„Haft in der Heimat“: 208 ausländische Häftlinge überstellt — Rekordzahl, aber der Kontext fehlt oft

„Haft in der Heimat“: 208 ausländische Häftlinge überstellt — Rekordzahl, aber der Kontext fehlt oft

208 Strafgefangene wurden 2025 aus österreichischen Gefängnissen in ihre Herkunftsstaaten überstellt. Das ist ein Höchstwert seit Beginn der Aufzeichnungen 2013 — und gleichzeitig eine Zahl, die Einordnung braucht.

Rekordzahl — aber mit relativer Perspektive

Wie orf.at unter Berufung auf Zahlen des Justizministeriums berichtet, wurden im Jahr 2025 insgesamt 208 Personen zur Strafvollstreckung aus Österreich in ihren Herkunftsstaat gebracht. Das ist tatsächlich ein Höchstwert: 2024 waren es 167, zehn Jahre zuvor 144, und zu Beginn der Aufzeichnungen 2013 erst 83. Dazu kamen laut Tiroler Tageszeitung weitere 394 Personen mit Einreise- oder Aufenthaltsverboten, die vorzeitig aus dem Strafvollzug in ihre Heimatländer gebracht wurden — also ohne Überstellung im eigentlichen Sinne.

Was die Zahl in eine andere Perspektive rückt: In österreichischen Gefängnissen sitzen laut Justizministerium derzeit rund 9.000 Personen, davon deutlich mehr als die Hälfte mit ausländischer Staatsbürgerschaft. 208 Überstellungen im Jahr entsprechen also einem kleinen einstelligen Prozentsatz des ausländischen Häftlingsanteils.

Wie das Verfahren funktioniert — und warum es nicht für alle gilt

Die rechtliche Grundlage ist ein EU-Rahmenbeschluss aus dem Jahr 2008 sowie das Europarats-Übereinkommen über die Überstellung verurteilter Personen. Wie die Tiroler Tageszeitung erklärt, kommt eine Überstellung nur dann in Betracht, wenn noch ausreichend Strafzeit zu verbüßen ist und keine bedingte Entlassung unmittelbar bevorsteht. Die Person muss zudem bereit sein, ihrer Ausreisepflicht nachzukommen.

Das Justizministerium stellt klar, dass die Überstellung nicht mit dem Delikt zusammenhängt, sondern mit der Strafrestdauer. Ein großer Teil der Ersuchen und tatsächlichen Überstellungen betrifft laut orf.at EU- und europäische Nachbarstaaten — für viele Drittstaaten fehlen entsprechende Abkommen oder die praktische Umsetzung scheitert.

Justizministerium will Programm ausbauen — FPÖ sieht zu wenig

Das SPÖ-geführte Justizministerium bezeichnete das Programm laut orf.at als „wichtiges Anliegen, um die heimischen Gefängnisse zu entlasten und eine bessere Resozialisierung in der Heimat zu ermöglichen.“ Die Maßnahme sei auch im Regierungsprogramm verankert und solle weiter ausgebaut werden. Die Kosten für die Überstellungen überwiegen laut Ministerium die ersparten Haftkosten — genaue Zahlen werden nicht genannt.

Wie exxpress berichtet, sieht die FPÖ den Rekordwert als Bestätigung ihrer langjährigen Forderungen — gleichzeitig aber als Beleg dafür, dass das Tempo viel zu langsam sei. Bei über 5.000 ausländischen Häftlingen in österreichischen Gefängnissen seien 208 Überstellungen pro Jahr weit entfernt von einer systemischen Entlastung.

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