„Idioten“: Konflikt zwischen Serbien und Meinl-Reisinger eskaliert

„Idioten“: Konflikt zwischen Serbien und Meinl-Reisinger eskaliert

„Ich kann sehr gut zwischen dem österreichischen Volk und bestimmten Politikern unterscheiden. Ich bin dankbar, dass unsere Leute dort arbeiten können – mit dem Wissen, dass sie dort manchmal auch Idioten als Minister haben“, sagte Milorad Dodik, der Präsident der bosnischen Entität Republika Srpska (APA-Bild unten), in einem aktuellen Interview mit der „Presse“.

Wie berichtet, hat im März die gesamtstaatliche Staatsanwaltschaft Bosnien und Herzegowinas Haftbefehle gegen Dodik und zwei weitere hochrangige Politiker der Republika Srpska erlassen. Ihnen wird vorgeworfen, gegen die verfassungsmäßige Ordnung Bosnien und Herzegowinas verstoßen zu haben. In Österreich darf Dodik seither nicht mehr einreisen – das hat Außenministerin Beate Meinl-Reisinger verkündet.

Dodik kritisierte nun in diesem Zusammenhang auch Meinl-Reisingers Besuch in Sarajevo, der Hauptstadt des Gesamtstaats Bosnien und Herzegowina, Anfang April. „Wenn eine Ministerin, die erst ein paar Tage im Amt ist, nach Sarajevo reist und dort der Atmosphäre des Schulterklopfens erliegt, zeugt das davon, dass es in Österreich auch unseriöse Minister gibt“, sagte er.

Und: „Was ist das für eine Art, was für ein Verhalten, sich erst beim Abendessen von den Muslimen negatives Gerede über das Monstrum Dodik einflüstern zu lassen und aufgrund dessen mit einer politischen Stellungnahme aufzuwarten?“

Er habe das Recht, „Minister nicht zu respektieren, die mich nicht respektieren“, sagte Dodik. Sollte „diese Frau“ zufällig auf das Territorium der Republika Srpska gelangen, würde der Extremist sie sofort rauswerfen lassen.

Dodik über Ministerin: „Gehört sie höherwertiger Rasse an?“

Und zum Nachrichtenmagazin „profil“ meinte der Serbenführer über Meinl-Reisinger: „„Die österreichische Außenministerin glaubt wohl, sie gehört einer höherwertigen Rasse an. Das tut sie nicht. Ich werde alles dafür tun, dass sich unsere serbische Gemeinschaft in Österreich organisiert und dass sie ihren Willen ausdrückt.“

Meinl-Reisinger will auch „Putin verhaften lassen“

Für weitere heftige Debatten auf Social-Media-Plattformen sorgt aktuell auch ein Statement Meinl-Reisingers bei einem TV-Talk auf puls4 – sie meinte dabei wörtlich über den russischen Präsidenten: „Wir werden Putin verhaften lassen, wenn er österreichischen Boden betritt. Ganz sicher.“

Hintergrund: Die Republika Srpska

Die Republik Srpska (Republika Srpska) ist eine von zwei konstitutionellen Entitäten des Staates Bosnien und Herzegowina, die andere ist die Föderation Bosnien und Herzegowina. Sie spielt eine zentrale, aber auch kontroverse Rolle in der Nachkriegspolitik des Balkans.

Fakten:

  • Hauptstadt: De jure Sarajevo, de facto Banja Luka (Sitz der Regierung)

  • Fläche: 24.800 km² (etwa 49 % von Bosnien und Herzegowina)

  • Bevölkerung: ca. 1,2 Millionen (mehrheitlich ethnische Serben)

  • Amtssprachen: Serbisch, aber auch Bosnisch und Kroatisch sind offiziell erlaubt

  • Regierung: Präsidialsystem innerhalb der Entität; eigene Polizei, Bildungssystem und Verwaltung

    Historischer Hintergrund:

  • Entstehung: Die Republik Srpska wurde 1992 von bosnischen Serben während des Bosnienkriegs als „Serbische Republik Bosnien und Herzegowina“ ausgerufen, um sich von der Unabhängigkeit Bosniens abzuspalten.

  • Bosnienkrieg (1992–1995): Die Gründung war eng verbunden mit der ethnischen Säuberung gegen Bosniaken und Kroaten, etwa im Massaker von Srebrenica 1995.

  • Friedensabkommen: Der Dayton-Vertrag von 1995 erkannte die Republik Srpska als eine der zwei Entitäten Bosniens an, wobei das Gesamtland formal souverän und unteilbar blieb.

    Politische Lage:

  • Die Republik Srpska hat eigene Institutionen, ist jedoch Teil des Gesamtstaats Bosnien und Herzegowina.

  • Ihr derzeitiger Präsident ist (Stand: 2025) Milorad Dodik, ein serbisch-nationalistischer Politiker, der wiederholt Sezessions-Drohungen ausgesprochen hat.

  • Dodik betont die Eigenständigkeit der Entität und stellt die Legitimität der bosnischen Gesamtinstitutionen infrage.

  • Die politische Rhetorik zielt häufig auf eine engere Anbindung an Serbien und eine Abkehr vom multiethnischen Bosnien.

    Internationale Bewertung:

  • Hochkommissar für Bosnien und Herzegowina (OHR) und internationale Beobachter warnen regelmäßig vor Destabilisierung durch nationalistische Politik der RS-Führung.

  • Die Republik Srpska steht oft in Konflikt mit Urteilen internationaler Gerichte (z. B. zur Leugnung des Völkermords in Srebrenica).

  • Es gibt Bedenken über Einflussnahme durch Russland sowie eine Blockadehaltung gegenüber EU-Integrationsprozessen.

 

Teilen:
0 0 Abgegebene Stimmen
Artikel Bewertung
Abonnieren
Benachrichtigung von
guest

1 Kommentar
Älteste
Neuestes Meistgewählt
1
0
Ich würde mich über Ihre Meinung freuen, bitte kommentieren Sie.x