Gesundheitsministerin Schumann will Preisdeckel für Wahlärzte – Ärztekammer tobt!

Gesundheitsministerin Schumann will Preisdeckel für Wahlärzte – Ärztekammer tobt!

Die Diskussion um die Honorare von Wahlärzten in Österreich nimmt Fahrt auf. Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) hat einen Vorschlag auf den Tisch gelegt, der für hitzige Debatten sorgt: Eine Obergrenze für Wahlarzthonorare. Doch was steckt dahinter, und warum sind die Reaktionen so heftig?

„Patienten sind kein Markt“

Schumann will mit ihrem Vorstoß die Kosten für Patienten transparenter und fairer gestalten. „Die Privatmedizin soll weiterhin bestehen, aber innerhalb klarer, fairer Regeln, die Solidarität und Zugangsgerechtigkeit wahren“, erklärte sie gegenüber oe24. Als Vorbild nennt sie Deutschland, wo privatärztliche Leistungen an einen detaillierten Honorarkatalog gebunden sind. Dort dürfen Ärzte maximal das 3,5-Fache des Kassentarifs verlangen.

Auch in Österreich könnte ein ähnliches Modell eingeführt werden. Schumann schlägt einen bundeseinheitlichen Honorarkatalog vor, der sich an den Kassentarifen orientiert. „Patienten sind kein Markt“, betonte sie im Gespräch mit der Kronen Zeitung.

Ärztekammer: „Populistische Symbolpolitik“

Die Ärztekammer reagierte prompt – und wenig begeistert. Präsident Johannes Steinhart bezeichnete den Vorschlag als „populistische Symbolpolitik“. Wahlärzte würden einen unverzichtbaren Beitrag leisten, vor allem in Zeiten von Versorgungslücken und begrenzten Ressourcen. „Das Beispiel Deutschland ist keine Lösung“, so Steinhart weiter. Er kritisierte, dass die strukturellen Probleme des österreichischen Gesundheitssystems – wie der Mangel an Kassenstellen und die chronische Unterfinanzierung – ignoriert würden.

Opposition und Experten skeptisch

Auch die politische Opposition meldete sich zu Wort. Die FPÖ sprach von einem „planwirtschaftlichen Frontalangriff auf den freien Arztberuf“. Die Neos warnten vor einer „unverhältnismäßigen Bürokratie“. Gesundheitsökonom Ernest Pichlbauer erklärte im Gespräch mit der Krone, dass der Vorschlag „reine Symbolpolitik“ sei. Er warnte, dass ein Preisdeckel dazu führen könnte, dass viele Wahlärzte zu reinen Privatärzten werden – ohne jegliche Rückerstattung durch die Krankenkassen.

Was bedeutet das für die Patienten?

Derzeit müssen Patienten bei Wahlärzten die Honorarsumme vorstrecken und bekommen nur 80 Prozent des Kassentarifs zurück. Schumann will hier mehr Transparenz schaffen, damit Patienten im Voraus wissen, welche Kosten auf sie zukommen. Doch ob der Preisdeckel tatsächlich umgesetzt wird, bleibt fraglich. Innerhalb der Koalition gibt es noch keine Einigung, und die Ärztekammer zeigt sich weiterhin unnachgiebig.

Quellen: oe24, Der Standard, Kleine Zeitung, Krone, Kurier
Credits: APA

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