Bundeskanzler Christian Stocker ist in Neu-Delhi eingetroffen — als erst dritter österreichischer Regierungschef überhaupt, der Indien besucht. Im Gepäck: eine große Wirtschaftsdelegation und der Anspruch, heimischen Unternehmen neue Märkte zu öffnen.
Roter Teppich, Ehrengarde, Willkommensplakat
Der Empfang in Neu-Delhi war protokollarisch aufwendig. Wie OE24 unter Berufung auf die APA berichtet, ließ Premierminister Narendra Modi nicht nur Ehrengarde und roten Teppich auffahren — er ließ auch ein großes Willkommensplakat mit Stockers Konterfei aufstellen. Der Grund für diesen ungewöhnlichen Aufwand: Der letzte Besuch eines österreichischen Bundeskanzlers in Indien liegt 42 Jahre zurück. Nach Bruno Kreisky (1980) und Fred Sinowatz (1984) ist Stocker erst der dritte amtierende Regierungschef, der den Subkontinent besucht.
Was den Besuch historisch einbettet
Österreich und Indien verbindet eine längere Geschichte als die bloße Handelspolitik vermuten lässt. Wie vol.at berichtet, hatte der indische Premierminister Jawaharlal Nehru 1955 — wenige Wochen nach Unterzeichnung des Staatsvertrags — Wien besucht. Beim Zustandekommen dieses Vertrags hatte Indien eine nicht unerhebliche Rolle gespielt: Als die Verhandlungen 1953 stockten, setzte sich Nehru bei der Sowjetunion für Österreich ein. Die diplomatischen Beziehungen zwischen Wien und Neu-Delhi gehen damit bis ins Jahr 1949 zurück.
Zuletzt war Premierminister Modi im Juli 2024 zu Gast in Wien, um den 75. Jahrestag der bilateralen Aufnahme diplomatischer Beziehungen zu feiern. Stockers Besuch ist nun die Gegenvisite — und damit Teil einer intensivierten Diplomatie auf höchster Ebene.
Wirtschaft im Vordergrund
Der Kanzler reiste, wie das Bundeskanzleramt mitteilt, nicht allein: Begleitet wird er von Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer sowie einer Delegation von über 60 Unternehmensvertretern. Stocker hatte die Indien-Reise bereits in seiner Neujahrsrede im Jänner angekündigt — als Teil einer breiteren Exportoffensive, die ihn heuer noch nach China und in die Vereinigten Arabischen Emirate führen soll.
Die Zahlen sprechen für das Vorhaben: Wie news.at berichtet, wächst Indiens Wirtschaft jährlich um rund sieben Prozent, rund 170 österreichische Unternehmen sind bereits vor Ort aktiv, und die österreichischen Exporte nach Indien legten im Vorjahr laut OE24 um 13,6 Prozent zu — während die Ausfuhren in den Rest Asiens stagnieren. Noch schützt Indien seine Wirtschaft mit hohen Zöllen, doch das soll sich durch das bereits ausverhandelte Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien ändern, das eine Freihandelszone mit rund zwei Milliarden Menschen schaffen würde.
Ein erstes konkretes Ergebnis der Wirtschaftsmission war bereits am Reisetag zu vermelden: Wie vol.at berichtet, gab der steirische Anlagenbauer Andritz bekannt, ein Pumpspeicherkraftwerk im indischen Bundesstaat Maharashtra zu errichten — mit einem Auftragswert im niedrigen dreistelligen Millionenbereich.
Treffen mit Modi und Präsidentin Murmu
Höhepunkt der dreitägigen Visite ist ein Treffen mit Premierminister Modi am Donnerstag, bei dem mehrere Absichtserklärungen zur Vertiefung der bilateralen Zusammenarbeit unterzeichnet werden sollen. Darüber hinaus wird Stocker auch von Präsidentin Droupadi Murmu empfangen — und nimmt am India-Austria-Business-Summit teil, bevor er am Samstag nach Österreich zurückkehrt.
Credits: APA
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