereignis“. Er ortet einen Vertrauensverlust in der Bevölkerung, vor allem bei Teuerung und Energiepreisen.

Vorarlbergs Landesvorsitzender Mario Leiter meinte laut oe24, es wäre „zu kurz gegriffen, das Ergebnis ausschließlich als isoliertes lokales Phänomen zu betrachten“. Der burgenländische Landesgeschäftsführer Fritz Radlspäck ortete sowohl lokalpolitische Ursachen als auch einen bundespolitischen Trend.

Bundesgeschäftsführer verteidigt Babler

Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim musste ausrücken, um seinen Parteichef zu verteidigen. Er verwies laut oe24 im Ö1-Mittagsjournal darauf, dass die „Genossinnen und Genossen“ mittlerweile von „diesen ständigen medialen Zwischenrufen“ gestört seien. Parteichef Andreas Babler sah er nicht schuld am enttäuschenden Abschneiden.

Experten sehen Babler-Effekt

Meinungsforscher Christoph Haselmayer analysierte laut Meinbezirk.at: „Vizekanzler Babler hat die SPÖ nach linksaußen gerückt und so die Kommunisten salonfähig gemacht. Viele Basisfunktionäre der SPÖ haben nun das Motto: BMW – Babler Muss Weg.“

Journalismus-Legende Hubert Wachter sieht es ähnlich. „Das Vertrauen in die Politik hat auf Bundesebene einen Riss erlitten, Stadler ist Opfer dieses Vertrauensverlustes geworden“, zitiert ihn Meinbezirk.at.

Bundesparteitag im März

Brisant: Am 7. März stellt sich Babler der Wiederwahl als Bundesparteichef. Wie Profil berichtet, machen bereits jetzt genügend Genossen klar, dass sie lieber einen anderen Parteichef hätten. Für all jene, die mit Babler seit seiner Wahl unzufrieden sind, ist das Ergebnis in St. Pölten „ein gefundenes Fressen“.

Wie Heute.at berichtet, ist Babler laut aktuellem Politbarometer mit 52 Prozent Negativ-Nennungen der unbeliebteste Politiker des Landes.

Doppelte Verluste für SPÖ

Besonders brisant: Die SPÖ verlor in St. Pölten sowohl an die FPÖ auf der rechten Seite als auch an Grüne und KPÖ auf der linken Flanke. Wie Profil analysiert, zeigt die Wahl, dass die SPÖ auch mit Babler links offen ist. Grüne und KPÖ erhielten diesmal in St. Pölten mehr Stimmen als noch bei der Nationalratswahl 2024.

Ausblick

Als nächstes wählt mit Graz die zweitgrößte Stadt Österreichs. Dort droht der SPÖ bereits die nächste Schlappe, warnt oe24. Die parteiinternen Diskussionen dürften sich in den kommenden Wochen weiter verschärfen.


Quellen:

  • oe24.at: „SPÖ-Attacke auf Babler: St. Pölten-Wahl ‚muss zu denken geben'“
  • ORF Niederösterreich: „St. Pölten: SPÖ stürzt ab und verliert ‚Absolute'“
  • Meinbezirk.at: „Live-Ticker Gemeinderatswahl St. Pölten“ und „Expertenanalyse – ‚Bundestrend trifft Stadler hart'“
  • Heute.at: „Nach roter Pleite bei Wahl – ‚Eisiger Gegenwind‘ – SPÖ-Grande watscht Babler ab“
  • Exxpress: „Nach Wahldebakel: Heftige Kritik an Babler und Bundespartei“
  • Profil: „5 Lehren aus St. Pölten: SPÖ verliert rechts und links“
  • Nachrichten.at: „Nach Wahlverlusten in Sankt Pölten wird neuerlich Kritik an SP-Chef Babler laut“

Credits: APA

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