Grüner Bundeskongress in Graz: Bürger auf die Bühne – Gewessler gegen alle

Grüner Bundeskongress in Graz: Bürger auf die Bühne – Gewessler gegen alle

Keine Personalwahl, kein interner Streit – dafür ein neues Format und klare Ansagen gegen FPÖ, ÖVP und SPÖ. Die Grünen treffen sich heute in Graz zu ihrem Bundeskongress unter dem Motto „Fairer statt schwerer.“

Graz kein Zufall – Wahlkampfunterstützung inklusive

Wie vol.at und meinbezirk.at berichteten, versammeln sich rund 260 Delegierte beim Bundeskongress der Grünen in der Grazer Messe. Den Veranstaltungsort hat Parteichefin Leonore Gewessler bewusst gewählt: In Graz wird in knapp einem Monat gewählt – und die grüne Vizebürgermeisterin Judith Schwentner eröffnet den Kongress. Ein klares Signal der Bundespartei in Richtung Steiermark.

„Deine Rede“: Bürger auf der Bühne

Das inhaltliche Herzstück des Kongresses ist ein Novum. Wie die Grünen auf ihrer Website gruene.at ankündigten, können drei Bürger unter dem Titel „Deine Rede“ jeweils fünf Minuten lang vor den Delegierten sprechen – ohne politische Vorkenntnisse, ohne Parteibuch. Wer mitmachen wollte, musste sich im Vorfeld bewerben. Wie Gewessler laut meinbezirk.at erklärte: „Wir waren in den letzten Monaten viel im Land unterwegs und haben zugehört – bei Gesprächen auf der Straße, bei Veranstaltungen und im direkten Austausch. Jetzt wollen wir einen Schritt weitergehen und Menschen auf die Bühne unseres Bundeskongresses holen.“

Gerechtigkeit als Waffe gegen SPÖ

Das inhaltliche Motto „Fairer statt schwerer“ ist politisch gezielt. Wie nachrichten.at unter Berufung auf ein APA-Interview mit Gewessler berichtete, begründete sie es damit, dass viele Menschen das Gefühl hätten, es werde „nur noch Politik für Superreiche gemacht.“ Als konkrete Gegenmaßnahmen nannte sie laut meinbezirk.at eine Reichensteuer, Teuerungsbekämpfung, eine Öffi-Preisbremse und das Aus für das Dienstwagenprivileg. Dass ausgerechnet die Grünen das Thema Gerechtigkeit bespielen, erklärt Gewessler mit einem Seitenhieb auf den Koalitionspartner: SPÖ-Chef und Vizekanzler Andreas Babler habe sich mit dem Regierungseintritt von diesem Thema verabschiedet.

SPÖ-Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim konterte laut meinbezirk.at sofort: Das Motto solle nicht „Fairer statt schwerer“ lauten, sondern „Teurer statt fairer.“ Die „grüne Realitätsverweigerung sei so grenzenlos wie das von ihnen hinterlassene Budgetdesaster.“

Gegen FPÖ, gegen Regierung – und für sich selbst

Wie nachrichten.at berichtete, positionierte sich Gewessler im Vorfeld des Kongresses klar: „Ich bin angetreten, weil ich das Land nicht kampflos Herbert Kickl überlassen will.“ Die Grünen sieht sie als Gegenpart zur von ihr attestierten Resignation der Regierungsparteien – die sie als „Verwalter des Niedergangs“ bezeichnet. Die FPÖ reagierte laut nachrichten.at durch Generalsekretär Michael Schnedlitz: Gewesslers Auftreten als Retterin sei „an Dreistigkeit nicht zu überbieten“ – sie selbst trage als frühere Ministerin Mitverantwortung für „Verbote, Umerziehung und die Vernichtung unseres Wohlstands.“

Credits: APA

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