FPÖ-Chef Herbert Kickl deutete am 1. Mai eine Ohrfeige an und verklärte Zeiten, als Lehrer Schüler körperlich züchtigten. Vizekanzler Andreas Babler nennt das „widerlich“ — und reagiert emotional auf Instagram.
Kickls Sager im Linzer Bierzelt
Am 1. Mai beim Maifest am Urfahranermarkt in Linz schwärmte FPÖ-Chef Herbert Kickl von vergangenen Zeiten — als Ausländer in Schulklassen noch eine Minderheit gewesen seien und Integration eine Bringschuld. Dann folgte der Satz, der seither für Empörung sorgt: „Und wenn sie nicht gespurt haben, dann hat ein Lehrer, der noch eine Respektsperson gewesen ist, ein bisserl nachgeholfen — und das hat niemandem geschadet, wenn ich das so sagen darf!“ Dabei deutete Kickl laut Kurier mit der rechten Hand eine Ohrfeige an.
Was Kickl damit romantisiert, ist in Österreich seit Jahrzehnten verboten. Die Prügelstrafe an Schulen wurde 1974 abgeschafft. Seit 1989 ist das Recht auf gewaltfreie Erziehung in der Verfassung verankert.
Babler: „Widerlich“ — mit Tränen in den Augen
Mit einigen Tagen Verspätung meldete sich Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) auf Instagram zu Wort — in einem kurzen Videobeitrag „für alle, denen Kinderrechte nicht egal sind“. Babler wirkt laut Kurier sichtlich angefasst, hat beinahe Tränen in den Augen. Kickls Aussagen seien „unerhört und widerlich“. „Ich sag es euch ganz ehrlich, in so eine Zeit mag man nicht zurück.“
Man habe hart dafür gekämpft, dass Kinder in Österreich gewaltfrei aufwachsen können. Sein Appell: „Ich kann euch alle nur dazu einladen, dafür zu kämpfen, dass solche Leute wie der Herbert Kickl nie eine Verantwortung haben, nie Bundeskanzler sind, damit wir nicht in diese dunklen Zeiten unserer Geschichte zurückkehren.“
Was rechtlich gilt
Körperliche Züchtigung ist in Österreich klar geregelt: Die Prügelstrafe an Schulen wurde 1974 abgeschafft, Züchtigung am Arbeitsplatz 1982 verboten. Seit 1989 ist das Recht auf gewaltfreie Erziehung verfassungsrechtlich verankert. Was Kickl als harmlose Reminiszenz an vergangene Lehrerpersönlichkeiten verkauft, ist heute eine Straftat.
Ob Kickls Aussage rechtliche Konsequenzen hat, ist offen. Eine politische hat sie jedenfalls: Sie liefert der SPÖ ein Thema, mit dem sie aus der Defensive kommt — und das auch emotional mobilisiert.
Credits: APA
Neueste Kommentare