Gesundheitsreform vergisst das Rettungswesen: Samariterbund schlägt Alarm

Gesundheitsreform vergisst das Rettungswesen: Samariterbund schlägt Alarm

Der gestrige Reformgipfel hat viel versprochen – aber eine Berufsgruppe, die täglich das Gesundheitssystem am Laufen hält, blieb weitgehend unerwähnt: die Sanitäter. Der Samariterbund fordert, das Rettungswesen endlich in die Reform einzubeziehen.

Das Problem: Ein Gesetz aus einer anderen Zeit

Das österreichische Sanitätergesetz (SanG) stammt aus dem Jahr 2002 und wurde seither kaum grundlegend modernisiert. Mehr als zwei Jahrzehnte später hat sich die Realität im Rettungsdienst fundamental verändert: Die Einsatzzahlen steigen seit Jahren, die Bevölkerung wird älter, die medizinischen Anforderungen werden komplexer – und die Ambulanzen der Spitäler stehen kurz vor dem Kollaps. „Ein veraltetes SanG und fehlende nachhaltige Finanzierung erschweren dringend notwendige Weiterentwicklungen“, hält Samariterbund-Geschäftsführer Gerald Fitz in der aktuellen OTS-Aussendung fest. Gleichzeitig machen laut Fitz „medizinischer Fortschritt, steigende Einsatzzahlen und die zunehmende Belastung der Spitäler rasches politisches Handeln notwendig.“

800 Millionen Euro Einsparungspotenzial – ungenutzt

Was besonders schwer wiegt: Die Reform wäre nicht nur notwendig, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll. Laut einer Studie, die bei einer Pressekonferenz der Plattform Notfallmedizin am 11. Juni 2026 vorgestellt wurde und über die samariterbund.net berichtet, beziffert sich das jährliche Einsparungspotenzial einer SanG-Reform auf bis zu 800 Millionen Euro – durch entlastete Ambulanzen, gezieltere Ressourcennutzung und Behandlungen direkt vor Ort, die keinen Krankenhausaufenthalt erfordern. „Speziell ausgebildete Sanitäter können medizinische Maßnahmen direkt vor Ort übernehmen und viele Patienten bereits behandeln, ohne dass zwingend ein Transport ins Krankenhaus notwendig ist“, erklärt Fitz. Modelle aus Bayern, den Niederlanden und der Schweiz zeigen laut Samariterbund, wie das in der Praxis funktioniert.

Was konkret gefordert wird

Der Samariterbund hat in einem eigenen Positionspapier ein dreistufiges Ausbildungsmodell entwickelt, das sich an europäischen Standards orientiert und in einer dreijährigen Qualifizierung auf höchstem Niveau mündet. Kernforderungen sind dabei österreichweit einheitliche Ausbildungsstandards, erweiterte Kompetenzen für qualifizierte Sanitäter sowie eine Neuaufstellung der Finanzierung. Letztere ist laut stellvertretendem Bundesgeschäftsführer Wolfgang Dihanits besonders dringend: „Wir fordern seit Langem eine Befreiung der Rettungsorganisationen von der Mineralölsteuer. Gleichzeitig müssen die Tarife – allen voran jene der ÖGK – endlich die Kostensteigerung abdecken“, wie samariterbund.net festhält.

Der Reformgipfel: Rettungswesen blieb unerwähnt

Beim gestrigen Reformgipfel im Bundeskanzleramt – nach 13 Stunden Verhandlung endete er mit einem „Durchbruch“ zu Gesundheit, Bildung und Energie – blieb das Rettungswesen und das Sanitätergesetz laut öffentlicher Kommunikation unerwähnt. Für den Samariterbund ist das ein Problem: „Ob Finanzierung, Sanitätergesetz oder Zivildienstreform – bei den zentralen Zukunftsfragen des Rettungswesens bleibt die Politik säumig. Die Herausforderungen sind bekannt, viele Lösungen liegen längst auf dem Tisch“, sagte Dihanits bereits anlässlich des Doppelbudgets laut OTS-Aussendung vom Juni 2026.

Credits: Samariterbund Wien

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