Hegseth in der Normandie: D-Day-Gedenkstätte als Bühne gegen Europas Migrationspolitik

Hegseth in der Normandie: D-Day-Gedenkstätte als Bühne gegen Europas Migrationspolitik

82 Jahre nach der Landung der Alliierten in der Normandie nutzte US-Verteidigungsminister Pete Hegseth den Gedenkort für eine Botschaft, die mit dem Zweiten Weltkrieg wenig zu tun hat — aber viel mit Trumps Europapolitik.

Die Rede und ihr eigentlicher Kern

Am Samstag, dem 82. Jahrestag des D-Day, sprach Hegseth auf dem amerikanischen Soldatenfriedhof in Colleville-sur-Mer in der Normandie. Was er sagte, war zunächst das Erwartbare: Lob der alliierten Opfer, Appell an Europa, endlich mehr für die eigene Verteidigung zu tun, Mahnung an die NATO-Partner, Schulter an Schulter zu stehen.

Dann kam der Satz, der alle anderen überschattete. „Leider werden heute verschiedene europäische Strände von verschiedenen gefährlichen Ideologien gestürmt“, sagte Hegseth laut CBS News und The Hill. „An den Stränden Spaniens, Italiens, Griechenlands und Bulgariens landen Boote und Menschen. Werden die europäischen Hauptstädte gegen diese Invasion vorgehen — oder ist es schon zu spät?“

Das Wort „Invasion“ fiel bewusst. Das Wort „Migration“ dagegen nicht — laut CBS News und Newsweek vermied Hegseth es konsequent, auch wenn der Subtext unübersehbar war.

D-Day als rhetorisches Werkzeug

Was Hegseth tat, ist keine Ausnahme in der Trump-Administration, sondern Methode. Wie The Hill berichtet, reiht sich die Rede nahtlos in eine Reihe transatlantischer Auftritte ein: Vizepräsident JD Vance hatte bereits im Februar 2025 bei der Münchner Sicherheitskonferenz ähnliche Kritik formuliert — damals noch schärfer, mit direktem Angriff auf europäische Regierungen wegen fehlender Grenzkontrollen.

Die Wahl des Ortes ist dabei keine Zufälligkeit. Der Soldatenfriedhof in der Normandie ist der emotional aufgeladenste Ort des transatlantischen Bündnisses. Wer dort über eine „Invasion“ spricht und gleichzeitig Fragen an Europa richtet, setzt die Deutungshoheit über Geschichte bewusst ein — und zwingt europäische Regierungen, zu antworten.

Absage an die internationale Gedenkfeier

Hegseth nahm an der offiziellen internationalen Gedenkfeier am Samstagnachmittag in Langrune-sur-Mer nicht teil — seine Teilnahme hatte er laut oe24.at kurzfristig abgesagt. An der Feier nahmen unter anderen Frankreichs Premierminister Sébastien Lecornu und der britische Verteidigungsminister John Healey teil. Hegseth sprach stattdessen nur auf dem US-Soldatenfriedhof — dem amerikanischen Teil des Gedenkens, ohne europäische Partner.

Einordnung: Kritik ja — aber mit welcher Berechtigung?

Hegseths Forderung nach mehr europäischem Engagement bei Verteidigung und Migration ist inhaltlich nicht neu und findet in Teilen Europas sogar Unterstützung — insbesondere in osteuropäischen NATO-Staaten. Dass die NATO-Partner beim Haager Gipfel 2025 das Verteidigungsausgabenziel auf 3,5 Prozent des BIP bis 2035 angehoben haben, wie Yahoo News festhält, zeigt, dass der Druck Wirkung hatte.

Was die Rede trotzdem problematisch macht, ist die Gleichsetzung von Kriegsopfern mit einer Migrationsdebatte. Die Alliierten landeten 1944, um Europa von einem Vernichtungsregime zu befreien. Die Gleichstellung dieser Landung mit dem Ankommen von Flüchtlingsbooten ist eine rhetorische Vereinnahmung, die in Europa — und besonders in Frankreich — für Empörung sorgte.

Credits: Von U.S. Secretary of Defense – https://www.flickr.com/photos/68842444@N03/54369874953/, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=162928615

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