Das Europäische Forum Alpbach, seit 81 Jahren Treffpunkt der politischen und wirtschaftlichen Elite in den Tiroler Bergen, öffnet erneut seine Tore. Auffällig dabei: Während zahlreiche Regierungsmitglieder anreisen, fehlen ausgerechnet Kanzler und Vizekanzler.
81. Auflage unter dem Motto „How Europe Wins“
Das diesjährige Forum steht unter dem Motto „How Europe Wins“ und läuft von 24. August bis 4. September. EFA-Präsident Othmar Karas erklärte dazu: „‚How Europe Wins‘ ist eine Einladung und ein Aufruf zugleich, Europa gemeinsam zu gestalten und entschlossen ins Handeln zu kommen. Europa steht in einem Wettbewerb, den niemand allein gewinnen kann.“ Was oft fehle, seien „die gemeinsame Richtung und der Wille zur Tat“, so der ehemalige ÖVP-Politiker und frühere Erste Vizepräsident des Europaparlaments. Das Programm gliedert sich heuer in drei Säulen: die Academy Days für Stipendiaten, die Euregio Days der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino sowie die eigentlichen Conference Days ab 30. August, die sich in vier Themenschwerpunkte gliedern – Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, Klima, Sicherheit sowie Wirtschaft und Finanzen.
Halbe Regierung vor Ort
Aus der österreichischen Bundesregierung reisten heuer gleich mehrere Mitglieder ins Bergdorf: Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP), Verkehrsminister Peter Hanke (SPÖ), NEOS-Chefin und Außenministerin Beate Meinl-Reisinger, Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner (SPÖ) sowie Integrationsministerin Claudia Bauer (ÖVP) gaben sich in Alpbach die Ehre. Auch prominente Namen aus der Wirtschaft waren vor Ort, darunter Ex-Minister und Nationalbank-Gouverneur Martin Kocher sowie Erste-Group-CEO Peter Bosek. International wird das Forum unter anderem von EU-Kommissar Magnus Brunner, der EU-Sonderbeauftragten Mairead McGuinness, Georgiens Präsidentin Salome Zourabichvili sowie Nobelpreisträger Joseph E. Stiglitz besucht.
Stocker und Babler bleiben fern
Bemerkenswert ist, wer heuer fehlt: Weder Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) noch Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) nehmen am Forum teil. Stocker ist stattdessen in Österreich unterwegs und feierte am Dienstag den Abschluss seiner Sommertour.
Ein Ort für Networking und offenen Dialog abseits der Bühne
Traditionell lebt das Forum nicht nur von den offiziellen Programmpunkten, sondern auch vom informellen Austausch abseits der Bühnen – bei Wanderungen, Betriebsbesuchen und zahlreichen Networking-Formaten. Karas betonte zudem den Anspruch des Forums als Ort für unterschiedliche Meinungen: Er würde auch Vertreter der FPÖ, die das Forum in der Vergangenheit wiederholt als „Eliten-Auflauf“ kritisiert hatte, in Alpbach begrüßen. Gleichzeitig warf er Nationalisten vor, dem „europäischen Projekt“ und der europäischen „Zusammenarbeit“ grundsätzlich skeptisch gegenüberzustehen.
Budget unter Spardruck
Auch das Forum selbst steht finanziell unter Beobachtung: Laut Karas müsse man „jeden Euro umdrehen“, das Budget für 2026 sehe aber eine „schwarze Null“ vor – trotz angespannter wirtschaftlicher Rahmenbedingungen soll das Forum damit ohne Defizit auskommen.
Ein Klassentreffen mit langer Tradition
Wie sehr das Forum seit jeher auch persönliche politische Netzwerke prägt, zeigt ein historisches Beispiel: Der frühere Kanzler Sebastian Kurz lernte seinen langjährigen Kabinettschef Bernhard Bonelli einst auf der langen Autofahrt von Wien nach Alpbach kennen – der Beginn eines Bündnisses, das die österreichische Innenpolitik über Jahre prägen sollte. Auch heuer dürfte das Bergdorf in den kommenden Tagen wieder Schauplatz zahlreicher informeller Gespräche werden, die weit über das offizielle Konferenzprogramm hinausreichen.
Credits: Christopher Dunker, BKA
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