Generalstabschef fordert längeren Wehrdienst: „Acht plus zwei“ als Mindeststandard

Generalstabschef fordert längeren Wehrdienst: „Acht plus zwei“ als Mindeststandard

Generalstabschef Rudolf Striedinger hat sich klar für eine Verlängerung des Grundwehrdienstes ausgesprochen. In einem Interview mit der „Presse“ plädierte er für ein Modell von acht Monaten Grundwehrdienst plus zwei verpflichtenden Monaten Milizübungen – und warnte vor kürzeren Varianten.

Moderne Kriegsführung erfordert hochmobile Kräfte

„In der modernen Kriegsführung müssen alle unsere Kräfte hochmobil sein“, begründete Striedinger seine Position im Interview mit der „Presse“, wie oe24 berichtet. Darauf müssten die Rekruten vorbereitet werden und in der Truppe üben. Die entscheidende Ausbildung für diese Fähigkeiten finde im siebten und achten Monat des Wehrdienstes statt.

Ein „sechs plus zwei“-Modell sei hingegen unzureichend, stellte der Generalstabschef klar. Diese Fähigkeiten müssten dann in regelmäßigen Übungen auf einsatzbereitem Stand gehalten werden – daher die zusätzlichen zwei Monate verpflichtende Milizübungen.

Wehrdienstkommission empfahl bereits „acht plus zwei“

Mit seiner Forderung steht Striedinger nicht allein. Auch die Wehrdienstkommission hatte bereits das „acht plus zwei“-Modell empfohlen. Striedinger verweist damit auf eine Expertenmeinung, die vom ranghöchsten Offizier des Bundesheeres nun zusätzliches Gewicht erhält.

Der Generalstabschef geht davon aus, dass bei Einführung eines „acht plus zwei“-Modells der Zivildienst entsprechend auf zwölf Monate verlängert werden müsste. Derzeit dauert sowohl der Grundwehrdienst als auch der Zivildienst sechs Monate.

Zeitdruck: Entscheidung noch im ersten Quartal nötig

Damit die Wehrdienstreform wie geplant mit Anfang 2027 umgesetzt werden kann, brauche es noch im ersten Quartal 2026 zumindest eine Grundsatzentscheidung der Politik, wie der ORF berichtet. „Unsere Pläne haben ergeben, dass wir nämlich eine neunmonatige Vorlaufzeit brauchen, um das System entsprechend umzustellen“, erklärte Striedinger.

Das bedeutet: Die Politik hat nur noch wenige Wochen Zeit für eine Weichenstellung. Andernfalls droht sich der Start der Reform zu verzögern.

Volksbefragung? Keine militärische Frage

Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) hatte zuletzt eine Volksbefragung zur Wehrdienstreform in den Raum gestellt. Zu dieser Frage wollte sich Striedinger im Interview nicht äußern – das sei eine politische, keine militärische Frage.

Der Generalstabschef zog damit eine klare Trennlinie zwischen seiner Rolle als oberster militärischer Berater der Bundesregierung und politischen Entscheidungen. Während er aus militärfachlicher Sicht klar Position für das „acht plus zwei“-Modell bezieht, überlässt er die demokratiepolitische Frage nach einer Volksbefragung der Politik.

Striedinger geht im September 2026 in Pension

Rudolf Striedinger ist seit Oktober 2022 Generalstabschef des Österreichischen Bundesheeres. Der 1961 in Wiener Neustadt geborene General wird im September 2026 in den Ruhestand treten. Die Ausschreibung für seine Nachfolge soll bereits zu Jahresbeginn oder im Frühjahr 2026 starten, wie der ORF berichtete.

Der Generalstabschef begann seine militärische Laufbahn 1979 beim Präsenzdienst und absolvierte von 1980 bis 1983 die Theresianische Militärakademie. Er war unter anderem Militärkommandant von Niederösterreich, Leiter des Abwehramtes und stellvertretender Generalstabschef, bevor ihn Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) 2022 zum Generalstabschef ernannte.

Credits: Karl Gruber, CC BY-SA 3.0 AT https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/at/deed.en, via Wikimedia Commons

Teilen:
0 0 Abgegebene Stimmen
Artikel Bewertung
Abonnieren
Benachrichtigung von
guest

1 Kommentar
Älteste
Neuestes Meistgewählt
1
0
Ich würde mich über Ihre Meinung freuen, bitte kommentieren Sie.x