Gentechnik: EU lockert Regeln – Heinz Faßmann jubelt, Kritiker warnen

Gentechnik: EU lockert Regeln – Heinz Faßmann jubelt, Kritiker warnen

Die EU hat sich auf eine Lockerung der Gentechnik-Regeln geeinigt und die Reaktionen könnten unterschiedlicher nicht sein. Während Wissenschaftler wie Heinz Faßmann, Präsident der Akademie der Wissenschaften, die Entscheidung als „wichtigen Schritt nach vorn“ feiern, schlagen Kritiker Alarm.

Was wurde beschlossen?

Künftig sollen gentechnisch veränderte Lebensmittel, die mit modernen Verfahren wie der „Gen-Schere“ CRISPR-Cas hergestellt werden, ohne spezielle Kennzeichnung in den Supermärkten landen. Nur das Saatgut wird weiterhin gekennzeichnet. Diese Entscheidung, die noch vom EU-Parlament und den Mitgliedsstaaten bestätigt werden muss, gilt als Formsache. Ziel ist es, die Entwicklung neuer Pflanzensorten zu fördern, die resistenter gegen Klimawandel und Krankheiten sind.

Wissenschaftler begeistert

Heinz Faßmann zeigt sich euphorisch: „Die großen Chancen der neuen gentechnischen Methoden werden endlich erkannt.“ Laut ihm könnten diese Technologien helfen, die Folgen des Klimawandels wie Trockenheit und Ernteausfälle besser zu bewältigen. Auch die Österreichische Akademie der Wissenschaften betont in einem offenen Brief, dass die Gen-Editierung ein „Meilenstein der Wissenschaftsgeschichte“ sei und dringend vorurteilsfrei bewertet werden müsse.

Kritiker schlagen Alarm

Ganz anders sieht das die „ARGE Gentechnik-frei“. Sie kritisiert die Verhandlungen als „überhastet, intransparent und unter massiver politischer Drohkulisse“ geführt. Auch Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) warnt vor den Folgen: „Die Lockerung könnte große Konzerne begünstigen und die kleinstrukturierte Landwirtschaft gefährden.“ Zudem fordern Kritiker weiterhin eine klare Kennzeichnung, um den Konsumenten Wahlfreiheit zu garantieren.

Chancen und Risiken

Befürworter argumentieren, dass die Lockerung die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Landwirte stärkt und die Forschung erleichtert. In anderen Weltregionen wie den USA oder Brasilien sind solche Regeln längst Standard. Kritiker hingegen befürchten, dass die Macht großer Saatgutkonzerne weiter zementiert wird und die biologische Landwirtschaft unter Druck gerät.

Quellen: oe24.at, tagesschau.de, krone.at, diepresse.com, oeaw.ac.at, ots.at
Credits: APA

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