Heimlich, still und leise: Die EU-Bosse haben entschieden. Künftig soll genmanipuliertes Essen auf unseren Tellern landen – und wir merken es vielleicht nicht einmal! Die strengen Regeln fallen, die Kritiker schäumen vor Wut.
In einer Nacht-und-Nebel-Aktion haben sich die Unterhändler der 27 EU-Staaten und das Europaparlament auf einen Deal geeinigt, der es in sich hat. Wie oe24 berichtet, sollen Lebensmittel, die mit modernen Gentechnikverfahren verändert wurden, künftig ohne spezielle Warnhinweise in den Regalen liegen dürfen. Das Schnitzel mit Gen-Beilage könnte also bald Realität sein, ohne dass ein rotes Warnschild darauf klebt.
Gen-Schere macht’s möglich
Im Zentrum des Brüsseler Deals stehen die sogenannten „Neuen Genomischen Techniken“ (NGT). Klingt kompliziert, bedeutet aber im Klartext: Wissenschaftler greifen mit der „Gen-Schere“ Crispr-Cas in das Erbgut von Pflanzen ein. Die EU-Kommission argumentiert, das sei eigentlich nur eine beschleunigte Form der normalen Züchtung. Deshalb sollen für diese Turbopflanzen die bisherigen, knallharten Gentechnik-Regeln nicht mehr gelten.
Wie aus der Mitteilung der EU-Institutionen hervorgeht, müssen diese neuen Sorten nur noch auf dem Saatgut selbst als „gentechnisch verändert“ markiert werden. Der Endkunde im Supermarkt? Der tappt im Dunkeln. Auch die aufwendigen Umweltprüfungen vor der Zulassung sollen gestrichen werden. Das spart den Konzernen Zeit und vor allem viel Geld.
Super-Obst oder Mogelpackung?
Die Befürworter jubeln. Sie versprechen uns das Blaue vom Himmel: Obst und Gemüse, das dem Klimawandel trotzt, weniger Dünger braucht und voller Vitamine steckt. Agrar-Lobbyisten reiben sich die Hände, denn in anderen Teilen der Welt sind die Regeln längst lockerer. Europas Bauern sollen so wettbewerbsfähig bleiben.
Doch es gibt auch massive Kritik. Wer entscheidet am Ende, was wir essen? „Wahlfreiheit“ ist das Schlagwort, das viele vermissen. Kritiker fordern lautstark, dass Konsumenten selbst entscheiden können müssen, ob sie Gen-Food wollen oder nicht.
Österreich leistet Widerstand
Besonders in Österreich läuten die Alarmglocken. Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) kämpfte bei seinen EU-Kollegen wie ein Löwe für die Kennzeichnungspflicht. Seine Sorge: Die großen Agro-Multis könnten durch die Hintertür unsere kleinstrukturierte Landwirtschaft überrollen. Wie berichtet wird, haben die österreichischen EU-Parlamentarier – mit Ausnahme der NEOS – bereits vor über einem Jahr gegen diese Pläne gestimmt.
Immerhin ein kleiner Trost für Bio-Fans: Die Biolandwirtschaft soll weiterhin gentechnikfrei bleiben. Wobei auch hier eine Hintertür offensteht: Ein „technisch unvermeidbares Vorhandensein“ von Gentechnik soll laut Parlament kein Verstoß sein.
Was passiert jetzt?
Der Deal muss noch formal vom EU-Parlament und den Mitgliedsstaaten abgesegnet werden. Meistens ist das nur noch Formsache. Wenn es soweit ist, könnte sich unser Einkauf im Supermarkt für immer verändern.
Quellen: oe24, Rat der Europäischen Union, Europäisches Parlament
Credits: APA
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