Unterstützungsverein, Bürgerplattform und ein neues Buch: Der frühere burgenländische Landeshauptmann Hans Niessl bereitet seine mögliche Kandidatur für die Bundespräsidentenwahl 2028 immer konkreter vor. Unter dem Motto „Gemeinsam für Österreich“ positioniert er sich als überparteilicher Kandidat der politischen Mitte.
Was zu Jahresbeginn noch wie ein vorsichtiges Ausloten klang, nimmt zunehmend konkrete Formen an: Hans Niessl startet in den politischen Vorwahlkampf für die Bundespräsidentenwahl 2028. Der frühere burgenländische Landeshauptmann will dafür weit über die Grenzen der SPÖ hinaus Unterstützer gewinnen und Menschen aus unterschiedlichen Parteien, Generationen und gesellschaftlichen Gruppen zusammenbringen.
Die organisatorische Grundlage dafür soll der Unterstützungsverein „Gemeinsam für Österreich – Hans Niessl“ bilden. Dieser soll im Fall einer Kandidatur die notwendigen 6.000 Unterstützungserklärungen sammeln, Spenden für den Wahlkampf organisieren und den Aufbau einer österreichweiten Wahl- und Bürgerplattform ermöglichen. Die Vereinsgründung ist bereits erfolgt.
Bürgerplattform statt klassischer Parteikampagne
Niessls politische Strategie zeichnet sich bereits ab: Er möchte nicht als Kandidat eines einzelnen Parteiflügels wahrgenommen werden, sondern als überparteiliche Persönlichkeit mit sozialdemokratischen Wurzeln. Auf der geplanten Bürgerplattform sollen Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten sowie Vertreter unterschiedlicher politischer Parteien zu Wort kommen.
„Momentan ist es so, dass übereinander geredet wird und nicht miteinander“, erklärte Niessl. Er spricht sich dafür aus, den Dialog mit allen demokratisch gewählten Parteien zu führen. Auch eine dauerhafte Ausgrenzung der FPÖ hält er für politisch falsch, weil diese seiner Ansicht nach zu einer weiteren Stärkung der Freiheitlichen beitrage.
Inhaltlich stellt Niessl bisher vor allem die Entlastung des Mittelstandes, die Neutralität Österreichs sowie Reformen in den Bereichen Wirtschaft und Bildung in den Mittelpunkt. Gleichzeitig wirbt er für ein aktiveres Verständnis des Präsidentenamtes: Der Bundespräsident solle nicht nur repräsentieren, sondern häufiger bei den Menschen sein und zu wichtigen gesellschaftlichen Fragen klar Stellung beziehen.
Damit versucht Niessl, ein politisches Feld zu besetzen, das derzeit weitgehend offen erscheint: die breite gesellschaftliche Mitte zwischen parteipolitischen Lagern und zunehmender Polarisierung.
Ein SPÖ-Chef Zeiler könnte Niessl stärken
Zu den Initiatoren des Unterstützungsvereins zählen der frühere SPÖ-Staatssekretär Peter Wittmann und der Unternehmer Andreas Binder. Weitere prominente Unterstützer sollen in den kommenden Monaten schrittweise präsentiert werden. Wie „Heute“ berichtet, soll auch Niessls langjähriger Mitarbeiter Herbert Oschep in das Projekt eingebunden sein.
Eine offizielle Festlegung der SPÖ-Bundesorganisation gibt es bislang nicht. Angesichts der erst 2028 stattfindenden Bundespräsidentenwahl ist eine Entscheidung derzeit auch noch nicht zu erwarten. Gleichzeitig gilt es als zunehmend fraglich, ob der derzeitige SPÖ-Vorsitzende Andreas Babler zu diesem Zeitpunkt noch an der Spitze der Partei stehen wird.
Ein möglicher Führungswechsel zu Gerhard Zeiler könnte Niessls Ambitionen jedenfalls deutlich stärken. Zwischen Zeiler und Niessl dürfte eine tragfähige politische und persönliche Gesprächsbasis bestehen. Unterstützung zeichnet sich zudem aus mehreren SPÖ-Landesorganisationen ab. Auch aus dem Burgenland, Wien, Niederösterreich, Steiermark, Kärnten und weiteren Bundesländern könnten Niessls Pläne Rückhalt erhalten.
Niessl selbst hat jedoch bereits klargemacht, dass er seine mögliche Kandidatur bewusst überparteilich ausrichten will. Mit dem Unterstützungsverein und der geplanten Bürgerplattform schafft er sich damit eine eigenständige organisatorische Basis – und macht seinen möglichen Weg in die Hofburg zunehmend unabhängig von einer offiziellen Nominierung durch die SPÖ
Der Vorwahlkampf hat begonnen
Noch hat Hans Niessl seine Kandidatur nicht endgültig erklärt. Politisch ist der Vorwahlkampf jedoch längst eröffnet. Mit dem Unterstützungsverein, der geplanten Bürgerplattform, dem Aufbau eines überparteilichen Netzwerkes und der Veröffentlichung seines geplanten Buches, schafft Niessl bereits jene Strukturen, die für einen bundesweiten Wahlkampf notwendig wären.
Der frühere Landeshauptmann setzt dabei auf seine langjährige politische Erfahrung, seine Verankerung im Sport und auf ein Profil als bodenständiger Vertreter der Mitte. Seine Botschaft lautet: Österreich brauche weniger Ausgrenzung, mehr Dialog und einen Bundespräsidenten, der nicht nur bei offiziellen Anlässen sichtbar ist, sondern aktiv auf die Menschen zugeht.
Mit „Gemeinsam für Österreich“ wird aus einer möglichen Kandidatur Schritt für Schritt ein politisches Projekt. Ob daraus tatsächlich der Weg in die Hofburg wird, entscheidet sich erst später. Klar ist aber bereits jetzt: Hans Niessl will bei der Bundespräsidentenwahl 2028 eine maßgebliche Rolle spielen.
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