Brot, Joghurt, Reis – identische Markenprodukte aus derselben Fabrik, aber in Österreich teils fast doppelt so teuer wie in Deutschland. Eine neue Analyse von Foodwatch zeigt das ganze Ausmaß des sogenannten „Österreich-Aufschlags“.
Die nackten Zahlen
Wie MeinBezirk unter Berufung auf die Analyse von Foodwatch Österreich berichtet, kostet ein Warenkorb mit 30 identischen Grundnahrungsmitteln in Deutschland 75,39 Euro — in Österreich sind es 93,81 Euro, also rund 24 Prozent mehr.
Bei einzelnen Produkten sind die Unterschiede noch drastischer. Wie Foodwatch in seiner im März 2026 gestarteten Kampagne auf seiner Website festhält, zahlen österreichische Konsumenten für Brot knapp 80 Prozent mehr, für Naturjoghurt rund 80 Prozent mehr und für Reis über 35 Prozent mehr als in Deutschland — obwohl die Produkte oft aus denselben Fabriken stammen. Auch Haferflocken, Tee und Nüsse sind betroffen.
Die Ursache: Künstliche Marktabschottung
Der Grund dahinter ist kein Zufall und keine bloße Inflation. Wie heute.at unter Berufung auf Foodwatch berichtet, verhindern Hersteller mit sogenannten territorialen Lieferbeschränkungen, dass Händler Produkte aus anderen EU-Ländern günstiger einkaufen und in Österreich billiger anbieten können. Der Wettbewerb wird dadurch massiv eingeschränkt — und die höheren Preise landen direkt auf dem Kassazettel.
Dieses System ist nicht neu: Auch die Arbeiterkammer hat das Phänomen in mehreren Preismonitorings dokumentiert. Wie die AK Vorarlberg auf Basis ihrer Erhebungen festhält, kostet ein und dasselbe Lebensmittel in Österreich durchschnittlich um 27 Prozent mehr als in Deutschland.
Soziale Folgen für einkommensschwache Haushalte
Besonders hart trifft das Menschen mit geringem Einkommen. Foodwatch-Vertreterin Miriam Maurer erklärte gegenüber MeinBezirk: „Wenn Konsumenten für idente Produkte deutlich mehr zahlen müssen als im Nachbarland, läuft im europäischen Binnenmarkt etwas grundlegend falsch.“
Der Hintergrund macht die Dringlichkeit deutlich: Wie Foodwatch Österreich auf seiner Website unter Berufung auf Eurostat-Daten festhält, sind die Lebensmittelpreise in Österreich zwischen 2021 und 2025 um 30,4 Prozent gestiegen. Rund 1,1 Millionen Menschen in Österreich sind von mittlerer oder schwerer Ernährungsarmut betroffen.
Was Foodwatch jetzt fordert
Foodwatch hat eine Petition gestartet und fordert auf EU-Ebene ein klares gesetzliches Verbot territorialer Lieferbeschränkungen. Wie heute.at berichtet, wird auf EU-Ebene derzeit zwar über mögliche Maßnahmen diskutiert — von einem gesetzlichen Verbot bis zu freiwilligen Lösungen — für Foodwatch ist jedoch klar: Nur ein ausdrückliches gesetzliches Verbot kann das Problem nachhaltig lösen.
Quellen:
- Foodwatch Österreich (Primärquelle, Kampagne & Petition, März 2026): foodwatch.org/at
- MeinBezirk.at
- heute.at
- Arbeiterkammer Vorarlberg / AK Tirol: arbeiterkammer.at
- exxpress.at
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