Ich krieg Brechreiz“: Benko-E-Mails zeigen, wer bei Signa wirklich das Sagen hatte

Ich krieg Brechreiz“: Benko-E-Mails zeigen, wer bei Signa wirklich das Sagen hatte

Neue Ermittlungsunterlagen der Soko Signa bringen brisante E-Mails ans Licht. Sie zeigen René Benko als jemanden, der trotz fehlender offizieller Funktion tief in operative Entscheidungen eingebunden war – und dabei alles andere als zimperlich war.

Offiziell kein Geschäftsführer – faktisch der Chef

Seit dem Kollaps des Signa-Imperiums Ende 2023 lautet Benkos Verteidigungslinie: Er habe lediglich eine Beraterfunktion innegehabt, ohne operative Verantwortung. Offiziell hatte er diese tatsächlich schon seit 2013 abgegeben – nach einer strafrechtlichen Verurteilung wegen versuchter verbotener Intervention. Doch wie heute.at unter Berufung auf die Kronen Zeitung berichtete, zeichnen neue Ermittlungsunterlagen der Soko Signa ein völlig anderes Bild: Benko soll bis kurz vor dem Zusammenbruch Verträge kontrolliert, Präsentationen freigegeben und Geschäftsführer zurechtgewiesen haben.

Der E-Mail-Austausch mit CEO Mühlberger

Besonders brisant ist ein Mailwechsel mit Signa-Holding-CEO Marcus Mühlberger. Anlass war eine Präsentation für Versicherungen, für die Mühlberger Feedback eingeholt hatte. Benko soll dabei zunächst gefordert haben: „Ja keine Unterlagen und Präsentationen jetzt im Nachgang verschicken – die ich nicht vorher gesehen habe !!!!“ Als Mühlberger darauf hinwies, es handle sich lediglich um einen Entwurf, eskalierte die Situation. Wie die Kronen Zeitung aus den Ermittlungsakten zitiert und heute.at berichtete, schrieb Benko: „Den Text alleine so zu schreiben ist geisteskrank und zeigt von Deiner Unfähigkeit (…) Ich will die Präsentationen, die die Herren gehalten haben, sowie die Teilnehmerliste. Ich krieg Brechreiz.“

In einem anderen Schreiben soll Benko klargestellt haben: „Ich setze mich nicht als Mehrheitsgesellschafter auf die Rücksitzbank.“

Der teuerste Satz: „Bevor Mama unterschreibt“

Besonders kostspielig könnte für Benko ein schlichter Einzeiler aus Oktober 2023 werden. Wie heute.at berichtete, schrieb er in einem internen Mail: „Bevor Mama unterschreibt, schau ich das noch an.“ Dieser Satz gilt für die Soko Signa als möglicher Beleg, dass Benko selbst kurz vor dem Zusammenbruch noch Kontrolle über Vertragsabschlüsse ausgeübt hat – also faktische Geschäftsführung betrieb, ohne formal dafür eingetragen zu sein.

Stiftungen im Fokus – 50 Millionen in Liechtenstein

Parallel zur E-Mail-Auswertung rücken laut heute.at die Benko-Stiftungen stärker ins Visier. Zwei österreichische Familienstiftungen sind bereits insolvent. Im Zentrum steht nun die Ingbe-Stiftung in Liechtenstein – dort sollen rund 50 Millionen Euro eingefroren sein. Der Innsbrucker Masseverwalter versucht weiter, Zugriff auf diese Mittel zu bekommen. Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.

Credits: APA

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