Historische Wende: Kuba plant weitreichende Privatisierungen

Historische Wende: Kuba plant weitreichende Privatisierungen

Kuba kündigt die größte Abkehr von seiner sozialistischen Planwirtschaft seit der Revolution von 1959 an. Hintergrund ist eine dramatische Wirtschaftskrise – und wachsender Druck aus den USA.

Marrero präsentiert Reformpaket im Parlament

Wie der ORF berichtet, stellte Kubas Ministerpräsident Manuel Marrero den Parlamentsabgeordneten in Havanna ein umfassendes Reformpaket vor. Dieses sieht unter anderem die Zulassung privater Immobilienprojekte vor. Außerdem sollen Staatsbetriebe in private Unternehmen mit Aktienbeteiligungen umgewandelt werden und private Banken erstmals Zugang zum Finanzsektor erhalten. Hinzu kommt laut ORF ein spürbarer Abbau der Bürokratie für private Unternehmer.

Marrero bezeichnete den Markt in seiner fast zweistündigen Parlamentsrede laut ORF als „Instrument für die effiziente Verteilung von Ressourcen“ – räumte aber gleichzeitig ein, dass dies keine Abkehr vom Sozialismus sei, sondern dessen „Weiterentwicklung“. Es handle sich um die größte Veränderung des sozialistischen Modells seit der Revolution von 1959, hieß es laut ORF.

Castro unterstützt Reformen aus dem Hintergrund

Bemerkenswert ist auch, wer die Pläne politisch absichert: Der frühere Parteichef Raul Castro, heute 94 Jahre alt, unterstützte das Reformpaket in einem Schreiben, das dem Politbüro und den Abgeordneten vorgelegt wurde, wie ORF berichtet. Er forderte darin eine rasche Umsetzung. Castro ist zwar seit 2021 nicht mehr Parteichef, gilt aber als einer der letzten einflussreichen Vertreter der Revolutionsgeneration.

Der Hintergrund: Schwerste Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten

Die Reformen kommen nicht aus einer Position der Stärke, sondern der Not. Kuba leidet unter seiner schwersten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten, wie beck-aktuell und SRF unter Berufung auf übereinstimmende Berichte schildern. Verschärft wird die Lage durch massive Energieknappheit, ausgelöst durch eine von der US-Regierung seit Jänner 2026 verhängte Ölblockade. Immer wieder fällt landesweit stundenlang der Strom aus, es mangelt an Treibstoff, Lebensmitteln und Gütern des täglichen Bedarfs. Die US-Sanktionen haben zudem ausländische Firmen aus dem kubanischen Markt vertrieben und den wichtigen Tourismussektor belastet, wie der ORF ergänzt.

US-Anklage gegen Raul Castro als Druckkulisse

Die Reformen fallen in ein politisch hochexplosives Umfeld. Im Mai 2026 erhoben die USA Anklage gegen Raul Castro persönlich – wegen angeblicher Mitverantwortung am Abschuss zweier Kleinflugzeuge der Exilorganisation „Brothers to the Rescue“ im Jahr 1996, bei dem drei US-Amerikanern ums Leben kamen. Wie ZDF und SRF berichten, werden Castro Verschwörung zum Mord, vierfacher Mord sowie die Zerstörung von Flugzeugen vorgeworfen. Castro und die kubanische Regierung weisen die Klage als politisch motiviert zurück. US-Justizminister Todd Blanche erklärte laut SRF, Castro solle sich „freiwillig oder auf andere Weise“ in den USA einfinden. Die Anklage erinnert laut ZDF an das Vorgehen gegen den venezolanischen Ex-Präsidenten Nicolás Maduro, den US-Spezialkräfte Anfang 2026 festgenommen und in die USA überführt hatten. Trump hatte bereits im März gedroht, Kuba sei nach Venezuela „als Nächstes dran“.

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