Ein Erdbeben erschüttert die deutsche Automobilindustrie: Kiekert, Erfinder der Zentralverriegelung und Weltmarktführer für Schließsysteme, ist pleite. Nach 168 Jahren ruhmreicher Firmengeschichte musste das Traditionsunternehmen aus Heiligenhaus in Nordrhein-Westfalen Insolvenz anmelden. Ein Schock für die Branche und die rund 700 Mitarbeiter in Deutschland, deren Zukunft plötzlich auf dem Spiel steht.
Chinesischer Eigentümer dreht den Geldhahn zu
Der Vorhang für das Drama öffnete sich, als das Amtsgericht Wuppertal ein vorläufiges Insolvenzverfahren anordnete, wie unter anderem das Handelsblatt berichtete. Doch was führte zu diesem abrupten Absturz? Vorstandschef Jérôme Debreu redet Klartext und verweist unmissverständlich nach China. „Die Insolvenz ist die Konsequenz daraus, dass der chinesische Gesellschafter keine weiteren Mittel bereitgestellt und seine finanziellen Verpflichtungen im dreistelligen Millionenbereich nicht erfüllt hat“, zitiert ihn n-tv.
Der chinesische Automobilzulieferer Lingyun hatte Kiekert 2012 übernommen. Debreu spricht die Problematik der Sanktionen an, durch den der Zugang zu wichtigen Märkten und Finanzierungen blockiert wird, was das Geschäft erheblich gefährde.
Geopolitik und Sanktionen als Sargnägel
Die globale politische Lage hat die Krise offenbar massiv verschärft. Wie die Zeit berichtet, hat die US-Sanktionspolitik zu erheblichen Auftragsverlusten geführt. Amerikanische Großkunden zogen bereits erteilte Aufträge zurück, und Banken verweigerten neue Kredite. Die Insolvenz war laut Management die „einzig verbliebene Option“, um das Unternehmen noch zu retten.
Was wird aus den Mitarbeitern?
Für die rund 700 Beschäftigten am Hauptsitz in Heiligenhaus ist die Nachricht ein Schlag ins Gesicht. Immerhin gibt es eine kurzfristige Atempause: Der vorläufige Insolvenzverwalter Joachim Exner teilte mit, dass der Geschäftsbetrieb vorerst regulär weiterlaufe. Die Löhne und Gehälter sind laut WDR über das Insolvenzgeld bis einschließlich November gesichert. Die internationalen Tochtergesellschaften mit ihren tausenden Mitarbeitern in Europa, Asien und Nordamerika sind von dem Verfahren nicht betroffen und arbeiten uneingeschränkt weiter, wie Reuters meldet.
Neueste Kommentare