„Ich liebe die Inflation“: Trumps bizarrer Satz zu einem ernsthaften Problem

„Ich liebe die Inflation“: Trumps bizarrer Satz zu einem ernsthaften Problem

4,2 Prozent Inflation in den USA — der höchste Wert seit drei Jahren. Benzin um 40 Prozent teurer, Energie um 23,5 Prozent. Und der US-Präsident sagt: er liebt das.

Der Satz, der irritiert

Auf die Frage eines Journalisten, ob ihn der neuerliche Anstieg der Teuerungsrate beunruhige, antwortete US-Präsident Donald Trump laut oe24.at lapidar: „Die Zahlen waren großartig. Ich liebe die Inflation.“ Warum er das gut findet, dass seine Landsleute deutlich mehr für den täglichen Einkauf und Benzin zahlen müssen, ließ Trump offen. Er stellte lediglich ein Abflauen in Aussicht — ohne zu begründen, wie und wann das passieren soll.

Die Zahlen dahinter sind ernst

Was Trump als „großartig“ bezeichnet, hat das US-Arbeitsministerium am Mittwoch nüchtern dokumentiert. Wie das Bureau of Labor Statistics in seinem offiziellen CPI-Bericht festhält, stiegen die Verbraucherpreise im Mai 2026 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 4,2 Prozent — der höchste Wert seit April 2023 und der dritte Monat in Folge mit beschleunigter Inflation. Im April lag die Rate noch bei 3,8 Prozent.

Besonders stark schlägt laut BLS die Energie zu Buche: Die Energiepreise legten um 23,5 Prozent zu — allein im Mai um 3,9 Prozent. Benzin verteuerte sich laut tradingeconomics.com um 40,5 Prozent im Jahresvergleich. Die Energiekomponente war für mehr als 60 Prozent des monatlichen Gesamtanstiegs verantwortlich. Nahrungsmittelpreise stiegen laut BLS um 3,1 Prozent, Wohnkosten um 3,4 Prozent.

Der Iran-Krieg als Inflationstreiber

Die Ursache ist klar benannt. Wie CNBC unter Berufung auf Ökonomen berichtet, ist es der Iran-Krieg und die daraus resultierende Blockade der Straße von Hormus, die das weltweite Energieangebot einschränkt und Öl, Gas und Dünger massiv verteuert. Das schlägt sich direkt in den US-Preisen nieder — und in den Prognosen. Die US-Energiebehörde EIA, die im Februar noch einen Rohölpreis von 58 Dollar pro Barrel erwartet hatte, rechnet laut oe24.at nun mit 95 Dollar für das laufende Jahr. 2027 dürfte der Preis auf 79 Dollar sinken — immer noch weit über den früheren Erwartungen.

Fed unter Druck — Zinssenkungen in weiter Ferne

Für die US-Notenbank Federal Reserve ist das eine heikle Lage. Wie Kiplinger berichtet, erwarten Futures-Trader laut CME Group FedWatch für 2026 keinerlei Zinssenkungen mehr — im Gegenteil: Manche Analysten schließen sogar Zinserhöhungen nicht aus. Fed-Chef Jerome Powell hatte sich zuletzt in der Zwickmühle zwischen schwächelnder Konjunktur und steigender Inflation befunden.

Chefökonomin Heather Long von Navy Federal Credit Union sagte gegenüber CNBC: „Das Ende des Iran-Kriegs würde helfen, die Inflation zu moderieren — aber bei den Lebensmittelpreisen dürfte das Schlimmste noch kommen.“

Was Trumps Satz wirklich bedeutet

Der Kontext hilft beim Verstehen. Trump interpretiert die aktuellen Inflationszahlen offenbar als Zeichen wirtschaftlicher Aktivität — hohe Preise als Indikator für Nachfrage. Das ist ökonomisch nicht falsch, solange Löhne mitsteigen. Ob das der Fall ist, hat Trump nicht erwähnt. Was er auch nicht erwähnte: Die Inflation trifft einkommensschwache Haushalte überproportional hart — genau jene, die Trump als seine Kernwählerschaft bezeichnet.

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