Geheimakte Weißmann: Warum der brisante ORF-Bericht wirklich unter Verschluss bleibt

Geheimakte Weißmann: Warum der brisante ORF-Bericht wirklich unter Verschluss bleibt

Der Abgang von Roland Weißmann als ORF-Generaldirektor sorgt weiter für hitzige Diskussionen. Obwohl der heiß ersehnte Compliance-Bericht endlich vorliegt, darf ihn fast niemand lesen. Nicht einmal die mächtigen ORF-Stiftungsräte bekommen die Akte zu Gesicht. Nun bringt ein geheimer Brief von Interims-ORF-Chefin Ingrid Thurnher Licht ins Dunkel.

Strenge Geheimhaltung am Küniglberg

In dem Schreiben, das den Stiftungsräten übermittelt wurde, erklärt Thurnher ausführlich, warum die Akte zu bleibt. Thurnher betonte in dem Brief, dass ihr Transparenz zwar ein echtes Anliegen sei. Doch man müsse den Datenschutz und die Persönlichkeitsrechte aller Beteiligten sehr ernst nehmen. Deshalb wandert der Bericht nicht einfach so über die Schreibtische. Als Trostpflaster bekamen die Stiftungsräte ein Anwaltsschreiben, das die Ergebnisse zumindest schemenhaft zusammenfasst.

Was wirklich im Anwalts-Schreiben steht

Die Details aus diesem Dokument haben es in sich. Wie oe24.at berichtet, gab es zwischen Weißmann und der betroffenen Mitarbeiterin bereits vor seinem Start als Generaldirektor eine über Jahre geführte freundschaftliche Beziehung. Diese hatte laut dem Bericht „stellenweise eine beidseitig romantische Komponente“. Mitte 2023 sei der Kontakt dann abgebrochen.

Pikant ist auch das Verhalten während der Untersuchung. Weißmann und die Frau wirkten weitgehend mit. Allerdings legte die Mitarbeiterin laut Untersuchung nur Auszüge ihrer Chatverläufe vor. Selbst nach einer weiteren Aufforderung blieb die Dokumentation unvollständig. Ein Machtmissbrauch durch Weißmann konnte jedenfalls nicht festgestellt werden. Auch eine sexuelle Belästigung im rechtlichen Sinn liege nicht vor, wie ORF.at unter Berufung auf die Experten bestätigt.

Weißmanns Rauswurf und die Folgen

Obwohl der Ex-General juristisch quasi freigesprochen wurde, feuerte ihn der ORF. Wie ORF.at berichtet, begründet das Unternehmen diesen Schritt mit der Verletzung von Compliance- und ethischen Standards. Man müsse jeden Anschein eines unangemessenen Verhaltens durch eine Führungskraft vermeiden.

Weißmanns Anwalt läuft dagegen Sturm. Er weist alle Vorwürfe vehement zurück und sieht in dem Vorgehen des ORF einen durchschaubaren Versuch, trotz klarer Entlastung ein Fehlverhalten zu konstruieren. Er kündigte an, konsequent rechtliche Schritte einzuleiten. Die Anwälte der betroffenen Mitarbeiterin erklärten hingegen, dass ihre Mandantin die Kündigung mit Erleichterung zur Kenntnis nehme.

Wut im Stiftungsrat

Dass der vollständige Bericht geheim bleibt, sorgt bei den ORF-Aufsehern für rote Köpfe. Wie Der Standard schreibt, übt besonders Gregor Schütze, der Sprecher der ÖVP-nahen Stiftungsräte, scharfe Kritik. Er spricht von einer völligen Unterdrückung des Dokuments und verlangt eine zeitnahe und substanzielle Klärung der Rechtsgrundlage für diese Geheimhaltung. Rechtliche Bedenken bei einigen Passagen rechtfertigen seiner Meinung nach nicht, dass der gesamte Bericht unter Verschluss bleibt. Der Streit am Küniglberg ist damit noch lange nicht vorbei.

Quellen: oe24.at, ORF.at, Der Standard
Credits: APA

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