Hisbollah in Europa: Drogenhandel, Krypto und zwei Fälle aus Österreich

Hisbollah in Europa: Drogenhandel, Krypto und zwei Fälle aus Österreich

Eine neue Studie der Dokumentationsstelle Politischer Islam legt offen, wie tief die Hisbollah ihre Finanzstrukturen in Europa verankert hat — und wie stark der laufende Iran-Krieg diese Netzwerke noch wichtiger macht.

Die Studie und ihre Kernaussage

Am 15. April 2026 veröffentlichte die Dokumentationsstelle Politischer Islam (DPI) in Wien eine umfangreiche Analyse zum Thema. Wie presse-nachrichten.de berichtet, wurde die Studie unter der Leitung von Lina Khatib, Associate Fellow beim renommierten britischen Thinktank Chatham House (The Royal Institute of International Affairs), erarbeitet — unterstützt von Anrike Visser, Expertin für Finanzkriminalität und Terrorfinanzierung. Die Analyse stützt sich auf öffentlich zugängliche Quellen: Gerichtsakten, Unternehmensregister und Regierungsberichte. Bei der Präsentation in Wien sagte Khatib laut derstandard.at: „Die Geschehnisse in Nahost haben nicht nur Auswirkungen auf Europa, sondern auch umgekehrt.“

Europa als Finanzdrehscheibe

Die Kernbotschaft der Studie ist eindeutig: Europa dient der Hisbollah als wichtige Drehscheibe für vielfältige Geschäftsaktivitäten. Wie die Dokumentationsstelle selbst in ihrer Pressemitteilung festhält, finanziert sich die Organisation zu rund einem Drittel über kriminelle Tätigkeiten weltweit — wobei Europa eine gewichtige Rolle spielt. Das Spektrum reicht von Drogenhandel, Geldwäsche und Schmuggel über den Handel mit Kunstwerken und Blutdiamanten bis hin zu Ölschmuggel, wie OE24 berichtet.

Besonders brisant: Wie presse-nachrichten.de festhält, laufen die Finanzgeschäfte der Hisbollah zunehmend über Kryptowährungen, um Transaktionen anonymer und schwerer nachvollziehbar zu gestalten.

Das rechtliche Schlupfloch — auch in Österreich

Ein strukturelles Problem, das die Studie scharf benennt, liegt im europäischen Recht. Wie heute.at berichtet, stufen die meisten EU-Länder — darunter auch Österreich — lediglich den militärischen Flügel der Hisbollah als Terrororganisation ein. In Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden gilt das Verbot für die gesamte Organisation. Das Ergebnis dieser Uneinheitlichkeit: Der politische Arm kann innerhalb der EU weiterhin legal auftreten, Spenden sammeln und Finanzgeschäfte abwickeln — trotz enger Verbindungen zu den übrigen Strukturen.

Die EU stufte die iranischen Revolutionsgarden, mit denen die Hisbollah bei vielen Operationen kooperiert, erst Anfang 2026 als Terrororganisation ein, wie OE24 berichtet.

Zwei konkrete Fälle aus Österreich

Die Studie benennt auch zwei österreichische Fälle, die laut meinbezirk.at deutlich machen, dass Österreich nicht nur am Rande betroffen ist, sondern sowohl als Finanzierungsstandort als auch als logistischer Knotenpunkt fungiert.

Der erste Fall betrifft einen libanesischen Staatsbürger, der 2020 und 2021 in Klagenfurt zu mehreren Jahren Haft verurteilt wurde. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er seit 2006 Mitglied der Hisbollah war, rund 250 Jugendliche und Männer rekrutierte, an ideologischen Schulungen und militärischen Ausbildungen beteiligt war und über Jahre hinweg an der Finanzierung der Organisation mitwirkte. Im März 2023 scheiterte seine Beschwerde gegen die Aberkennung des Asylstatus, wie heute.at berichtet.

Der zweite Fall stammt aus Salzburg: 2021 wurde im Rahmen der sogenannten „Operation El Capta“ ein internationales Schmuggelnetzwerk zerschlagen. Die Täter versteckten große Mengen Captagon und Kokain in Pizzaöfen und Waschmaschinen und schmuggelten die Ware quer durch Europa bis nach Saudi-Arabien. Eine Pizzeria diente dabei als Tarnung, mehrere Beteiligte wurden verurteilt.

Iran-Krieg erhöht Bedeutung der Netzwerke

Der Kontext macht die Studie besonders dringlich. Wie die Dokumentationsstelle in ihrer Aussendung festhält, hat die Hisbollah durch den Iran-Krieg — der Ende Februar 2026 begann — ihre internationalen Netzwerke und Finanzstrukturen nochmals an strategischer Bedeutung gewonnen. Je unsicherer die Lage im Libanon, desto wichtiger werden externe Geldflüsse für die Organisation.

Credits: APA

Teilen:
0 0 Abgegebene Stimmen
Artikel Bewertung
Abonnieren
Benachrichtigung von
guest
0 Kommentare
Älteste
Neuestes Meistgewählt
0
Ich würde mich über Ihre Meinung freuen, bitte kommentieren Sie.x