Größte Glücksspielreform seit 26 Jahren: Österreich öffnet Online-Markt – mit Bedingungen

Größte Glücksspielreform seit 26 Jahren: Österreich öffnet Online-Markt – mit Bedingungen

Jahrelang wurde diskutiert, jetzt kommt der Entwurf: Die Regierung hat sich auf eine umfassende Neuregulierung des Glücksspielgesetzes geeinigt. Das Online-Monopol fällt – aber nur für jene, die klare Regeln akzeptieren.

Vom Monopol zum offenen Markt

Bisher hat in Österreich ausschließlich win2day, die Plattform der Österreichischen Lotterien, eine Konzession für Online-Glücksspiel. Das soll sich ändern: Wie ORF, heute.at und VOL.AT unter Berufung auf eine gemeinsame Aussendung der Parlamentsklubs berichten, wird ein offenes Konzessionssystem eingeführt. Grundsätzlich kann künftig jeder Anbieter eine Online-Konzession erhalten, der die strengen Anforderungen erfüllt – darunter eine Kapitalgesellschaft mit Aufsichtsrat und mindestens zehn Millionen Euro Stammkapital sowie funktionierende Compliance-Systeme für Geldwäsche und Spielerschutz. Die Regierung bezeichnet das laut heute.at als „die größte Reform des Glücksspielgesetzes seit 26 Jahren“.

Cooling-Off-Phase für bisherige Graumarkt-Anbieter

Besonders heikel ist die Frage, wie mit jenen Anbietern umgegangen wird, die bisher ohne österreichische Lizenz in Österreich aktiv waren – de facto illegal. Laut OTS-Originalaussendung der Parlamentsklubs müssen diese Anbieter ab 1. Jänner 2027 bis zur Konzessionsvergabe ihr bisheriges Online-Angebot einstellen – eine sogenannte Cooling-Off-Phase. Wer sich nicht daran hält und nach dem 1. Jänner 2027 weiter illegales Online-Glücksspiel betreibt, erhält eine 18-monatige Sperrfrist für die Konzessionserteilung, die ab 2030 auf 24 Monate verlängert wird, wie heute.at berichtet.

Malta-Klausel und 20.000 geschädigte Spieler

Ein besonderes Augenmerk gilt Malta: Wer eine Online-Konzession beantragt, muss laut VOL.AT und OTS sicherstellen, dass österreichische Gerichtsentscheidungen im Sitzstaat vollstreckbar sind. Das zielt direkt auf Anbieter aus Malta, das bisher keine Gerichtsurteile anderer EU-Länder zu Online-Glücksspielfragen mit maltesischer Lizenz anerkannte. Darüber hinaus müssen Konzessionswerber alle offenen Abgabenschulden und nicht bezahlten Spielerschutzklagen im gesamten Konzern begleichen – nicht nur der antragstellenden Gesellschaft selbst. Laut OTS sollen damit über 20.000 geschädigte Spieler profitieren.

Sperrregister und Blacklist für illegale Anbieter

Als weiteres Kernstück sieht der Entwurf laut oe24 und OTS ein zentrales Sperrregister vor – betreiber- und spielartenübergreifend, technologieoffen und manipulationssicher. Erfasst werden sowohl betreiberseitige Sperren als auch Selbstsperren, unabhängig davon, ob jemand Casino, Spielautomat oder Online-Glücksspiel nutzen möchte. Lotto ist ausgenommen. Alle österreichischen Banken und Zahlungsdienstleister werden laut heute.at verpflichtet, die von der Finanz veröffentlichten IBANs illegaler Anbieter zu blockieren. Internationale Dienstleister wie Visa oder PayPal müssen ihre Zusammenarbeit mit Unternehmen auf der Blacklist beenden.

13 Casino-Konzessionen statt 15

Beim stationären Casinobereich gibt es ebenfalls Änderungen: Die Anzahl der Standorte wird laut oe24 und VOL.AT auf 13 festgesetzt – aktuell gibt es 12 Standorte, ursprünglich waren 15 ausgeschrieben. Für Lotterien soll es weiterhin nur eine Konzession geben.

Was noch fehlt – und was Experten kritisieren

Nicht alles wurde in diesem Entwurf gelöst. Laut VOL.AT wurden die Schaffung einer eigenen Glücksspielbehörde sowie eine Neuregelung der Wetten auf spätere Zeitpunkte verschoben. Den Beschluss des Gesetzes im Parlament plant die Regierung für Herbst. Ewald Lochner, Wiener Suchtkoordinator, äußerte sich laut ORF grundsätzlich positiv zur Stärkung des Spielerschutzes – übte aber Kritik: Sportwetten seien dem Glücksspielgesetz nicht unterstellt, was die Gefahr berge, dass Menschen in diesen Bereich ausweichen.

EINORDNUNG DER REDAKTION
Die Reform ist überfällig – das sagen sogar die Regierungsparteien selbst. Dass der Online-Markt jahrelang im Graubereich operierte, weil das Monopol faktisch nicht durchsetzbar war, hat sowohl Konsumenten als auch den Rechtsstaat geschwächt. Der neue Entwurf versucht einen pragmatischen Mittelweg: Marktöffnung ja, aber mit strengen Eintrittsvoraussetzungen, Schuldentilgungspflicht und Cooling-Off-Phase. Ob das funktioniert, hängt davon ab, ob die Vollziehung tatsächlich greift – und ob maltesische Anbieter die neue Rechtssicherheits-Bedingung akzeptieren oder weiter umgehen. Dass Sportwetten außen vor bleiben, ist der schwächste Punkt des Entwurfs: Wer aus dem regulierten Bereich verdrängt wird, wechselt möglicherweise zu einem Markt, der noch weniger Spielerschutz bietet.

Credits: BKA, Christopher Dunker

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