Güngör-Studie alarmiert Wien: 41 Prozent junger Muslime stellen Islam über österreichisches Recht

Güngör-Studie alarmiert Wien: 41 Prozent junger Muslime stellen Islam über österreichisches Recht

Eine neue Studie der Stadt Wien sorgt für hitzige Debatten in Politik und Gesellschaft. Der Integrations- und Sozialforscher Kenan Güngör hat im Auftrag des zuständigen Stadtratsbüros für Bildung und Integration mehr als 1.200 Jugendliche zwischen 14 und 21 Jahren aus zehn Herkunftsgruppen befragt – und die Ergebnisse, die er am Freitagabend auch in der ZIB 2 präsentierte, sind nach eigenem Bekunden „sehr bedenklich“.

Die Zahlen: Was die Studie zeigt

Die Kernergebnisse, die das Presseservice der Stadt Wien am 8. Mai veröffentlichte, sind eindeutig: Wie aus der Primärquelle hervorgeht, stimmen 41 Prozent der muslimischen Jugendlichen der Aussage zu, dass religiöse Vorschriften über den Gesetzen Österreichs stehen. Für fast zwei Drittel ist es wichtig, islamische Vorschriften in allen Lebensbereichen streng einzuhalten. Mehr als die Hälfte spricht sich dafür aus, dass jede Muslimin in der Öffentlichkeit ein Kopftuch tragen sollte. Und 43 Prozent vertreten ein Weltbild, in dem der Westen für die Probleme der islamischen Welt verantwortlich sei. Wie heute.at berichtet, gaben zudem 46 Prozent der muslimischen Befragten an, bereit zu sein, für ihren Glauben zu kämpfen und zu sterben – bei christlichen Jugendlichen waren es lediglich 16 Prozent.

Der Religionsvergleich fällt ebenfalls deutlich aus: Wie heute.at festhält, bezeichnen sich 73 Prozent der schiitischen und 68 Prozent der sunnitischen Muslime als sehr oder eher religiös. Bei katholischen Jugendlichen sind es 41 Prozent, bei orthodoxen Christen 38 Prozent.

Güngör warnt: Kein monokausales Problem

Studienleiter Güngör selbst mahnt zur differenzierten Einordnung. Wie aus der offiziellen Aussendung der Stadt Wien hervorgeht, erklärte er: „Herkunft oder Religion erklären problematische Einstellungen nicht monokausal. Entscheidend ist das Zusammenspiel von Sozialisation, Bildung, psychosozialer Stabilität, Anerkennung, Zugehörigkeit und Mediennutzung.“ In der ZIB 2 betonte Güngör laut ORF.at, dass weder Religion noch Herkunft allein die Entwicklungen erklären können – entscheidend sei vielmehr, welche Faktoren sie begünstigen und wo man wirksam ansetzen könne. Kritik, wonach Fragen zum Fundamentalismus ausschließlich muslimischen Jugendlichen gestellt worden seien, wies er dabei zurück.

Ein besonders brisanter Befund betrifft laut Presseservice der Stadt Wien die digitale Sozialisation: Jugendliche, die sich primär über soziale Medien religiös orientieren, zeigen signifikant häufiger autoritäre und antidemokratische Einstellungen. Algorithmisch verstärkte fundamentalistische Inhalte könnten Radikalisierungsdynamiken erheblich befeuern. Junge Männer seien dabei die zentrale Risikogruppe – über nahezu alle Herkunftsgruppen hinweg, wie der Falter in seiner Analyse der Studie hervorhebt.

Politische Reaktionen: Von Alarm bis Forderungskatalog

Die politischen Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Wie die Türkische Kulturgemeinde Österreich (TKG) in ihrer Stellungnahme festhält, zitierte ÖVP-Gemeinderätin Caroline Hungerländer: „Das sind keine Einzelfälle – das ist das Ergebnis einer Integrationspolitik, die die Augen vor dem radikalen Islam systematisch verschließt.“ Vizebürgermeisterin Bettina Emmerling (NEOS) betonte laut dem Presseservice der Stadt Wien: „Integration ist Arbeit, sie braucht Zeit, sie braucht Geduld und sie braucht auch Konsequenz.“ Ihr Fazit: Es brauche einen verpflichtenden Demokratie- und Ethikunterricht für alle Schüler.

Die TKG selbst meldete nach eigener Analyse des 127-seitigen Forschungsberichts Bedenken an: Für einige der zugespitzten öffentlichen Aussagen Güngörs – etwa jene über Konversionen in Schulklassen – finde man im veröffentlichten Datenmaterial keine unmittelbar ausgewiesene empirische Grundlage.

Credits: APA

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