Während die SPÖ in Umfragen auf historische Tiefstwerte fällt, kursieren in Wien Gerüchte über einen möglichen Austausch von Parteichef Andreas Babler. Ein Name fällt dabei besonders häufig: Medienmanager Gerhard Zeiler. Belastbare Bestätigungen dafür gibt es bislang allerdings keine.
Der Ausgangspunkt: Schwache Umfragewerte
Anlass der Spekulationen sind die zuletzt katastrophalen Umfragewerte der SPÖ, die je nach Institut zwischen 15 und 17 Prozent liegen – mit Tendenz zur Einstelligkeit, wie eine Politik-Insider-Kolumne von oe24 behauptet. Bereits zuvor hatte mit dem burgenländischen SPÖ-Präsidiumsmitglied Roland Fürst erstmals ein ranghoher Parteifunktionär öffentlich Neuwahlen im Herbst für möglich erklärt.
Wer Gerhard Zeiler ist
Unabhängig überprüfbar ist die biografische Vergangenheit des möglichen Kandidaten: Der 1955 in Wien-Ottakring geborene Zeiler war laut Wikipedia von 1979 bis 1986 Pressesprecher der SPÖ-Bildungsminister Fred Sinowatz und später Kanzler Franz Vranitzky, bevor er in die Medienbranche wechselte. Von 1994 bis 1998 leitete er als Generalintendant den ORF, anschließend 14 Jahre lang den deutschen Privatsender RTL. Seit 2012 ist er in verschiedenen Spitzenfunktionen für den US-Medienkonzern Warner Bros. Discovery tätig, zuletzt als President International. Bereits 2016 galt Zeiler laut Wikipedia neben dem damaligen ÖBB-Chef Christian Kern als möglicher SPÖ-Parteichef, überließ Kern aber ohne Kampfabstimmung den Vortritt.
Ein finanziell potenter möglicher Rückkehrer
Tatsächlich verifizierbar ist auch der geschäftliche Hintergrund, der Zeiler laut der oe24-Kolumne für eine politische Rückkehr freispielen könnte: Im Zuge der Übernahme von Warner Bros. Discovery durch Paramount hatte bereits im März dasselbe Medium über einen möglichen „goldenen Fallschirm“ für Zeiler in zwei- bis dreistelliger Millionenhöhe spekuliert, sollte der neue Eigentümer den bisherigen Vorstand austauschen. Damals wurde bereits über eine mögliche Rückkehr Zeilers nach Österreich gemunkelt – allerdings vorrangig im Zusammenhang mit dem ORF-Generaldirektorsposten, nicht mit einer SPÖ-Parteiführung.
Die eigentliche Spekulation: Unbelegt
Die konkrete Behauptung, wonach die SPÖ Babler im Herbst tatsächlich gegen Zeiler, den niederösterreichischen SPÖ-Chef Sven Hergovich oder Verkehrsminister Peter Hanke austauschen wolle, stammt ausschließlich aus der als Meinungsformat gekennzeichneten oe24-Kolumne und wird dort ohne namentlich genannte Quellen präsentiert. Auch die Behauptung, Wiens Bürgermeister Michael Ludwig favorisiere Zeiler als „Geheimtipp“, bleibt unbelegte Einzelbehauptung. Zeiler selbst hat sich in der Vergangenheit zwar wiederholt öffentlich zur SPÖ geäußert – etwa 2019 mit dem Buch „Leidenschaftlich rot“ – zuletzt aber vor allem mit kritischen Anmerkungen an die Partei, nicht mit erkennbaren eigenen Ambitionen auf die Parteiführung.
Einordnung
Bei aller Plausibilität von Zeilers biografischem Profil als möglicher SPÖ-Kandidat handelt es sich bei der konkreten Personalspekulation um unbestätigte politische Gerüchte, wie sie im Umfeld schwacher Umfragewerte für Regierungsparteien erfahrungsgemäß regelmäßig aufkommen. Eine offizielle Stellungnahme von SPÖ, Babler, Ludwig oder Zeiler selbst zu den aktuellen Spekulationen liegt bislang nicht vor.
Credits: BKA, Andy Wenzel
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