Holzpreise auf Rekordniveau: Wenn Schadholz-Mangel zum Problem wird

Holzpreise auf Rekordniveau: Wenn Schadholz-Mangel zum Problem wird

130 Euro für einen Festmeter Sägerundholz – österreichische Waldbesitzer erleben derzeit eine beispiellose Preisrallye. Der Grund: Was jahrelang die Märkte belastete, fehlt jetzt komplett. Eine paradoxe Situation mit klaren Gewinnern und Verlierern.

Das Phänomen: Gesunde Wälder sorgen für Preisexplosion

2025 war aus Sicht der Forstwirtschaft ein ungewöhnlich ruhiges Jahr. Wie der Waldverband Salzburg berichtet, blieben massive Borkenkäferschäden weitgehend aus. Auch Extremwetterereignisse wie Stürme oder Schneebruch hielten sich in Grenzen. Der bislang milde Winter setzte den Wäldern kaum zu.

Was sich zunächst wie eine Erfolgsmeldung anhört, verkehrt sich am Holzmarkt ins Gegenteil: Es fehlt billiges Schadholz, das normalerweise 40 bis 50 Prozent der gehandelten Mengen ausmacht. „Die Sägerundholzpreise stellen derzeit nominell betrachtet einen Spitzenwert in der Preisstatistik dar“, bestätigt der Waldverband Oberösterreich.

130 Euro pro Festmeter: Historische Höchstwerte

Wie Franz Lanschützer, Geschäftsführer des Waldverbands Salzburg, gegenüber dem ORF erklärt, muss man beim Holzpreis differenzieren: „70 Prozent eines gefällten Baumes sind Sägerundholz, 30 Prozent Industrie- oder Energieholz.“ Für das hochwertige Sägerundholz – das im Wohn- und Hochbau verwendet wird – werden derzeit rund 130 Euro pro Festmeter fällig.

Laut dem aktuellen Holzmarktbericht der Landwirtschaftskammer Österreich liegen die Preise für Fichte in der Qualität B, Stärkeklasse 2b+ zwischen 125 und 130 Euro netto je Festmeter. Der Waldverband Oberösterreich meldet sogar Spitzenwerte von 128 bis 132 Euro.

Deutschland: Sägewerke warnen vor Rohstoffkrise

Auch jenseits der Grenze explodieren die Preise. Wie agrarheute berichtet, werden in Deutschland für das Leitsortiment Fichte B 2b+ Anfang 2026 zwischen 129 und 132 Euro je Festmeter gezahlt – teilweise sogar noch mehr. Für Kiefernholz liegen die Preise bei 95 bis 98 Euro.

„Die fehlenden Schadholzmengen zwingen die Sägeindustrie, die Preise deutlich anzuheben, um Mengen zu mobilisieren“, heißt es in Branchenberichten. Der Bundesverband der Holzindustrie spricht offen von einer „Rohstoffunterversorgung“ und warnt vor einer „existenziellen Krise der Säge- und Holzindustrie“.

Sägewerke unter Druck: Hohe Kosten, schwacher Absatz

Die Kehrseite der Medaille trifft die holzverarbeitende Industrie mit voller Wucht. Sägewerksbetreiber Josef Meissnitzer aus Salzburg bringt es auf den Punkt: „Das tut der Sägeindustrie derzeit massiv weh. Wir erzeugen Schnittholz und haben einen sehr hohen Rundholzpreis zu zahlen.“

Das Problem: Die Baubranche hat sich immer noch nicht von der Wirtschaftsflaute erholt. Während die Rohstoffpreise durch die Decke gehen, bleibt der Absatz von Schnittholz schwach. Die Sägewerke sitzen zwischen zwei Mühlsteinen – explodierende Einkaufspreise auf der einen, stagnierende Verkaufserlöse auf der anderen Seite.

Warum das Schadholz fehlt

Die Erklärung liegt in den Wetterkapriolen der vergangenen Jahre. Zwischen 2018 und 2020 sorgten extreme Trockenheit und massive Borkenkäferplagen für gigantische Schadholzmengen. Wie agrarheute dokumentiert, drückten diese Übermengen die Preise damals auf den tiefsten Stand seit zehn Jahren.

Seither hat sich das Blatt gewendet: Die bessere Wasserversorgung ab 2021 stabilisierte die Wälder. Der Borkenkäfer konnte sich nicht mehr massenhaft ausbreiten. Was ökologisch erfreulich ist, führt ökonomisch zu einer drastischen Verknappung. Denn die Sägeindustrie hatte sich auf einen kontinuierlichen Strom billigen Käferholzes eingestellt.

Ausblick: Entspannung nicht in Sicht

Eine Beruhigung der Preise ist laut Waldverband Salzburg derzeit nicht zu erwarten – und von den Waldbauern auch gar nicht gewünscht. „Das würde nur dann passieren, wenn heuer wieder viel mehr Schadholz anfällt“, so Lanschützer.

Die Sägewerke sind derzeit zwar gut versorgt, wie der Waldverband Oberösterreich meldet. Allerdings wird intensiv produziert, und die Lager bei den Werken sind teilweise leer. Einzelne Sägewerke akzeptieren inzwischen sogar deutlich schlechtere Qualitäten als üblich und gehen bei Schwachholz mit dem Mindestzopfdurchmesser nach unten – ein klares Zeichen der Anspannung.

Für Waldbesitzer beschert die Situation außergewöhnlich hohe Einnahmen. Die Sägeindustrie hingegen hofft auf eine Belebung der Baukonjunktur – und möglicherweise auch auf ein paar Borkenkäfer mehr.

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